Der Fachkräftemangel erreicht den SPD-Vorsitz. – Eine Glosse von Sascha Rauschenberger in BZ-Nachrichten

Wie es scheint, hat der Fachkräftemangel nun auch die SPD erreicht. Wo früher eine stringente Karriereentwicklung bei der SPD zu erkennen war, Arbeiterherkunft, Lehre, Jungsozialisten, Gewerkschaft, Betriebsrat, SPD, Ortsgruppenführer (oder wie das heisst), dann das erste Mandat und viel(!) später dann die Krönung des sozialistischen Daseins, der SPD-Bundesvorsitz, ist das heute… unübersichtlicher geworden.

Arbeiter, das dem ursprüngliche Wirken der Partei zugrundeliegende Klientel, sind nicht nur als Wähler selten geworden, sondern auch als Mitglied der Partei an sich. Das macht es für SPD-Vorsitzende gemeinhin schwerer „in den Schuhen des Fischer“, also Bebels, zu wandeln. Da, wo man als Deutscher Arbeiterverein einst in Thüringen anfing, sich im Tivoli-Haus in Gotha traf, da ist heute schlicht kaum noch Anschluss ans Volk zu finden. Selbst das Tivoli-Haus in Gotha, in stiller Seitengasse mit Randlage, verkommt zusehends. Als Immobilie. Vom einstigen Symbol gar nicht erst zu reden.

Der Autor, selbst Jahrgang 66 und in einem Arbeiterviertel groß geworden, kennt die SPD noch von seiner Kindheit her. Willy (Brandt) und Helmut (Schmidt) waren Heroen, Titanen gleich, deren Titel „SPD-Vorsitzender“ unmittelbar nach Bundeskanzler (aber in Personalunion) zu sehen waren und noch vor dem Bundespräsidenten kam, den aber sowieso keiner kannte. Selbst Gott fehlte in dieser Aufstellung! Im Wahlkampf haben wir die von der SPD ausgegebenen Papierfähnchen gesammelt und die der CDU und FDP begeistert genommen und noch vor den Augen dieser „Wahlheinis“ zerrissen, zerfetzt und zertreten. Das läuft heute anders. SPD-Wahlkämpfer und –mitglieder müssen sich nun schon lange fragen lassen, für was die SPD denn steht. Was der Mist denn soll, den sie da verzapfen. Wo das denn alles hinführen soll. Und neuerdings auch: WER ist bei Euch noch mal der Chef?

Mit der Abnahme der reinen Arbeiterschaft, von der SPD weitgehend ignoriert und der zeitgleichen  Zunahme an Wohlstand, beginnend Ende der 70er Jahre und von der SPD für sich vereinnahmt, führte die Reise hin in ein mediales Zeitalter, das die SPD noch aus der Printpresse kennt. Welche sie aber schätzt und politikabsichernd systemisch für sich einnehmen konnte. Doch mit dem Wandel der Arbeiterschaft zu Angestellten und der Medien von den monopolgleichen Zeitungsverlagen hin zum diversifizierten Internet riss der Faden zum Bürger, zum Wähler und selbst auch zum Mitglied. Letztere traten fast so schnell aus, wie Wähler von der Fahne (weg)liefen.

Dieses Menetekel ist dann auch gleich ein weiteres Kriterium für einen neuen SPD-Parteivorsitzenden: die biblisch fetten Jahre des letzten Jahrtausends sind VORBEI. Der SPD-Konzern wirft kein Geld mehr ab, er kostet. Er frisst in seiner Aufgeblähtheit mehr Geld, als die SPD insgesamt erwirtschaften kann. Inklusiver der Wahlkampfkostenerstattung, die in den besseren Tagen eher ein Zubrot war.

