Bild dir deine Meinung! – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten

Schön wär’s. Der Trend geht aber eindeutig zur Meinungsmache. Gesagt – geglaubt und mitgeschwommen. Mich ärgert das. Öffnet es doch Tür und Tor für Propagandisten, die durchaus auch fragwürdige Meinungen verbreiten.

Dabei wäre es höchst wünschenswert Gesagtes zu hinterfragen, ggf. mehrere Meinungen, Sichtweisen und Informationen einzuholen, um dann eine eigene Meinung daraus zu bilden. Eine Meinung also, die ggf. in einer Diskussion einen fundierten Beitrag leisten kann. Damit hält man es heute nicht mehr so, man schluckt die Brocken, die einem hingeworfen werden und suhlt sich mit im Dreck, den andere vorgeworfen haben und wirft anschließend kräftig mit. Mag sein, dass es an der mega-Flut liegt, an dem irren Überangebot an Informationen, an dem Stresslevel für jeden Einzelnen in Job und Freizeit – aber doch hoffentlich nicht an der Erziehung, die wir Babyboomer unserer Nachfolgegeneration haben angedeihen lassen.

Ich sage ein Beispiel:

Der Diesel Skandal

Entscheidend sind die Werte Stickstoffdioxid und Stickstoffmonoxid

Natürlich ist es skandalös, wenn Autobauer tricksen und Abgaswerte manipulieren. Ich stimme 100% zu, diesen Betrug am Kunden zu ahnden und dafür Sorge zu tragen, dass Prüfverfahren so gestaltet werden, dass sie transparent, zugängig und verständlich Auskunft geben und Resultate liefern, die den Tatsachen entsprechen. Die gesamte Debatte steht im Kontext mit dem Ausstoß von NOx, der stufenweise reduziert werden soll. Die Diskussion erinnert natürlich an die CO2 Problematik Anfang der 2000er, die den Boom auf Diesel Autos angeheizt hat, weil ein Diesel weniger CO2 ausstößt als ein vergleichbarer Benzinmotor. Auch damals war die Diskussion hitzig, machte die Benzin-Stinker für die schlechte Luft verantwortlich und lies für den Moment außer Acht, dass die Kraftwerke Hauptverursacher für die CO2 Belastung waren und sind. Jetzt sind es die Diesel-Stinker, die mit ihrem Stickoxid unsere Gesundheit beeinträchtigen. Fahrverbote sollen her und alle kreischen mit. Nun hatte ich mir überlegt, dass es interessant wäre zu erfahren, wer die Werte festgelegt hat, warum in eben dieser und nicht in einer anderen Höhe, wo sie gelten und in welchen Bereichen noch Stickoxide ausgestoßen werden. Ich wollte deswegen nicht in die Hohe Schule der Chemie einsteigen, aber doch eben ein bisschen mehr wissen, als das, was so an der Oberfläche via Nachrichten zu mir geschwappt ist. Und da habe ich mit Erstaunen festgestellt, dass am Arbeitsplatz wesentlich mehr NOx erlaubt ist, als im Freien. Oder anders gesagt: Man darf bei einer fast fünffachen der Spitzenbelastung von 0,95 mg/qm³ Stickoxiden dauerhaft arbeiten. Und nach dem Grenzwert, den die EU für die Luftreinhaltung bei 0,04 mg/qm³ festgelegt hat, können Fahrverbote ausgesprochen werden.

Entscheidend sind die Werte Stickstoffdioxid Stunde und Kalenderjahr

Schlüssig finde ich das nicht, aber vielleicht kann mir ein Leser an dieser Stelle auf die Sprünge helfen?! Ich lerne weiter: Stickstoffoxide entstehen nicht nur bei der Verbrennung in Anlagen und Motoren, sondern auch in der Landwirtschaft und der chemischen Industrie. Und das Umweltbundesamt schreibt: „Mehr als 50 Prozent der reaktiven Stickstoffverbindungen gelangen in Deutschland über die Landwirtschaft in die Umwelt. Weitere Einträge erfolgen zu etwa gleichen Teilen durch Industrie, Verkehr und private Haushalte.“

In weiteren Studien finde ich bestätigt, dass insbesondere die Landwirtschaft eine der Hauptquellen für die Stickoxide ist und auch Blitze in erheblichem Maße an der Stickoxid-Entstehung in der Atmosphäre beteiligt sind. Und was ist eigentlich mit all‘ den LKW’s und den Schiffen?! Natürlich müssen wir weltweit für Luftreinhaltung sorgen, es aber nur den Diesel-Autos in die Schuhe zu schieben ist wohl ein bisschen einfach. Jedenfalls bei genauerer Betrachtung.

Ganz vorn in der Meinungsmacherei ist in der Diesel-Thematik die DUH (Deutsche Umwelthilfe). Der Verein schimpft nicht nur sondern klagt auch kräftig und hat dadurch zuletzt rd. 30% der Einnahmen durch Abmahngebühren und Vertragsstrafen generiert.

Ich will damit nicht sagen, dass wir keine Institution brauchen, die Verbraucher- und Umweltinteressen vertritt und auch unangenehme Tritte an „Sünder“ verteilt, aber benannte Einnahmequelle riecht ein bisschen nach Raubrittertum – in meiner Nase jedenfalls.

An diesem kleinen Beispiel sei gezeigt, dass es durchaus interessant ist, mal einen Blick hinter das zu wagen, was einem so aufgetischt wird. Vorsprung durch Wissen. Also: bild‘ dir DEINE Meinung!

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im 50PlusFernsehen:

2 Kommentare zu "Bild dir deine Meinung! – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten"

  1. Liebe @RenateZott bei ihrem kritischen Widerspruch zu dieser politischen Meinungsmache mit fundierten Argumenten und Belegen kann ich jetzt nur „mitschwingen“ 😉 Als Soziologin, Nachhaltigkeitsexpertin und Spartante Christine argumentiere ich beim Ausstoß von Stickoxiden immer, dass die Pupse und Rülpsen 1,5 Milliarden Rinder auf unserer Erde und produzieren beim Wiederkäuen das häufig unterschätzte farb- und geruchlose Klimagift Methan. Rinder ( https://m.focus.de/auto/ratgeber/unterwegs/umwelt-klimakiller-kuh_aid_225195.html). Und ergänzen möchte ich als Veganerin noch diesen Hinweis in Bezug auf die „klimaschädliche Wirkung von Stickoxiden“ aus Der Öko-Pups
    Klimakiller Kuh „und dort richtet es weitaus mehr Schaden an als Kohlendioxid. Methan ist für das Klima 21-mal schlimmer als CO2. Es findet sich aber auch in den übrigen Verdauungsprodukten und wird ebenso frei, wenn Gülle auf den Feldern ausgebracht wird.“ https://www.br.de/themen/wissen/klima-landwirtschaft-kuehe-co2-100.html

  2. wie wahr ! Dankeschön für den Kommentar

Schreibe einen Kommentar zu Christine Müller Antworten abbrechen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


%d Bloggern gefällt das: