Arbeitsmarkt bleibt im Aufwind – Unternehmen lassen Arbeitnehmer 50Plus außen vor

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer zeigt im April weiterhin sehr gute Aussichten für die Entwicklung des Arbeitsmarkts in den kommenden Monaten. Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verbleibt auf dem hohen Vormonatswert von 104,4 Punkten.

„Die Arbeitsagenturen sehen den Arbeitsmarkt weiter im Aufwind“, sagt Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und Strukturanalysen“. Die Entwicklung stütze sich vor allem auf die steigende Beschäftigung. Die Beschäftigungskomponente des IAB-Arbeitsmarktbarometers gewinnt im April gegenüber dem Vormonat 0,1 Punkte hinzu und liegt mit 106,6 Punkten deutlich im positiven Bereich. Zum einen gebe es einen generellen Aufwärtstrend, der vor allem auf der Entwicklung im Dienstleistungsbereich beruhe, so Weber. Hinzu komme, dass die Konjunktur derzeit rund laufe.

Die Zahlen des Arbeitsmarktes sind gut – den Jobsuchenden über 50 hilft das nicht

Die Komponente zur Vorhersage der Arbeitslosigkeit gibt zwar im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Punkte nach, liegt mit 102,2 Punkten aber weiter auf einem guten Niveau. „Der Arbeitsmarkt ist aufnahmefähig, und zugleich sinken die Entlassungen“, erklärt Weber die Entwicklung. Das Verhältnis von offenen Stellen zu potenziellen Bewerbern habe sich in den letzten Jahren deutlich zugunsten der Arbeitnehmer entwickelt. Deshalb versuchten Betriebe, ihre Mitarbeiter länger zu halten. Damit gingen die Neuzugänge in Arbeitslosigkeit trotz der zusätzlichen Arbeitslosmeldungen von Flüchtlingen zurück.

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist ein Frühindikator, der auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen basiert. Während Komponente A des Barometers die Entwicklung der saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen für die nächsten drei Monate prognostiziert, dient Komponente B der Vorhersage der Beschäftigungsentwicklung. Der Mittelwert aus den Komponenten „Arbeitslosigkeit“ und „Beschäftigung“ bildet den Gesamtwert des IAB-Arbeitsmarktbarometers. Dieser Indikator gibt damit einen Ausblick auf die Gesamtentwicklung des Arbeitsmarkts. Die Skala des IAB-Arbeitsmarktbarometers reicht von 90 (sehr schlechte Entwicklung) bis 110 (sehr gute Entwicklung).

Die guten Zahlen des Arbeitsmarktes verbessern nicht die Aussichten von Menschen über 50, die Arbeit suchen. Bundesverband Initiative 50Plus fordert ein Umdenken der Betriebe

„Gebt erfahrenen Arbeitnehmern eine faire Chance!“ fordert Uwe-Matthias Müller, Bundesverband Initiative 50Plus

Die guten Werte, die das IAB veröffentlicht zeigen, dass es Unternehmen immer schwerer haben, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Zum Beispiel sucht die Berliner Charité dringend Personal für die sanierten Operationssäle des Bettenhauses. Nach Angaben des Klinikums sind derzeit 25 der 160 Stellen nicht besetzt, berichtet die „Berliner Morgenpost„.

Doch trotz des latenten Arbeitskräfte- und Fachkräfte-Mangels haben es Bewerber, die die 50 überschritten haben schwer, einen Job zu finden. Vielfach schaffen sie es aufgrund Ihres Alters nicht einmal bis zum persönlichen Bewerbungs-Gespräch. „Viele Unternehmen reden von Employer Branding und gleichen Chancen für alle Bewerber. Die Tatsachen sprechen leider eine andere Sprache. Oftmals erhalten Bewerber – unabhängig von ihrer Qualifikation – allein aufgrund ihres Alters nicht einmal die Chance auf ein persönliches Vorstellungs-Gespräch. Die Unternehmen, die so handeln, agieren kurzsichtig und lassen viel Potential liegen!“ so Uwe-Matthias Müller, Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus.

Auch interessant:

Zu alt? Zu teuer? Zu wenig online-affin? Jobsuche aus der Sicht einer topqualifizierten Marketing-Führungskraft 50Plus

BR-Tagesgespräch: Arbeiten über 50 – Wie stehen die Chancen auf einen neuen Job? Mit Uwe-Matthias Müller als Experten

Bundesverband Initiative 50Plus: Weg mit den Stereotypen zum Alter!

Erfolgsfaktor Erfahrung 50Plus – Ein Fachkräftenetzwerk geht an den Start

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


%d Bloggern gefällt das: