Ansehen der Parteien und Sonntagsfrage

Jahrzehntelang war es ein politischer Gemeinplatz, dass bei Bundestags- und auch bei den meisten Landtagswahlen die Zweitstimme die entscheidende Stimme ist. Nur sie entscheidet letztlich über die Stärke einer Partei im Verhältnis zu den Mitbewerbern. Abgeordnete, die über die Erststimme gewählt wurden, relativieren die Bedeutung der Landesliste, nicht aber die Stärke einer Partei. Die aktuellen Entwicklungen in Sachsen, wo nur ein Bruchteil der AfD-Landesliste formal korrekt gewählt wurde, führt vor der Landtagswahl am 1. September 2019 in diesem Freistaat jetzt dazu, dass verstärkt auf die Direktwahlkreise geschaut wird. Ein Blick auf die wöchentliche INSA-Wahlkreiskarte bezogen auf die Bundestagswahlkreiskarte lohnt sich in diesem Zusammenhang.

Stimmungslage im Bund – die Sonntagsfrage

Aktuell würden mit 27 Prozent die meisten Befragten die Union wählen. Mit drei Prozentpunkten Abstand folgen die Grünen (24 %) und auf Platz drei liegt die AfD mit 14 Prozent sehr knapp vor der SPD, die mit 13,5 Prozent folgt. Weitere 8,5 Prozent würden aktuell die Linksparte und acht Prozent die FDP wählen.

Im Vergleich zur Vorwoche gewinnen SPD und Linke jeweils einen halben Prozentpunkt hinzu, während alle anderen Parteien ihre Werte halten.

Bei den sicheren Stimmen können CDU/CSU sowie FDP je einen Prozentpunkt hinzugewinnen. SPD, AfD und Linkspartei halten diesen Anteil und die Grünen verlieren hier einen Prozentpunkt im Vergleich zur Vorwoche.

Dafür gewinnen die Grünen zwei Prozentpunkte bei den potentiellen Wählern hinzu, ebenso wie die Linkspartei. Die SPD gewinnt hier einen Prozentpunkt, bei der FDP bleibt der Anteil potentieller Wähler unverändert und Union und AfD verlieren jeweils einen Prozentpunkt im Vergleich zur letzten Woche.

Der Anteil an nicht zu erreichenden Wählern vergrößert sich diese Woche bei der FDP um drei Prozentpunkt und bei der Union um einen Punkt. Bei SPD und AfD bleibt der Anteil unverändert. Die Linke kann den Anteil an Wählern, die eine Wahl der Partei grundsätzlich ausschließen um zwei Prozentpunkte verringern und die Grünen um 4 Prozentpunkte.

Die aktuelle INSA-Wahlkreiskarte – Sachsen wird zum Teil blau

Inwiefern vertreten die verschiedenen Parteien die Interessen der Befragten?

Regelmäßig fragt das Meinungsforschungs-Institut im INSA-Meinungstrend auch ab, inwiefern die jeweiligen Parteien die Interessen der Befragten auf einer Skala von 0 (vertritt Interessen überhaupt nicht) bis 10 (vertritt Interessen voll und ganz) vertreten. Daraus kann ein Punktewert zwischen 0 und 100 errechnet werden.

Zuerst muss festgehalten werden, dass überhaupt keine Partei auch nur auf die Hälfte der möglichen Punktezahl kommt, wenn es um die Interessenvertretung der Befragten geht.

Aktuell erreichen die Grünen mit 43 Punkten den ersten Platz. Es folgt die Union mit 40 Punkten und auf Platz 3 die SPD mit 37 Punkten. Die CSU liegt mit 34 Punkten an vierter Position. Die Linke und die FDP folgen mit 33 bzw. 32 Punkten knapp dahinter. Auf dem letzten Platz liegt die AfD mit 19 Punkten.

Teilt man die Bewertung der politischen Interessenvertretung in drei verschiedene Rankingbereiche – positiv, neutral, negativ – ein, zeigt sich, dass bei ausnahmslos allen Parteien das negative Ranking das positive überwiegt. Am höchsten fällt das Positivranking aktuell bei den Grünen aus: 26 Prozent der Befragten geben hier ein positives Urteil ab. Weitere 21 Prozent bewerten die Partei bzw. die Interessenvertretung durch sie als neutral und weitere 35 Prozent als negativ. Es folgt die CDU mit 22 Prozent positivem, 24 Prozent neutralem und 38 Prozent negativem Feedback durch die Befragten. Mit 17 Prozent an positivem Ranking liegt die CSU zwar auf Platz drei, aber mit 20 Prozent neutralem und 45 Prozent negativem Ranking, überwiegt der nicht-positive Anteil deutlich. Gleiches gilt für die Linke, wobei hier 15 Prozent der Befragten ein positives und 22 Prozent ein neutrales Urteil über die Partei abgeben. Der negative Anteil liegt hier ebenfalls bei 45 Prozent. Die SPD wird zwar mit 38 Prozent seltener negativ bewertet als CSU und Linke, kann aber auch nur 14 Prozent an positivem Ranking verzeichnen, dafür schätzen aber 30 Prozent die Partei neutral ein. Während AfD und FDP mit jeweils elf Prozent an positiven Rankingpunkten auf dem letzten Platz gleichauf liegen, zeigen sich doch deutliche Unterschiede beim neutralen und vor allem beim negativem Ranking: Während die AfD nur zu neun Prozent neutral eingeschätzt wird und die FDP zu 26 Prozent, liegen die Freien Demokraten bei der negativen Bewertung lediglich bei 44 Prozent, wobei die AfD hier mit Abstand den höchsten negativen Rankingwert von 63 Prozent verzeichnen muss.