Der/die/(das?) neue Vorsitzende muss ein Finanzgenie sein. Die Quadratur des schrumpfenden Kreises finanziell machbar machen. Die Insolvenz, nicht nur geistig und politisch, sondern vor allem auch wirtschaftlich abwenden können. Geld mit der SPD verdienen können – ohne Spendenskandal, da diese heute schneller auffallen als noch vor vierzig Jahren. In der guten alten Zeit konnte der Willy nämlich im Sonderzug bis in die Puppen mit Journalisten saufen und zechen, ohne dass die verraten haben, dass der Willy seine Fingerchen an (…) der nicht ganz so alten Inge/Susi/Grete hatte. Die haben dichtgehalten. Und auch das ist heute anders. Schlechte Voraussetzungen für Leute, die schon immer Probleme mit Geldverdienen hatten und sich nur auf das Ausgeben verstanden.

Doch wer kommt da nun in Betracht?

Wenn wir das Mammon-Argument verfolgen, dann wäre die Spitzenkraft der Olaf (Scholz), der immerhin Finanzminister ist und daher Ahnung haben sollte. Doch wenn man Scholz mal mit einem politischen Gegner vergleicht, sagen wir mal den Lothar (Späth), der immerhin nach seiner Politzeit einen Konzern zu neuem Ruhm verhalf (Zeiss) und wirklich Geld verdiente, ist der Olaf da eher… nun ja… juristisch aufgestellt. Und böse Stimmen behaupteten, dass er auch als Anwalt wenig taugte; daher auch in die Politik abdriftete. Ohnehin seinen nicht nur fachlichen Zenit schon lange überschritten hat. Dafür aber deutlich!! – Er fällt also besser mal aus. Zumal er auch so charismatisch ist wie eine der Wachsfiguren auf der Reeperbahn in Hamburg.

Da sind wir dann beim Kevin (Kühnert), der nicht so ganz allein zu Haus ist. Und der in weiser Voraussicht auf die zukünftig notwendige Fachkompetenz sozialistischer Visionäre schon mal mehrere Studiengänge abbrach, um sich ganz auf das zu konzentrieren, was die Politik heute ausmacht: ideologisch losgelöste Fachkompetenz bis zur Verneinung von Naturgesetzen. Dem sog. Greta-Effekt für Pseudointellektuelle. Man könnte so gesehen mehrere Studiengänge durchaus auch als Verbreiterung der allg. Wissensbasis interpretieren, nur ist da ein Haken: der schon in jungen Jahren etwas moppelige Mann, was Arbeiter gemeinhin gerne sehen, redet da von Enteignungen von BMW und Wohnraum… Da hätte der Kevin besser mal Geschichte studiert. Dieses Wort ist das Unwort für alle, die auch nur etwas Eigentum vor der Steuer haben retten können. Und sei es die 24,99m²-Eigentumswohnung in Berlin Kreuzberg, Duisburg-Ruhrort oder Hamburg-Billstedt als ruhige und beschauliche Insel dessen, was nun immer mehr andere Fachkräfte anzieht.

Was wie die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft klingt, kann und wird niemals etwas sein, was arbeitende Menschen hören wollen. Noch nicht mal die, die kein Eigentum haben. Denn diese arbeiten dafür, dass zumindest ihre Kinder das schaffen werden. Und da steht der Kevin dann als Galionsfigur echt im Weg. Ätschi-Bätschi, wie die Andrea (Nahles) so schön treffend sagte.

Andrea war immerhin die erste und bisher auch einzige Frau an der Spitze der SPD und bescherte ihr das, was auch schon die CDU in gleicher Lage mitmachen… erdulden/erleiden … durfte. Noch ein paar Prozentpunkte nach unten sind immer möglich. Und bei aller Genderfreundlichkeit im Land reicht es vielen, was da an Zickenkrieg auf offener Bühne lief und läuft. Denn ab morgen, im nächsten Versuch eines SPD-Vorsitzenden, darf es dann nicht mehr „auf die Fresse geben“… Die 5% sind inzwischen näher als jede Traumblase in den Hirnen derer, die gern einen SPD-Kanzler hätten. Der Autor möchte anmerken, dass es die durchaus – die SPD-Kanzler – mal gab…

