Ältere Arbeitnehmer! Was ist das? – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer)

Der Begriff „ältere Arbeitnehmer“ ist weder juristisch noch wissenschaftlich definiert, sondern dient lediglich der Bezeichnung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die ein bestimmtes Lebensalter bereits überschritten haben. In der Vergangenheit wurde dies mit dem 50. Geburtstag erreicht, spätestens jedoch mit dem Erreichen des 55. Lebensjahres fixiert. In Einzelfällen – z.B. in IT-Unternehmen, Agenturen – wurden auch bereits Menschen ab 40 Jahren als „ältere Arbeitnehmer“ bezeichnet.

Ein schlechter Witz – oder? Das Altersgefühl der Menschen hat sich mit einer seit Jahrzehnten weiter wachsenden Lebenserwartung revolutioniert. Innerhalb einer Generation haben sich die Denk- und Verhaltensstrukturen, die Lebensart und die Werte massiv verändert. Wir leben in einer Zeit, in der sich 60-Jährige wie Ende 40 fühlen. Da heiraten 58-Jährige zum dritten Mal und wollen Kinder. 70-Jährige beginnen mit dem Fallschirmspringen und über 80-Jährige sind eine immer größer werdende Gruppe bei Marathonläufen.

Hört man manchen Unternehmern und Führungskräften zu, scheinen dagegen in den Betrieben völlig andere Menschen beschäftigt zu sein. Sie sind zwar oft schon 30, oder 40 Jahre in der Firma. Mit zunehmendem Alter und ab einem nicht genau zu bestimmenden Zeitpunkt wird ihnen immer weniger zugetraut und nach Wegen gesucht, sie so früh wie möglich loszuwerden. Gleichzeitig glauben interessanterweise die gleichen Chefs, dass sie selbst bis mindestens 85 arbeiten können oder sogar müssen. Sie sind davon überzeugt, dass ihre Leistungsfähigkeit und Produktivität nicht sinkt und es ohne sie sowieso nicht geht. Erschreckenderweise fallen den wenigsten dieser Widerspruch und die diskriminierende Einstellung auf.

Außerhalb der Unternehmen sind die gleichen älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als gefragte Ratgeber, Omas und Opas, Trainer, Vereinspräsidenten oder Politiker tätig.

Interessant ist auch, dass keiner auf die Idee kommt, die Leistungsfähigkeit von älteren Politikern, Ärzten, Anwälten, Künstlern oder Unternehmern in Frage zu stellen. Keiner hinterfragt die weit über 70-jährigen Rolling Stones oder Dietrich Mateschitz, den 72-jährigen Chef von Red Bull. Nur Angestellte scheinen von einem schleichenden Verlust ihres Könnens und Wollens befallen zu werden.

Vor diesem Hintergrund müssen Altersbegriffe, aber auch Worte wie „Rente“ und „Ruhestand“ in den Firmen neu definiert werden. Denn erstens wollen zunehmend mehr Menschen auch ihr Alter aktiv gestalten und ihre Fähigkeiten in ein Unternehmen oder in die Gesellschaft einbringen. Und zweitens, weil ein zunehmendes politisches und gesellschaftliches Einvernehmen darüber besteht, dass die Menschen in Zukunft länger arbeiten sollen. Das wird sicher nicht für jeden passen. Beschäftigte in körperlich und psychisch belastenden Berufen werden es oft auch nicht können. Darauf ist selbstverständlich Rücksicht zu nehmen. Diejenigen aber, die es wollen, sollten fördernde Rahmenbedingungen vorfinden. Die Generation der Babyboomer und die Nachfolge-Generationen sind selbstbewusst und fit, gut ausgebildet und leistungsfähig.

In der heutigen Informations-, Erfahrungs- und Wissensgesellschaft sind die besonderen Fähigkeiten, die Erfahrungen und Beziehungen älterer Menschen immer mehr wert und werden zunehmend mehr gefragt. Physisch und psychisch spricht nichts dagegen – im Gegenteil. Altersforscher bestätigen, dass unser Geist auch mit zunehmendem Alter fit bleibt, wenn wir ihn fordern. Das Gehirn muss allerdings ähnlich wie ein Muskel trainiert werden.

So ist für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das „aktive Altern“ ein Prozess, bei dem Menschen die ihnen gegebenen Möglichkeiten nutzen, „im zunehmenden Alter ihre Gesundheit zu wahren, am Leben ihrer sozialen Umgebung teilzunehmen, ihre persönliche Sicherheit zu gewährleisten und dadurch ihre Lebensqualität zu verbessern.“

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

Er ist Herausgeber des renommierten Coaching-Briefes „Monatliche Praxistipps für die Finanzwirtschaft“ (www.monatlichepraxistipps.com).

www.helmutmuthers.com

www.generationengespraech.com

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