Ändert das Altersbild in euren Unternehmen. – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer) in BZ-Nachrichten.

Die frühzeitige „Entsorgung der älteren Mitarbeiter“ ist personalpolitisch das völlig falsche Signal, nicht nur an die Älteren, sondern an die gesamte Belegschaft. Ältere Mitarbeiter frühzeitig loswerden zu wollen, am besten noch mit einer finanziellen Abfindung, heißt nichts anderes als: „Ältere Mitarbeiter sind nichts mehr wert und wir müssen sie um jeden Preis loswerden“.

Das ist eine desaströse Botschaft. Das Bild der Älteren und des Alterns, die Einstellung, die Vorurteile und Klischees sowie das Verhalten im Unternehmen müssen dringend auf den Prüfstand und schnellstens korrigiert werden. Schon im Dritten Altenbericht der Bundesregierung ist nachzulesen: „Es gibt keine bedeutenden Unterschiede in der Arbeitsleistung Jüngerer und Älterer zwischen 60 und 70 – egal ob Verkäufer, Fließbandarbeiter, Büroangestellter oder Anwalt.“

Erste Ansätze für eine Veränderung sind eine wertschätzende Einstellung, Respekt und Achtung, auch und vor allem vor der Lebensleistung der älteren Mitarbeiter. Hier ist die Führung als Vorbild gefordert. Ältere Mitarbeiter sind Arbeitsprofis. Je länger ein Mitarbeiter im Unternehmen ist, desto mehr hat er zu dessen Geschichte beigetragen und sie geprägt. Er hat vieles erlebt, Höhen und Tiefen durchgemacht, unzählige Änderungsprozesse mitgestaltet und immer wieder neue Chefs und Kollegen kommen und gehen sehen.

Jüngere Kollegen tun gut daran, viel mit älteren Kollegen zu reden, um sich selbst ein Bild zu machen. Sie sollten sich in der Beurteilung einer zeitlichen Periode zurückhalten, in der sie möglicherweise noch gar nicht geboren, geschweige denn schon im Unternehmen waren. Das ist anmaßend.

Tragisch ist es auch, wenn einem jüngeren Mitarbeiter ohne große persönliche Vorbereitung und Unterstützung die Verantwortung für ein Projekt übertragen wird, in dem ausschließlich oder überwiegend Kollegen zwischen 50 und 60 eingebunden sind. Ich war zeitweise als Externer in solche Projekte involviert. In einem Unternehmen wurde einem 28-jährigen Marketingleiter die Verantwortung für ein Pilotprojekt zur Betreuung von Kunden über 65 übertragen. Die beteiligten Kollegen waren alle um mindestens zwei Jahrzehnte älter als er. Er war erst zwei Jahre im Unternehmen und völlig überfordert, weil keiner der älteren Kollegen ihn ernst nahm. Wenn er in den Projektsitzungen über die Betreuung älterer Kunden sprach, wusste er und spürten seine Kollegen, dass er theoretisierte und keine Ahnung hatte. Bei seinen Präsentationen war er ein Nervenbündel, strahlte Unsicherheit und fast kindliche Verlegenheit aus. So wurde die Motivation aller Beteiligten ruiniert und das Projekt war zum Scheitern verurteilt.

In einem Textilunternehmen sollten zwei junge Mitarbeiter (28 und 31 Jahre) unter Berücksichtigung der Alterung der Kundenstrukturen die künftige Filialgestaltung entwerfen. Als wir uns bei einer Veranstaltung trafen, waren die beiden verzweifelt und fühlten sich mit der Aufgabe völlig überfordert. Dieses Vorgehen von Führungskräften ist kontraproduktiv. Wer verantwortungsvoll arbeitet und seiner Aufgabe gerecht werden will, lässt seine Mitarbeiter nicht ins offene Messer laufen. Derartige Projekte sollten mindestens die Unterstützung durch ältere Kollegen haben. Besser ist es, einem Älteren die Projektleitung zu übertragen. Alles andere ist von vorneherein zum Scheitern verurteilt.

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

Er ist Herausgeber des renommierten Coaching-Briefes „Monatliche Praxistipps für die Finanzwirtschaft“ (www.monatlichepraxistipps.com).

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