Kommen wir also zu denen, die gern übersehen werden. Weil sie ggf. nicht so groß sind. Solche Leute können daher überraschend auf der politischen Bühne auftauchen. Quasi sich aus der vierten Reihe auf Kniehöhe durchgeschlängelt. Mao hat das geschafft. Napoleon auch. Letzterer konnte sich allein schon dadurch empfehlen, dass er in den Straßen von Paris aufständische Bürger (Anm.: hungernde Konterrevolutionäre; ähnlich der heutigen AfD) mit Kanonen in Stücke schießen ließ. Ähnliches wollte der Heiko (Maas) mit dem Internet machen und es der schon etwas stasiaffinen Amadeu-Antonio-Stiftung antragen, für uns zu überwachen! – Ähnlich wie es die DUH schon so nett mit unserem Auto getan hat. Das zeigt, dass auch kleine Menschen große Ideen (hüstel) haben können. Gerade als Außenminister könnte man hier auch an nötiger Bekanntheit – gar Beliebtheit – gewinnen. Eigentlich ist der Posten ideal, um sich als Politiker – jenseits der Befindlichkeiten der heimischen Wähler – zu profilieren. Selbst der ehemalige Taxifahrer und Linksaktivist Josh (Joschka Fischer) beherrschte das. Nur der Heiko zeigt hier wenig Händchen. Das einzige, was das Volk in gnomenhafter Erinnerung hat, ist der Umstand, dass er stets in fernen Ländern strandet. Und stranden sollte ein SPD-Vorsitzender tunlichst nicht (mehr). Da reicht es auch nicht, von seiner Lebenspartnerin in einer Rede anders wie (hüstel…) lobend erwähnt worden zu sein.

Barley hat sich rechtzeitig in die EU abgesetzt und den Weg in die finanziell gut abgesicherte Bedeutungslosigkeit gewählt. Wie schon andere vor ihr, die immerhin so clever waren zu erkennen, dass Schluss ist. Das Peterchen(-Prinzip) nicht weiter kommt. Bleibt der Blick auf die, die es besser konnten, als man den aktuellen Statisten zutraut. Der Erzengel Gabriel ist aber verbrannt, die filigranen Flügelchen unter dem Gewicht (der Amtslast…) gebrochen und der rechte Rand der SPD durch „gepackte“ Ansagen an die ideologisch geneigte Presse etwas verunsichert. Wäre uncool auch noch Wähler an die AfD verlieren zu wollen. Ausgerechnet! Kommen wir zum Königsmacher Frank-Walter (Steinmeier), der die SPD immerhin der Angie (Merkel) wieder zur Machtentfaltung hirnwaschen konnte, wo andere – wie Sankt Martin (Schulz) – eigentlich schon klare Ansagen gemacht hatten. Doch der Martin wuselt nun in Würselen rum und versucht sich als Rentner, den jeder kennt und versucht ernst dabei zu bleiben.

Und der Frank-Walter ist das beste Beispiel dafür, dass der umstrittene Ehrensold für Bundespräsidenten berechtigt ist. Für Manche, dass sie nach diesem Amt nicht peinlicherweise als eine Art Versicherungsvertreter rumlaufen und andere dafür, dass sie so gut davon leben können, dass sie nie wieder zum Schaden von anderen ihre Klappe aufmachen müssen. Souveräne Staaten wie Italien würden das sicher auch begrüßen… Als neuer SPD-Vorsitzender also denkbar ungeeignet. Selbst als Interimlösung, die dann schnell in die Diaspora weisen könnte. In ein Land, das auf der falschen Seite der 5%-Grenze liegt.

