Altersgrenzen? Nein, danke! – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten

Frankfurt 09.10.2016 Casting zur Miss 50 Plus Germany in der Kosmetikschule SchŠfer in Frankfurt. Diese Ladies wolle Miss Germany werden: Renate Zott Foto: Vincenzo Mancuso

Die Weltbevölkerung wächst nicht nur dramatisch (geschätzte 10 Milliarden 2050), sie wird auch immer älter. Die neuen Alten pfeifen auf die tief verwurzelten Stereotypen des Alters und wollen länger mehr vom Leben, als den altersschwachen Rückzug mit einer Tasse Tee auf der Veranda und weichen Texturen zum Essen, weil die 3. bissfest implantiert sind. Sie sind jung, gesund und interessiert wie nie zuvor. Alter adieu! – Wir sollten deshalb auch hierzulande daran arbeiten, das „FLAT AGE“ einzuläuten. Dabei haben wir höchst selbst zu verantworten, dass das Alter und die alten Strukturen verschwimmen. Der Fortschritt und am allermeisten der in der Medizin, beschert uns einen noch nie dagewesenen demografischen Prozess der radikalsten Art.

Flat-Ager: 20 oder 50 – wen kümmert’s?

Wenn wir uns also vorstellen, dass 2050 in etwa 2 Milliarden Menschen (von den ca. 10) über 60 Jahre alt sind, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als in vielen Bereichen tatsächlich neu zu denken und es mit dem Alter aufzunehmen. Die Lawine der Langlebigkeit fängt gerade erst an zu rollen und die wahren globalen Ausmaße sind wohl kaum abzuschätzen.

Fest steht indes, dass die Alten sich nicht aufs Abstellgleis schieben lassen, sondern im Geist der Zeit bleiben und auch nicht aufhören, Wein zu trinken – ob sie sich nun im Ruhestand befinden oder auch nicht. Werber tun gut daran, altersgruppenspezifische Kampagnen über Bord zu werfen und sich stattdessen auf Einstellungen, Interessen und Leidenschaften zu konzentrieren. In einem Leben, das mehr oder weniger zeitlos gelebt wird, sollte niemand mehr sagen, für was wer zu jung oder zu alt ist. Packen werden uns die, die auf unsere Emotionen und Ambitionen abstellen und nicht die, die wissen, wie viele Kerzen wir auf dem Geburtstagskuchen haben, den wir ohnehin nicht essen, weil zu viel Zucker drin ist.

Alter wird auch deshalb zunehmend irrelevant, weil es so facettenreich ist. Da bist du mit einer Timeline für irgendetwas falsch beraten. Während der eine seinen Ruhestand mit einer Tasse heißen Kakao feiert oder bedauert, trinkt der andere Champagner und macht die Nacht zum Tag. So abgedroschen die Sprüche vom Alter sein mögen – die Generation jenseits der 50 wird sich einfach so jung oder alt benehmen und leben und arbeiten, wie sie sich gerade fühlt. Sie wird keine Altersdiskriminierung dulden, sondern im Porsche sitzen und die Reifen quietschen lassen, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Oder sich im selbstfahrenden Mobil chauffieren lassen; auch das ist gesicherte Zukunftsmusik. Technologiedesign von morgen ist „Universal Design“ von 7 bis 87, weil die Zeit, wo wir uns altmodischen, funktional rückständigen Kram haben andrehen lassen, schon heute vorbei ist. Auch Modemarken werden sich an altersneutrale Kampagnen gewöhnen müssen und zwar nicht nur des Alters der potentiellen Käufer wegen sondern auch und ganz besonders aufgrund eines veränderten Verbraucherdenkens. Spätestens dann, wenn sich Frauen konsequent dem Mode-Diktat entziehen und so auftreten, wie sie sich fühlen, müssen auch die Bildredakteure ihre Linsen neu fokussieren. Nämlich auf die „New Faces“ jeden Alters. Da wir aber nur vom neuen Denken reden und schön an den alten Klischees festhalten, werden wohl noch ein paar Jährchen ins Land gehen, bis auch der letzte verstanden hat, dass Werbekampagnen für Anti-Aging-Produkte mit 20 oder 30jährigen Models einfach mega out sind. Und wer bitteschön braucht in Zeiten des FLAT AGE Anti Age?!

Auch wenn wir – irgendwann – „Nein danke“ zu Grenzen des Alters und Altersgruppen sagen und Menschen quasi zeitlos leben, gibt es die einen, die sich und ihren Konsum 24/7 feiern wollen und können und eine viel größere Gruppe derer, die heute nicht wissen, ob sie ihre Pläne für morgen überhaupt bezahlen können. Altersarmut ist nämlich nicht nur ein Begriff, sondern schon heute real existent. Menschen die nicht wissen, wie sie ihre monatlichen Grundbedürfnisse und -kosten decken sollen – auch wenn sie ihr Leben lang gearbeitet haben.

Egal wie wir zum Alter stehen und ob wir es an Zahlen oder Befindlichkeiten messen: am Ende des Tages kann es nur in unser aller Interesse sein, die umfangreichen Folgen unserer Langlebigkeit zu bewältigen. Hallo Flatties, da seid ihr alle dran und zwar jetzt!

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im 50PlusFernsehen:

Kommentar hinterlassen zu "Altersgrenzen? Nein, danke! – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


%d Bloggern gefällt das: