Deutschland wählt. – Ein Kommentar von Renate Zott in BESTZEIT-PLUS

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ – hat schon Erich Kästner gesagt, und das sollte auch für die Wahlberechtigten am Sonntag gelten. Schließlich kann man sich dann hinterher wenigstens zurecht aufregen oder beschweren, wenn die Wahl nicht so ausgegangen ist, wie man sich das vorgestellt hat. Großbritannien und der Brexit sollten uns in Sachen Wahlbeteiligung zudem eine Lehre sein.

Ich hoffe es sehr.

Apropos Wahlberechtige: der Löwenanteil ist älter als 50 Jahre! Man staune. Als Teil dieser großen Wählergruppe müsste ich mich programm-politisch angesprochen fühlen, denn in der Politik will man die Menschen ja immer abholen. Mich hat keiner so richtig abgeholt. Die 42 Parteien, die an der Bundestagswahl 2017 teilnehmen haben mich vergessen. Unglaublich.

Slogans vom „neuen Denken“ und der Zukunft „die aus Mut gemacht wird“ beeindrucken mich wenig. Es geht dabei gar nicht um die Bewertung der Partei, die sich diese Überschrift zu Ihrem Programm ausgedacht hat, sondern darum, dass sich die Parteien mehrheitlich in einem Brei von Allgemeinplätzen bewegen, aus denen ich in vielerlei Hinsicht herausgewachsen bin. Die radikalen Abweichler kann man nicht wählen, weil es dann mit Frieden und Freiheit in unserem schönen Land vorbei ist.

So hält man sich in den aktuellen politischen Diskussionen der sogenannten Volksparteien bei dem auf, was alle wollen. Frieden, soziale Gerechtigkeit, Bildung, eine Energiepolitik, die umweltschonend ist, eine stabile Wirtschaft, einen gesunden Umgang mit Asylrecht, Arbeit für alle und eine sichere Rente, um ein paar Schwerpunkte zu nennen.

Sicher sei die Rente, so die Aussage vieler Parteien – mindestens bis 2030. Das ist so ein Satz, der für mich ganz viel mit der billigen Werbung für die Kfz.-Versicherungen gemein hat. Tenor: wechseln sie jetzt und sparen sie bis zu 50% pro Jahr. Ein Satz der gar nichts sagt. Trotzdem: er macht den Unwissenden Hoffnung und regt die Wissenden auf. Ich glaube, mit dem Thema Rente verhält es sich nicht anders.

Als Babyboomer und Rentenanwärter 2030 hätte ich mich durchaus super angesprochen gefühlt, wenn sich zu diesem Thema eine Partei einmal klar geäußert hätte. Schließlich fallen heute in etwa 100 Beitragszahler auf 60 Rentner und 2030 wird das Verhältnis 1:1 sein. Da reicht das kleine 1 x 1 noch aus, um berechtigte Rückfragen in Bezug auf die Sicherheit der Renten in Erwägung zu ziehen. Doch keiner traut sich ran, an die großen Zahlen und deren Finanzierung. Und ob des neuerlich ausgelobten Mutes, fehlt am Ende wohl doch der Mut, Daten und Fakten ungeschönt auf den Tisch zu legen – sofern sie denn vorliegen?!!!…. Man könnte Wähler vergraulen oder verlieren, gar eine Menge Menschen zum Protest auf die Straße einladen. Und das ist politisch absolut unerwünscht, sowohl vor wie auch nach der Wahl.

Also machen wir weiter mit dem Brei, bis uns die Zukunft eingeholt hat?!

Als Botschafterin für den Bundesverband Initiative 50Plus kann ich nur aufrufen und an unsere Politiker appellieren, sich den drängenden Fragen der demographischen Entwicklung in unserem Land zu stellen. Deutschland braucht unabhängige Vordenker und Menschen, die über die Parteibücher hinaus die Kompetenz mitbringen, an nachhaltigen Lösungen zu arbeiten.

Ich finde, abseits jeder politischen Couleur haben wir Bürger mehr Klarheit und Wahrheit verdient und ich kann nur hoffen, dass unsere Generation 50Plus – unabhängig vom Ausgang der Wahl – an Aufmerksamkeit gewinnt und zwar in jeder Hinsicht.

Renate Zott im 50PlusFernsehen

Den Kommentar „Deutschland wählt“ können Sie auch sehen und hören. Rente Zott spricht im 50PlusFernsehen.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de.

Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

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