Alterung ist kein Schnupfen. – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer) in BZ-Nachrichten.

Deutschland hat heute die älteste Bevölkerung in Europa – vor Italien, Bulgarien und Portugal – und hinter Japan die zweitälteste der Welt. Alle Statistiken zeigen seit mehreren Jahrzehnten einen deutlichen Anstieg von Menschen über 50, über 60 usw.

Seit 2011 ist die Hälfte aller Erwachsenen in Deutschland 50 Jahre und älter. Ihre Zahl erhöhte sich von 1980 bis 2015 um zwölf Millionen oder 50 Prozent auf aktuell gut 36 Millionen, das sind rund 43 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die älteren Generationen sind damit die einzigen wachsenden Bevölkerungsgruppen, und das gleich im doppelten Sinne, denn nicht nur ihre Zahl hat sich deutlich erhöht, sondern auch ihre Lebenserwartung wächst nach wie vor ungebremst weiter.

Die Alterung schafft eine völlig neue gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Wirklichkeit. Wer bewusst und mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht sie im Alltag überdeutlich: in den Innenstädten und Supermärkten, in Autohäusern und beim Friseur, in den Cafés und Restaurants, in Theatern und Opernhäusern, in Thermen und Saunas, bei Busreisen und Kreuzfahrten – immer mehr ältere Menschen. Das gilt aber auch für die Mitgliederstrukturen in den Parteien und Verbänden, bei Rotary und Lions, in den Karnevals- und Schützenvereinen, in Kirchenchören und Männergesangvereinen.

Der Nachwuchs fehlt und die Altersstruktur der Mitglieder steigt unaufhaltsam weiter. Verjüngungsversuche sind fast aussichtslos, vielleicht auch, weil Jugendliche wenig Lust verspüren, ihre Freizeit mit überwiegend sehr viel älteren Vereinskollegen zu verbringen. Die älteren Semester sind längst die deutliche Mehrheit in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. An ihnen führt kein Weg mehr vorbei.

Das ist keine Frage einer Bewertung oder ob diese Entwicklungen gut oder schlecht sind. Wir können zunächst einmal nur akzeptieren, dass sich die demografischen Verhältnisse in den letzten Jahrzehnten in einem unglaublichen Ausmaß verschoben haben. Bei künftigen persönlichen Entscheidungen (zum Beispiel Wohnort, Mieten, Infrastruktur, Beschäftigung, Investitionen) und unternehmerischen Entscheidungen (zum Beispiel Standort und Steuern, Personalbeschaffung und -sicherung, Kundengewinnung und -bindung, Marketing und Vertrieb) sollten die Konsequenzen unbedingt bedacht und berücksichtigt werden.

Weniger Menschen im Geschäftsgebiet eines Unternehmens heißt weniger Konsumenten und weniger Kaufkraft. Weniger junge sowie immer mehr und immer länger lebende ältere Menschen heißt neue und andere Bedürfnisse. Vorausschauend schrieb der Spiegel schon in seiner Ausgabe vom 5. Januar 2004:

„Schon 2035 werden die Deutschen das älteste Volk der Welt sein. Auch manchem Konzernlenker dämmert mittlerweile, dass weniger Nachwuchs auf Dauer weniger Nachfrage bedeutet …“

Und Professor Dr. Herwig Birg meint sogar, dass diese Situation jedes Unternehmen in Panik versetzen müsste. Seit mehreren Jahrzehnten sagt und schreibt der Volkswirt das. Aber kaum jemand hört hin. Interessanterweise stellen sich bis heute nur wenige Unternehmen und Entscheidungsträger wirklich darauf ein. Natürlich, die massive Alterung der Gesellschaft ist ein Novum in der Menschheitsgeschichte. Die Menschen sind im Durchschnitt noch nie so alt geworden. Es gibt historisch keine Vorbilder. Das alles ist aber doch kein Grund, die Entwicklung zu ignorieren.

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

Er ist Herausgeber des renommierten Coaching-Briefes „Monatliche Praxistipps für die Finanzwirtschaft“ (www.monatlichepraxistipps.com).

Kommentar hinterlassen zu "Alterung ist kein Schnupfen. – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer) in BZ-Nachrichten."

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


%d Bloggern gefällt das: