Beautystories. – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten

Wer Mode & Schönsein mag, der wird sicher das ein oder andere Frauenmagazin lesen, um neue Anregungen und Tipps zu bekommen. Logisch, dass ich mich da nicht ausschließe. Schaust du dir die Beauty-Artikel genauer an, denkst du zwangsläufig: wie crazy ist das denn bitteschön?! In jedem Heft neue Must-Haves: zum Reparieren, Auffüllen, Straffen, Kühlen, Beruhigen und was du sonst noch so auf deiner Beauty-Wishlist hast. Alles nährt und pflegt, mildert Fältchen, küsst dich wach, macht dich schön im Schlaf und obendrauf streichelzart. Über das, was drin ist – in den tausenden von Wunder-Töpfchen und -Tiegelchen – kriegst du kleine Appetizer, die dir Lust zum Kaufen machen sollen. Spätestens nach 2 Seiten davon wird dir beim Lesen schwindelig, weil vom Arganöl über den Kaktus-Extrakt bis zum Vitamin C alles burnermäßig geile Haut macht.

Wer up to date ist, weiß, dass „Doctor Brands“ die Beauty Szenerie gerade im Sturm erobern. Pflege mit Expertise eben. Und wenn dann so ein Cremchen den Hauch vom weißen, cleanen Kittel an sich kleben hat, dann muss es halten, was es verspricht, schließlich kann ja nicht umsonst „Dr.“ draufstehen. Pure Kompetenz von der Verpackung an!

Was uns als nächstes beschert wird? Ich bin überzeugt: der Kampf gegen den ganzen Beauty-Müll. 27 Milliarden Plastikflaschen aus der Kosmetikindustrie sind ein Wort und da werden die dann ganz vorne sein, die sich den omnipräsenten Begriff ’nachhaltige‘ Herstellung inkl. der Verpackungsmaterialien mit aufs Etikett schreiben lassen können. Mädels: der Trend ist einfach: „getting clean“. Was das genau bedeutet – die Marketingspezialisten werden es uns wissen lassen. Und wer weiß, vielleicht laufen wir irgendwann in den nächsten Shop und lassen „nachfüllen“.

Aber wie auch immer, ich fühle mich generell irgendwie „angeschmiert“. Kann mir ja keiner erzählen, dass die gesamte Kosmetikindustrie nur aus Gut-Menschen besteht, die alle wollen, dass ich dufte aussehe. Die Hauptsache ist doch, dass die Regale wieder leer werden und der Umsatz on- und offline steigt. Gehst du ins Geschäft, um Beratung zu erhalten, wird es zunehmend schwierig. Man setzt im Kosmetikvertrieb (häufig) nicht mehr auf eine gute Ausbildung, sondern in der Hauptsache auf Absatz. Fragst du eine Kosmetikfachverkäuferin, was so drin ist, im 500 EUR Tiegel, werden die Augen groß und die Erläuterung klein – so jedenfalls meine Erfahrung. Zwar ist die Angabe der Inhaltsstoffe seit 1997 gesetzlich vorgeschrieben, das hilft jedoch wenig, weil meistens 1. weder Konsumenten noch Kosmetikfachverkäufer wissen, was sich hinter dem Fachchinesisch verbirgt und 2. die Angaben so klein gedruckt sind, dass selbst die junge Dame ohne Lupe nicht weiterkommt. „Aber ist ja alles kein Problem“, sagt die junge Dame. Einfach alles zurückbringen, wenn die Pickel sprießen – mit Quittung versteht sich. Dass sich überdies eine/r mit Haut auskennt und meine unter die Lupe nehmen will; oh je, das hat man heute nicht mehr. Puh, diese 50Plus-Kunden sind aber auch schwierig. Schade nur, dass nur die immer mehr werden und der Kosmetikindustrie bereits mehr als 50% des Gesamtumsatzes bescheren. Ich fürchte, ohne die macht so manches Beauty-Brand Pleite. Welch ein Glück, dass auch wir nun schon zu 75% online sind, denn das macht Hoffnung. Hoffnung auf den Wegfall von Fragen – dafür Bestellsegen von den Alten.

Apropos Online-Kauf: Inspos, Tutorials & Co. in Hülle und Fülle. Auch im Netz das pure Beauty-Vergnügen und blutjunge Schreiber, die fleißig Produkte testen und die Leser*innen mit Tipps und Tricks für ihr junges Klientel versorgen. Auf den großen Plattformen suchst du vergeblich nach Altersgenoss*innen 50Plus. Tipps und Tricks von Faltenträger*innen? Bis dato nahezu Fehlanzeige. Dabei hätte ich jede Menge auf Lager. Schade, die will noch keiner und wirklich: auch ich liebe die schönen Dinge und auch, dass sie schön bleiben. Das nur ganz nebenbei.

Aber zurück zur Haut – letztlich ist doch jedem klar, dass die Haut ein Organ ist und irgendwelche Wünsche hat. Vielleicht mag die gar kein Quinoa-Hülsen oder Chlorella-Extrakt, möglicherweise auch kein Traubenkernöl, dafür aber Sheabutter. Was weiß denn ich und wer weiß das wirklich von seiner Haut?! Ich schätze, wir sind Fachfrauen auf einer ganzen Fülle von Gebieten, aber nicht unbedingt mit dem Aufbau und den Bedürfnissen unserer Haut vertraut. Deshalb ist meine Meinung: das – also die Haut – gehört in professionelle Hände. Sprich Menschen, die gelernt haben, wie Haut funktioniert und die eine Ahnung davon haben, was sie braucht, wenn man sie bis ins hohe Alter pflegen will.

Und vor allem, die sich um deine Haut kümmern wollen, deine Schönheit zu Ihrem Anliegen machen und das erforderliche Know-How dafür mitbringen.

Ich werde mich also auch morgen oder übermorgen weder dazu hinreißen lassen, die Regale rauf und runter zu kaufen, noch als Master-Consumer Versuchskaninchen für die absatzhungrige Kosmetikindustrie zu spielen. Dafür bin ich einfach zu alt und ich glaube, die Kosmetikindustrie ist gut beraten, darüber in naher Zukunft nachzudenken.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im BZ-NachrichtenTV:

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