Arbeit: 40 Prozent der Unternehmen beklagen einen Fachkräftemangel

Atrium im "Haus der Deutschen Wirtschaft" 21.02.2014

Stimmung in der Industrie bleibt gedämpft – DIHK-Report zeigt überraschend expansive Personalpläne

Das verarbeitende Gewerbe bewertet seine Lage und seine Perspektiven zurückhaltender als die deutsche Wirtschaft insgesamt. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor, der die Antworten von nahezu 6.000 Industriebetrieben zugrunde liegen.

„Am aktuellen Aufschwung der deutschen Binnenwirtschaft kann die Industrie nur bedingt teilhaben“, bedauerte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Volker Treier gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Während Baugewerbe und Dienstleister ihre Geschäftslage so gut wie noch nie einschätzen, bleibt die Stimmung in der Industrie gedämpft“, fasste er die Ergebnisse des neuen DIHK‑Industriereports zusammen.

Dr. Volker Treier, Hauptgeschäftsführer DIHK

Als wichtigen Grund nannte er die Belastungen durch das flaue Außengeschäft, die für international tätige Betriebe spürbar würden: „Die Exporterwartungen der Industrie liegen weit unter dem langjährigen Durchschnitt der Umfrage“, so Treier. „Vor allem der Fahrzeug- und der Maschinenbau sehen wenige außenwirtschaftliche Lichtblicke.“

Der US-Dollar sei zwar zuletzt spürbar gestiegen, sodass deutsche Exporte billiger würden, das reiche jedoch nicht aus, um den Ausfuhren echten Schwung zu verleihen: „Mehr als zwei Prozent Exportwachstum sind daher auch 2017 nicht drin“, sagte Treier. „Dahinter steckt auch, dass der Welthandel insgesamt in einer Schwächephase steckt – die ihre Ursachen im aufkeimenden Protektionismus und in einer recht mageren Weltkonjunktur hat.“ Eine nachhaltige Besserung werde durch politische und wirtschaftliche Krisen in wichtigen Weltregionen verhindert.

Eine positive Überraschung stellen laut Treier hingegen die Beschäftigungspläne im Verarbeitenden Gewerbe dar. Der Umfrage zufolge planen etwa die Hersteller von Konsumgütern wie Lebensmitteln, Möbeln oder Pharmaprodukten, zusätzlich Personal einzustellen.

„Nachdem die Industrie in den letzten fünf Jahren bereits über 350.000 neue Stellen geschaffen hat, plant sie weiterhin expansiv“, so Treiers Resümee. „2017 dürfte es zu einem Plus von zumindest 30.000 Arbeitsplätzen kommen. Die Sorgen der Betriebe um die Fachkräftesicherung steigen allerdings auch – beachtliche 40 Prozent der Unternehmen beklagen mittlerweile einen Fachkräftemangel.“ Gleichzeitig erziele das Geschäftsrisiko „steigende Arbeitskosten“ mit 39 Prozent fast seinen bisherigen Höchststand von 40 Prozent.

Bundesverband Initiative 50Plus fordert mehr Engagement für ältere Beschäftigte

Uwe-Matthias Müller, Vorstand Bundesverband Initiative 50Plus

„Die Wirtschaft leidet immer stärker unter einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Dieser Druck wird noch zunehmen. Daher ist es höchste Zeit, sich auf das Potential der gut ausgebildeten älteren Mitarbeiter in den Betrieben zu besinnen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen müssen sich mehr anstrengen, für ihre Mitarbeiter attraktiv zu sein. Die KMU müssen den älteren Beschäftigten mehr Wertschätzung entgegenbringen.“ so Uwe-Matthias Müller, Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus.

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