Ältere Mitarbeiter sind die Zukunft. – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer) in BZ-Nachrichten

Die Bedeutung der Alterung für den eigenen Betrieb wird einerseits offensichtlich nicht erkannt, vielleicht auch, weil es sich um einen schleichenden Prozess handelt. Der Altersaufbau der Belegschaft stellt für viele kurzfristig kein erkennbares Problem dar. Andererseits herrscht in vielen Firmen aber auch das „Sankt-Florian-Prinzip“ („Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd’s andere an!“) Sie gehen wohl davon aus, dass der Alterungskelch an ihnen irgendwie vorübergeht und sich diese Herausforderung aussitzen lässt. Das funktioniert aber eigentlich schon seit vielen Jahren nicht mehr, wie die nicht enden wollenden Klagen über den Fachkräftemangel und die Schwierigkeiten bei der Rekrutierung junger Mitarbeiter zeigen.

Es wird höchste Zeit, zu verstehen, dass wir uns bereits mitten in einer Entwicklung befinden, die den Arbeitsmarkt und die Belegschaftsstrukturen massiv und vor allem dauerhaft verändert. Mit kleineren kosmetischen Korrekturen ist da nichts mehr zu machen, die reichen schon lange nicht mehr aus. So wie die älteren Kunden müssen auch die älteren Mitarbeiter umgehend in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Eine Mitarbeitergruppe also, die in der Vergangenheit meist im personalpolitischen Niemandsland zu finden war. Frühpension, Vorruhestand und Altersteilzeit gehörten noch in der jüngeren Vergangenheit zu den legitimen Strategien einer allseits akzeptierten Personalpolitik. Die dahinter stehenden Denkmuster von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind allerdings längst von der Realität überholt und für die Zukunftstauglichkeit der Firmen höchst gefährlich geworden.

In den kommenden Jahren und Jahrzehnten fehlen nämlich die, die in der Vergangenheit mehr als ausreichend vorhanden waren: arbeitsfähige Menschen unter 65 Jahren. Die Zahl der Nachwuchskräfte am Arbeitsmarkt bleibt in der Zukunft völlig unzureichend, Schulabgänger und ausgelernte Mitarbeiter studieren immer öfter und die Altersstruktur der Beschäftigten verschiebt sich unaufhaltsam nach oben. Die Abhängigkeit der Unternehmen von ihren Mitarbeitern wächst rasant.

Das marktwirtschaftliche Prinzip von Angebot und Nachfrage funktioniert auch auf dem Arbeitsmarkt bestens. Die Beschäftigungschancen für jüngere und ältere Menschen wachsen unaufhaltsam und die Beschäftigungsdauer für ältere Arbeitnehmer bedarf einer dringenden Korrektur. Das herrschende Altersbild, Klischees und Vorurteile müssen auch im Hinblick auf ältere Mitarbeiter überprüft werden. Der Umgang mit ihnen braucht Erneuerung, ihr Image in den Betrieben muss dringend aufpoliert werden.

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

Er ist Herausgeber des renommierten Coaching-Briefes „Monatliche Praxistipps für die Finanzwirtschaft“ (www.monatlichepraxistipps.com).

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