Die Diätenlüge – ein Kommentar von Renate Zott in BESTZEIT-PLUS

Mit Diäten ist es ein bisschen wie mit Anti-Age-Crèmes. Sie versprechen mehr als sie halten. Gerade im Frühjahr boomt die Abnehmwelle und die Schlankheitsindustrie freut sich. Wer den Winterspeck nicht gegen Frühlingsrollen ersetzen will ist potentieller Kunde und kann sich kaum vor Angeboten retten. Detox, Low-Carb, Entschlackungskuren, Fett-weg-Pillen, Dinner-Cancelling, Diäten rauf, die Kilos runter. Alle versprechen, dass sich das im Handumdrehen machen lässt, also quasi das ersehnte Abnehmen im Schlaf oder zumindest in 14 Tagen. Dabei sprechen die realen Zahlen und Statistiken in Deutschland eine ganz andere Sprache. Glaubt man diese Statistiken ist mehr als jeder zweite Erwachsene übergewichtig.

Oder anders gesagt: einfach zu dick. Also wozu dann die ganzen Diäten, wenn es auf der Waage doch in die andere Richtung geht. Fakt ist: die meisten arbeiten im Sitzen, haben generell zu wenig Bewegung, ernähren sich wenig ausgewogen und essen, Entschuldigung, schlicht und ergreifend zu viel. Diese Maschinerie startet schon im zarten Alter und dann kommt eins zum anderen, so wie ein Kilo zum anderen. Kein Wunder, wenn sich dann zur zweiten Lebenshälfte ein echtes sogenanntes Übergewicht angesammelt hat. Insbesondere Frauen stöhnen darüber.

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Aber mal zurück: Die Schlankheit ist mir nicht angeboren und ich habe auch nicht die häufig unterstellten guten Gene, die mir erlauben, alles in mich hineinzustopfen, ohne dass sich das auf der Waage spiegelt. Als Teenie war ich pummelig und äußerst traurig darüber. Immer waren nur die anderen schön und schlank. Ich gehörte nicht dazu. Wollte ich aber und zwar unbedingt. Einmal nur annähernd so eine tolle Figur haben wie unsere Klassenschönste, einmal diese Blicke fangen. Einmal bei der Mannschaftsbildung im Sportunterricht nicht als letzte dastehen. Das wäre toll. Irgendwann traf ich dann den Entschluss, die überflüssigen Pfunde einfach abzunehmen. In der Familie war man früher wenig offen für solche Ideen und auch nicht bereit, Extra-Würste aus der Schlankheitsküche zu kochen. Es war eine andere Zeit, eine andere Wahrnehmung und sicherlich überhaupt nicht böse gemeint, dass man Wünsche dieser Art einfach selbst in die Hand nehmen musste. So lag keine andere Entscheidung näher, als konsequent weniger zu essen, auch wenn das bei Tisch nur ungern gesehen wurde. Viele Fragen musste ich mir gefallen lassen, auch unschöne Bemerkungen, aber es half ja nichts, die Kilos mussten weg. Für einen Teenager ist das nicht einfach, schließlich gibt es in dieser Lebensphase eine ganze Flut von Entwicklungsprozessen, die man durchstehen muss.

Es muss sicher ein halbes Jahr oder länger gedauert haben, bis ich mich sozusagen auf mein eigenes Wohlfühlgewicht „heruntergehungert“ hatte und kann auch rückblickend nicht sagen, dass das einfach war. Jedenfalls fühlte ich mich anschließend wohl in mir und schön, konnte mich und meinen Körper endlich annehmen. Ich halte es damit bis heute so, auch wenn das weit über 30 Jahre her ist. Das ist das Entscheidende, nicht meine eigene Geschichte.

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Sie macht aber deutlich:

  1. Es geht um wohlfühlen. Jeder hat sein eigenes, ganz persönliches Wohlfühlgewicht und das bemisst sich weder an einer Konfektionsgröße noch an Werbeversprechen oder Modemachern.
  2. Wenn man abnehmen möchte, ist der Erfolg nicht in der Wahl der Diät begründet, sondern im eigenen Essverhalten. Auf die Disziplin und das Durchhaltevermögen kommt es an. Auf die höchst persönliche Konsequenz, Ernährung dauerhaft umzustellen.
  3. Kontrolle. Was für ein schreckliches Wort. Gleichzeitig die einzige Möglichkeit, das Gewicht über viele Jahre und Jahrzehnte auf dem gleichen Niveau zu halten und um den sogenannten Jo-Jo-Effekt herumzukommen. Das kann Verzicht und Belohnung gleichermaßen bedeuten. Ich verzichte aufs Eis und dafür kneift meine Hose nicht. Wie schön ist das denn?! Der Gedanke an die Hose beglückt mich.

Selbstverständlich sind alle krankhaft bedingten Gewichtsveränderungen von dieser Betrachtung ausgenommen. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass für viele der alte Spruch „von nichts kommt nichts“ zutrifft und jammern und klagen einfach nicht hilft.

Zum Abschluss noch ein Tipp, den Abnehmwillige unbedingt beherzigen sollten: der Körper braucht ausreichend Vitamine und Nährstoffe, um gesund und fit zu bleiben. Bekommt er diese nicht, verbraucht er zunächst die körpereigenen Reservoirs. Wenn Mangelerscheinungen, wie z. B. Osteoporose, im jungen Alter auftreten, ist es meist schon zu spät. Ich kann also nur raten, sich bei größeren Gewichtsabnahmen fachärztlich betreuen zu lassen.

Selbst is(s)t die Frau!

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de.

Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

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