Anerkennen Sie die Leistung Ihrer älteren Mitarbeiter. – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer). in BZ-Nachrichten

Respekt und Wertschätzung seitens der Führungskräfte und der Kollegen sind zunächst einmal die ersten und wichtigsten Voraussetzungen für hohe Motivation, Leistungsbereitschaft, Loyalität und beste Leistungen. Ohne sie geht gar nichts. Aus unzähligen Gesprächen mit älteren Mitarbeitern weiß ich, dass das leider nicht immer und überall in den Unternehmen gegeben ist. Bewusste oder unbewusste Ausgrenzung ist eine häufige Ursache dafür, dass sich ältere Mitarbeiter emotional vom Unternehmen lösen.

Anzeichen können sein, dass Mitarbeiter …

  • schon frühzeitig nur noch über ihren Abschied aus der Firma reden,
  • nur noch von der guten alten Zeit im Unternehmen sprechen,
  • so früh wie möglich den Ruhestand anstreben,
  • sich nicht mehr einbringen,
  • nur noch Dienst nach Vorschrift und keine Fehler mehr machen,
  • immer öfter Ärzte aufsuchen und „krankfeiern“,
  • keine Ideen mehr äußern,
  • sich für ausgeschriebene Projekte – auch wenn sie aktiv angesprochen werden – nicht mehr interessieren,
  • an Abteilungs- und Firmenfeiern sowie Betriebsausflügen nicht mehr teilnehmen.

Natürlich ist jeder Mitarbeiter auch selbst für seine Lebens- und Arbeitssituation verantwortlich und man kann sich durchaus fragen, warum manche Leute sich nicht einfach einen anderen Job suchen, wenn ihnen die Arbeit in ihrer Firma keinen Spaß mehr macht. Eine Kündigung wird allerdings gerade bei älteren Mitarbeitern eher selten in Betracht gezogen. Die meisten sehen keine Alternativen zur aktuellen Tätigkeit und befürchten finanzielle Einbußen. Da sitzen sie dann lieber die letzten Jahre vor der Rente ab. Auch wenn sich Arbeitgeber mit Recht über unmotivierte und unzufriedene ältere Mitarbeiter ärgern, sie tragen oft selbst eine Mitschuld daran, dass es so weit gekommen ist. Einer inneren Kündigung gehen meist viele unerfüllte Erwartungen und Enttäuschungen voraus.

Psychologisch betrachtet treffen Arbeitgeber und Arbeitnehmer neben dem offiziellen Arbeitsvertrag auch eine unausgesprochene Vereinbarung: So fordern Unternehmen zum Beispiel von ihren Mitarbeitern Verlässlichkeit, Flexibilität und Loyalität. Im Gegenzug erwarten Beschäftigte eine sinnhafte Tätigkeit, eine durch Respekt geprägte Beziehung zur Führungskraft und Arbeitsanforderungen, die an ihre Fähigkeiten angepasst und zu bewältigen sind. Diese Erwartungen können oder wollen viele Arbeitgeber Mitarbeitern mit längerer Betriebszugehörigkeit oft nicht dauerhaft erfüllen. Beginnende negative Gedanken des Mitarbeiters sind die Folge: „Ich zerreiße mich seit Jahren für die Firma, auf mich nimmt aber niemand Rücksicht und keiner dankt es mir.“ Wenn dann noch der Eindruck dazukommt, dass der eigene Chef ihm nicht (mehr) vertraut und jeden Arbeitsschritt kontrolliert, fühlt sich der Betroffene schnell hilflos ausgeliefert. Abfällige Bemerkungen, Hinweise auf den Ruhestand und das – aus Sicht des Mitarbeiters – zu frühe Gespräch der Führungskraft oder der Personalabteilung über ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Betrieb tun ein Übriges, um das Engagement nachhaltig erlahmen zu lassen.

Zu großem Frust führt auch, wenn Mensch und Arbeit nicht mehr zusammenpassen, wenn es schlicht versäumt wurde, die Aufgaben an die sich mit zunehmendem Alter naturgemäß ändernden Fähigkeiten anzupassen. Lässt die Arbeitsleistung dann nach, zeigen sich Unternehmensleitung und Führungskräfte oft enttäuscht und kommunizieren das dem betroffenen Mitarbeiter auch, obwohl sie selbst den Anpassungsprozess versäumt haben. Das haben gerade ältere Mitarbeiter nicht verdient. Sie sind oft viele Jahre und Jahrzehnte im Unternehmen, haben sich mit viel Engagement eingebracht, zu ihrem Betrieb gestanden und im Rahmen ihrer Möglichkeiten zum Erfolg beigetragen. Sie haben vieles erlebt und können viel erzählen, über kommende und gehende Chefs und Führungskräfte, Umstrukturierungsprozesse und technische Umstellungen, neue Betriebsgebäude und Umzüge, funktionierende und gescheiterte Konzepte und eine permanente Veränderung der Rahmenbedingungen.

Oft sind sie die Geschichtsbücher einer Firma und loyal bis in die Haarspitzen. Wenn ihre Zugehörigkeit zum Betrieb und ihre Leistungen ab einem gewissen Alter dann keine Anerkennung mehr finden, ist ihre Enttäuschung groß. Dabei geht es selten um objektive Kriterien, sondern vor allem um Emotionen, die zum Beispiel durch bestimmte Aussagen, Sarkasmus, einen „dummen“ Spruch, eine abwertende Handbewegung oder bestimmte Angebote ausgelöst werden.

Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihnen ab Ihrem 50. Geburtstag ein Sportprogramm für Betriebssenioren angeboten wird? Wenn Menschen, die sich vielleicht wie Ende 30 fühlen, zum Betriebssenior abgestempelt werden, löst das mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Begeisterungsstürme aus.

Es sind diese Kleinigkeiten, die ein Arbeitsverhältnis belasten und aus loyalen, motivierten Mitarbeitern, illoyale und frustrierte machen. Bedenken Sie das beim Umgang mit älteren Mitarbeitern.

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

Er ist Herausgeber des renommierten Coaching-Briefes „Monatliche Praxistipps für die Finanzwirtschaft“ (www.monatlichepraxistipps.com).

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