Vielleicht ist aber auch der Ansatz falsch Leute zu suchen. Gemeinhin könnte man auch mal Themen suchen, und diese dann mit glaubhaftem Personal bestücken. Gern auch mit Personal, das man nicht gleich bei Nennung des Namens innerparteilich zerfleischt. Vielleicht auch Personal, das ein paar geneigte Journalisten zurückbringt, die jetzt eher die GRÜNEN oder schlimmer noch DIE LINKE hofieren und die selbst stalinistische Ideen in neuer Worthülse als ihre ureigene Vision ansehen. Wenn der Rooobeert (Habeck, nicht Geissen) von der Abschaffung der „Konsumentendiktatur“ faselt und ein chinesisches Demokratieverständnis institutionalisieren will, damit der Staat Moral und Ethik besser durchsetzen kann, sind hier deutlichst medial erfolgreiche Weichen gestellt. Zumal das von der Presse unkommentiert blieb. Ergo für echt gut befunden wurde. Und dass die GRÜNEN so „abschwächeln“ wie die SPD das vormacht, davon kann nun wirklich keine Rede sein. Im Mantel der Ökologie kann man sehr wohl Sozialismus betreiben, der dem nun (noch) wohlhabenden (Wahl)Volk gefällt. Selbst oder gerade der Mitte. Und der Debatte um den Vorsitz kommt auch der Umstand zu Gute, dass es wahrlich nicht um Fachthemen geht. Demographie, Digitalisierung, Staatsverschuldung, Altersarmut, Rezession und Migration sind ausgeklammert. Gelten wohl als gelöst abgehakt und daher uninteressant für jede ernstgemeine Sachpolitik; daher kann man sich auf die Klimarettung konzentrieren – reduzieren! kann. Hirnneutrale F4F-Aktivisten machen es allwöchentlich gen- / genderneutral und politisch korrekt vor. Warum kann die SPD da nur nicht punkten?

Sollte es dort nur Fachkräfte geben, die tatsächlich noch ein Gewissen haben und etwas weiter denken können als von 20 Uhr bis zur alltäglichen Regierungserklärung via Tagesschau? Die tatsächlich darauf hoffend warten, dass der Hype um populistischen Aktivismus aufhört? Man mit Sach- und Realpolitik begeistern kann, während Klimaaktivisten nun zu Fernreisen in den Urlaub jetten? Das Weltnaturerbe noch da touristisch platttrampeln, wo es noch zu sehen ist? Es auf Bildern posten, bevor es der letzte „wohlmeinende“ Ökounternehmer mit Windrädern ruiniert hat?

Also wenn die SPD darauf hofft und ihre Fachkräfte deshalb bedeckt hält, dann ist ihr nicht mehr zu helfen und die Jungs, Mädels und Diverse sollten sich mal schnell umsehen, ob da im  „Fachkräftezustrom“ der letzten Jahre nicht ein besserer Kandidat zu finden ist. Einen, der alle medial relevanten Einzelmerkmale in sich vereinigt:

Aktivist mit Migrationshintergrund, gern divers (hier gibt es bislang noch nicht mal eine Quote!), muslimisch (auf gar keinen Fall christlich; jüdisch besser auch nicht, das macht nur Stress), nicht weiß, ohne Ausbildung/Studium (kommt bei den Minderbegabten gut an!), talentfrei (was Charakterlosigkeit erleichtert), redegewandt, werteavers, zumindest jugendlich wirkend und offen für jede (blöde) Idee.

Und nein, Kevin ist WEISS. Das geht also nicht, auch wenn er der Alt-SPD zugewandert ist.

Also, das ist doch gar nicht so schwer. Der Pool ist eigentlich groß genug. Der Fachkräftemangel für den SPD-Vorsitz ist lösbar.

Der Autor Sascha Rauschenberger

Sascha Rauschenberger, geboren 1966 in Wattenscheid, ging nach dem Abitur zur Bundeswehr, wo er als Panzeraufklärer und Nachrichtenoffizier Dienst tat. Er diente, unter anderem als Reservist, in vier Auslandseinsätzen, zuletzt als Militärberater in Afghanistan.

Seit 2000 ist er als Unternehmensberater im Bereich Projektmanagement und Arbeitsorganisation (Future Work) tätig.


Fotoquelle: Yusuf Simsek: „Ein Platz an der Sonne“ http://simsek.ch/.

1 Kommentar zu "Der Fachkräftemangel erreicht den SPD-Vorsitz. – Eine Glosse von Sascha Rauschenberger in BZ-Nachrichten"

  1. Susanne Aukes | 17. Juli 2019 um 09:14 | Antworten

    Meine Oma (Jahrgang 1923 aus Schlesien) hat immer gesagt. SPD ist gut…ist die Arbeiterpartei…Die Partei des Kleinen Mannes….

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