Die Konjunktur bricht ein – die Alten wieder zuerst raus? Eine Frage, die sich stellt… – Ein Kommentar von Sascha Rauschenberger in BZ-Nachrichten

Gerade die Älteren wissen, dass seit der Wende der Trend ungebrochen ist: in wirtschaftlich mauen Lagen schickt man die älteren Mitarbeiter gern zuerst nach Hause. In den verdienten Ruhestand. In den 90er-Jahren noch sozial durch den Staat abgefedert, um die Arbeitslosenquote optisch unter zehn Prozent zu drücken. Das war mit den dahinbrechenden Industrielandschaften im Osten dringend geboten. Da durfte man auch schon mal mit 52 das „Altenteil genießen“…

Das ist lange her. So nicht mehr finanzierbar und mit steigenden Zwängen immer länger arbeiten zu müssen nun auch volks- und betriebswirtschaftlich ruinös. Nicht nur für den Staat oder den Betrieb. Sondern auch für den Arbeitnehmer.

Nach der DDR-Angliederung an blühende Landschaften kam die Dotcom-Blase. Dann Eurokrise 1 und 2. Die letzte davon 2008 führte fast zum Kollaps dessen, was wir als Wohlstand ansahen. Wir kamen nur mit einem blauen Auge davon, weil Gerhard Schröder diese ungeliebten Reformen der Agenda 2010 auf den Weg gebracht hatte und damit dem Rest von Europa einen Schritt voraus gewesen war.

Auch das fehlt nun. Angela Merkel und der Rest des „Gute-Zeiten-Kabinetts“ war und ist keine Anhängerin davon, etwas proaktiv und antizyklisch anzugehen. Schon gar nicht gegen Widerstände der Wählerschaft. Sie fährt lieber auf Sicht, wartet dann ab bis sich in der panischen Debatte nach dem „unvorhersehbaren Unfall“ eine Meinung bildet, bietet die als ihre Lösung an und …lächelt.

Daher gibt es zum anhaltenden Wirtschaftsboom bis dato keinen Plan B. Keine Reserven. Keine weiche Matte. Es gibt nur den Glauben an den ewigen Aufschwung. Ein Aufschwung, der EZB-finanziert ist und mit der Null-Zinspolitik Haushaltsüberschüsse aus geringeren Zinszahlungen generiert und dabei die Altersvorsorge der Bürger durch simple aber unauffällige Nichtverzinsung ins Leere laufen lässt.

Was nun, wenn der Wirtschaftszyklus JETZT, dieses Jahr schon(!), wegbricht? Die Wirtschaft wieder Kosten spart und Leute raussetzt?

WER WIRD ALS ERSTES GEHEN MÜSSEN?

Lippenbekenntnisse sprechen von Bedarf, Sozialplänen und angemessener, sozialverträglicher Reaktion. Klar. Die Älteren wissen, dass das so nicht ist. Der Jugendwahn ist ungebrochen und sie – die Älteren – waren es über 30 Jahre, die mit ihrer Arbeit, ihrer Flexibilität und ihrer Mobilität den Wohlstand aufgebaut haben, der zu vielen eute als selbstverständlich gilt. Die weltweit zweithöchsten Abgaben multipliziert mit den Beschäftigten haben enorme Reichtümer sichtbar werden lassen. Reichtümer des Fiskus, die wie mit einer Gießkanne gern verteilt wurden. Hundert Milliarden nach Griechenland. 15 Milliarden nach Zypern. Weitere Milliarden nach Spanien, Portugal und Irland.

Gern auch Milliarden in den Atomausstieg. Den Kohleausstieg. In Solaranlagen und Windräder. Nun in den Ausverkauf der deutschen Autoindustrie. Bankenrettung als i-Tüpfelchen.

Nun auch noch knapp 60 Milliarden in die Rücklage für die Facharbeiter, die hier ausgebildet werden müssen, um vom Fach zu sein…

Kaum ein Älterer, außer Beamte, hat eine ununterbrochene Erwerbsvita. Es gab da durch die Krisen immer mal … Leerzeiten. Auch war die Ausbildung in den 70er und 80er etwas länger. Gemeinhin auch umfassender, was die Älteren zu gern gesehenen aber auch teuren Spezialisten macht. Zu echten Facharbeitern, die auch breit eingesetzt werden können. Nur halt teurer sind als … ja als wer eigentlich?

Jedenfalls wird eine kommende Krise dann zeitgleich mit dem demographischen Wandel und der Digitalisierung einhergehen. Der erste Punkt sorgt dafür, dass weniger Nachwuchs generiert werden kann und der zweite Punkt schafft Höhenflüge der Hoffnung, dass man die, die man jetzt entlässt auch gar nicht mehr braucht, da ja alles digitalisiert ist.. wird.