Betrachtet man den Verlauf der Bewertung der Interessenvertretung der jeweiligen Parteien, lässt sich erkennen, dass zu Beginn des Februars sowohl ein Positionswechsel zwischen SPD und Grünen als auch zwischen FDP und Linkspartei stattfand: Während die Grünen am 04.02. noch vor den Sozialdemokraten lagen, zogen diese am 11.02. gleich und überholten sie am 18.02. sogar. Auch der Linkspartei gelang es, am 11.02. an der FDP vorbei zu ziehen, jedoch mussten sie den fünften Platz schon in der Folgewoche wieder an die Freien Demokraten abgeben. An den am 18.02. erreichten Positionen – 1. Platz CDU, 2. Platz SPD, 3. Platz Grüne, 4. Platz CSU, 5. Platz FDP, 6. Platz Linke und mit jeweils mindestens 10 Punkten Abstand, weit abgeschlagen auf Platz sieben die AfD – ändert sich bis Anfang Mai nichts. Erst am 08.04. tauschen Grüne und SPD wieder den Platz, wobei auch dieser Tausch in der folgenden Woche wieder umgedreht wird. Am 06.05. gelingt es den Grünen dann erneut an der SPD vorbeizuziehen. Diese schaffen in der Folgewoche zwar einen Punktausgleich (beide 40), doch am 27.05. lassen die Grünen nicht nur die Sozialdemokraten, sondern auch die CDU hinter sich zurück und erklimmen den ersten Platz. An den ersten vier Positionen – Grüne, CDU, SPD, CSU – hat sich seitdem nichts mehr geändert. Das Ringen um Platz fünf hingegen bleibt bestehen: Zwar kann die FDP ihren Vorsprung zur Linken vom 18.02. bis zum 03.06. stabil aufrechterhalten, am 11.06. sackt der Wert der Freien Demokraten jedoch soweit ab, dass er unter dem der Linkspartei zurückbleibt. In der Folgewoche geschieht der Linken jedoch das Gleiche, sodass nun wieder die FDP vorn liegt, was sich wiederum am 24.06. erneut zu Gunsten der Linkspartei ändert. Diese liegt auch aktuell auf dem fünften Platz vor der FDP.

Wie stark ist das politische Interesse der jeweiligen Wählergruppen?

Am häufigsten geben SPD- und AfD-Wähler an, ein sehr starkes politisches Interesse zu haben (je 22 %), knapp dahinter folgen mit 21 Prozent die Wähler der Linkspartei und mit 19 Prozent die FDP- sowie mit 17 Prozent die Union-Wähler. Wähler der Grünen geben nur zu 15 Prozent an, ein sehr starkes politisches Interesse zu haben.

Bei den Anteilen derjenigen, die angeben, ein ziemlich starkes Interesse zu haben, zeigen sich teils deutliche Unterschiede: Während Wähler der Linke, FDP und Union hier jeweils auf Werte zwischen 45 und 43 Prozent kommen, bleiben SPD-Wähler mit 39 Prozent leicht und Grünen- (37 %) und AfD-Wähler (33 %) deutlich dahinter zurück.

Kumuliert man sehr starkes und ziemlich starkes politisches Interesse, weisen dies am häufigsten Linkspartei-Wähler mit 66 Prozent auf. Es folgen Wähler von FDP (62 %), SPD (61 %)m CDU/CSU (60 %), AfD (56 %) und Grünen (52 %). Letztere weisen wiederum mit 33 Prozent den höchsten Wert bei mittelmäßigem politischen Interesse auf, dicht gefolgt von AfD-Wählern, die dies zu 30 Prozent angeben. Wähler der FDP, SPD und Union weisen hier Anteile von 28 bis 26 Prozent auf und am geringsten fällt der Anteil mit 21 Prozent bei Linke-Wählern aus.

Bei weniger stark ausgeprägtem politischen Interesse unterscheiden sich die verschiedenen Wählergruppen kaum: Die Werte liegen hier bei allen zwischen zwölf und neun Prozent. Gleiches gilt für diejenigen, die angeben überhaupt nicht politisch interessiert zu sein, wobei die Anteile hier deutlich niedriger angesiedelt zwischen drei und einem Prozent liegen.

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