Dass diese Denkweise dann nicht bis zum Verbraucher reicht, der auch mitunter direkter aber mit Sicherheit indirekter Kunde ist – wenn auch gern mal um acht Ecken – wird dabei ausgeblendet. Zumal auch die geburtenstarken Jahrgänge, die man nun in der Krise gern nach Hause schickt (oder auf die Straße) aufgrund ihrer Masse als Konsumenten für den Binnenmarkt unverzichtbar sind. Die „Silver Generation“ so ein Megatrend scheint nun zu kippen… Mit dem Konsum-Geschäft wird es nichts, wenn Altersarmut droht. Und diese Altersarmut wird nicht abgefedert.

Keine staatlichen Reserven (noch nicht mal ein Plan!), eine nun über zehn Jahre unverzinste Altersvorsorge privater Art, die auch noch endversteuert wird, die Versteuerung der Rente an sich und steigende Lebenshaltungskosten (vor allem Mieten und Energiekosten durch EEG-Umlage) lassen hier schnell eine Schere sichtbar werden, die … nachdenklich macht. Oder machen sollte. Über die Altersarmut und ihre zusammenhängenden Folgen berichteten wir hier schon in drei Teilen.

Die künstlich herbeigeführten Dieselskandale und Feinstaubdebatten und die grün-rote Euphoriewelle den Morgenthau-Plan für Deutschland endlich umzusetzen haben unsere Wirtschaft in der nun absehbaren Krise zusätzlich und in überflüssiger Weise geschwächt. Absehbare Entlassungswellen so noch verschlimmert. Schon jetzt verlieren zehntausende ihre Jobs durch die Dieseldiffamierung. Der Landkreis Emden ist hier besonders betroffen.

Was nun? Was und wen braucht mein Unternehmen, so dass MICH das nicht betrifft? Ist auch mein Job betroffen, wenn es so weitergeht? Stehe ICH auf der roten Liste der Stellenstreichungen? Bin ich mit 50 schon dabei? Trotz fehlendem Nachwuchs?

Die Betriebsräte haben hier auch viel zu lange rein gar nichts getan. Lieber für mehr Fahrradständer gesorgt als für demographische Konzepte zum Workforce Planning. Lieber 2% mehr Lohn gefordert als Stellengarantien für Ältere. – das rächt sich nun.

Die AfD ist nicht nur in Parlamenten auf dem Vormarsch. Auch in den Betriebsräten. Auch hier bauen sich schon jetzt sichtbar weitere Konfliktlinien auf.

Und eben diese Konflikte fallen absehbar dann mit der nächsten Bundestagswahl zusammen. Die Babyboomer-Generation wird wählen gehen. Sie wird dann wissen wollen, was mit dem vielen Geld passiert ist. Warum für sie nicht vorgesorgt aber sonst an alle gedacht wurde! So das Gefühl.

Ein Umdenken in der Wirtschaft ist nur in KMUs zu sehen, die ältere Mitarbeiter selbst in der Krise dann noch halten, wenn es betriebswirtschaftlich schon bedenklich ist. In den bilanz- und renditegesteuerten , von Controllern gelenkten Großunternehmen sieht das anders aus. Hier ist die Digitalisierung der Segen und die Hoffnung auf weiteren Stellenabbau, ohne die Demographie beachten zu müssen.

Das sind sehr schlechte Vorzeichen für Ältere bei dem, was auf uns zukommt. Als Nation aber auch und vor allem individuell. Die Altersplanung, die wir in den 90er-Jahren gemacht haben ist so nicht mehr realisierbar. Schon lange nicht mehr. Und immer gearbeitet zu haben aber 47 Beitragsjahre nicht zu schaffen ist genauso ruinös wie gar nicht gearbeitet zu haben. Vor allem in Ballungszentren, die dem Ansturm auf zusätzlichen Wohnraum nur durch Preissteigerungen und Verdrängung Schwächerer standhalten können. Und das sind dann die, die nicht mehr zahlen können. Rentner und Arbeitslose, Alleinstehende, Frauen.

Natürlich könnte man nun sagen, dass das alles übertrieben ist. Aber warum diskutiert man in Berlin nun ernsthaft die Zwangsenteignung von Unternehmen der Wohnungswirtschaft?

Und wann kommt die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft um Lebensmittel billig zu halten? Hatten wir das nicht schon mal? Und wie ging das weltweit IMMER aus?

Mein Rat: Nehmt Euren sog. „Versicherungs- und Vermögensordner“, tut so als wenn ihr betroffen seid und rechnet nach. Geht mal nicht davon aus „das Beste“ wird schon passieren. Das wird es nämlich nicht. Und ab 50 wird es gerade in der Krise keine großartigen Chancen mehr geben.

Der Autor Sascha Rauschenberger

Sascha Rauschenberger, geboren 1966 in Wattenscheid, ging nach dem Abitur zur Bundeswehr, wo er als Panzeraufklärer und Nachrichtenoffizier Dienst tat. Er diente, unter anderem als Reservist, in vier Auslandseinsätzen, zuletzt als Militärberater in Afghanistan.

Seit 2000 ist er als Unternehmensberater im Bereich Projektmanagement und Arbeitsorganisation (Future Work) tätig.


Fotoquelle: Yusuf Simsek: „Die Schönheit des Unheils“ http://simsek.ch/

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