Die Rente ist nicht sicher: Altersarmut ist weiblich – Pensionskasse taumelt – BVI50Plus fordert mehr Aufklärung

20 Prozent der Versicherten in der gesetzlichen Rentenversicherung haben trotz langjähriger Versicherungszeiten nur geringe Rentenansprüche, zeigt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Veröffentlichung. 90 Prozent davon sind Frauen, viele haben lange in Teilzeit gearbeitet und zwischenzeitlich die Berufstätigkeit unterbrochen. Ein stärkerer sozialer Ausgleich in der gesetzlichen Rente würde das Risiko von Altersarmut ebenso reduzieren wie mehr und besser bezahlte Beschäftigung, ergibt die Untersuchung des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Einer Pensions-Kasse wurde das Neugeschäft untersagt. Der BVI50Plus fordert mehr Aufklärung

Besonders westdeutsche Frauen müssen häufig mit kleinen Renten auskommen.

Geringe gesetzliche Renten bedeuten nicht in jedem Fall Armut. Wenn Ansprüche aus anderen Versorgungswerken bestehen, der Partner besser verdient hat oder Vermögen vorhanden ist, können auch Menschen mit kleiner Rente im Alter ihren Lebensstandard halten. Doch weil die gesetzliche Rentenkasse für die große Mehrheit in Deutschland das finanzielle Fundament der

Altersvorsorge ist, erhöhen geringe Ansprüche das Risiko stark, sich nach Erreichen der Altersgrenze finanziell einschränken zu müssen. Außerdem gerät das Rentensystem in eine Legitimationskrise, wenn zu viele langjährig Versicherte nur dürftige Leistungen erhalten.

Welche Gruppen besonders häufig Niedrigrenten beziehen, obwohl sie lange Versicherungszeiten aufweisen, haben Prof. Dr. Martin Brussig und Lina Zink vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen mithilfe von Datensätzen von Rentenversicherung und Arbeitsagentur analysiert. Genauer: Wer von den zwischen 1940 und 1947 Geborenen nach wenigstens 30 Versicherungsjahren – die auch beitragsfreie oder beitragsgeminderte Zeiten enthalten können – eine Rente bekommt, die nicht wenigstens zehn Prozent über dem Existenzminimum liegt.

Das ist bei insgesamt jedem Fünften der langjährig Versicherten der Fall. 90 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Bei westdeutschen Frauen sind niedrige Rentenansprüche vor allem eine Folge von langen Kindererziehungszeiten, oft in Kombination mit Minijobs oder langjähriger Teilzeit. Bei ostdeutschen Versicherten beruhen sie oft auf langer bzw. wiederholter Arbeitslosigkeit in den Jahren nach 1990.

Weitere Risikofaktoren sind diskontinuierliche Erwerbsbiografien, die durch späte Berufseinstiege, Arbeitslosigkeit, Krankheit und Kindererziehungszeiten geprägt sind.

Je mehr Faktoren zusammenkommen, desto höher der Anteil der geringen Rentenansprüche. So liegt in einer relativ kleinen Gruppe von westdeutschen Frauen, bei denen langjährige Teilzeitbeschäftigung in geringem Umfang, Arbeitslosigkeit oder Ausstieg aus der Erwerbstätigkeit nach der Kinderbetreuungsphase zusammenkommen, der Anteil der Niedrigrenten bei 93,5 Prozent – trotz mindestens 30 Versicherungsjahren (zu diesem und anderen stark betroffenen Erwerbstypen siehe auch die Infografik im neuen Böckler Impuls; Link unten).

Das Risiko, im Alter mit einer Niedrigrente dazustehen, ließe sich nach Auffassung der IAQ-Forscher deutlich verringern. Ein stärkerer sozialer Ausgleich in der Rentenversicherung und Maßnahmen, die eine stabile vollzeitnahe Beschäftigung bei guter Bezahlung ermöglichen, würden den Betroffenen helfen. Und nicht nur ihnen: Auch der demografische Wandel wäre leichter zu bewältigen, wenn Teilzeitbeschäftigte ihre Arbeitszeit ausweiten könnten und der Niedriglohnsektor eingedämmt würde. Parallel zur gesetzlichen Rentenversicherung neue kapitalgestützte Vorsorgeformen, etwa Aktiensparpläne, zu fördern, hält IAQ-Experte Brussig dagegen nicht für sinnvoll.

Umfrage: Fast alle Mütter fürchten Altersarmut

Mütter in Deutschland haben große Angst vor Altersarmut. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Lebensversicherers Canada Life über das Marktforschungspanel Toluna. Es wurden 1.000 Mütter im Alter von 34 bis 46 Jahren befragt.

Frauen verfügen über ein hohes Problembewusstsein in Sachen Rente

Frauen beziehen in Deutschland im Alter rund 40 % weniger gesetzliche Rente als Männer, wie das Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung angibt. Jede dritte Rentnerin kommt nicht einmal auf 500 Euro gesetzliche Rente im Monat. Die von Canada Life befragten Frauen sind sich der möglichen Altersarmut voll bewusst: 80 % fürchten, durch Erziehungszeiten und/oder Teilzeitarbeit im Alter finanziell abgehängt zu werden. Und das, obwohl mehr als 75% von ihnen berufstätig sind. Mehr als die Hälfte gab an, auch deswegen zu arbeiten, um im Alter nicht arm zu
sein.

Mütter mit Partnern: Die Hälfte sorgt im Doppelpack vor

Trotz der Angst vor Altersarmut ist eigenständige Altersvorsorge bei Müttern noch nicht sehr weit verbreitet. Etwas weniger als die Hälfte der befragten Mütter in fester Partnerschaft organisiert die Altersvorsorge gemeinschaftlich mit dem Partner. Nicht einmal ein Viertel der Verpartnerten nimmt die Vorsorge selber in die Hand. 6 % verlassen sich sogar ganz auf den Partner.

Immenser Bedarf: Single-Mütter vielfach ohne Absicherung

Bei alleinerziehenden Frauen hat etwa ein Drittel in Eigenregie finanziell für das Alter vorgesorgt. 68 % der Alleinerziehenden haben bislang noch keine Vorkehrungen für die Altersvorsorge getroffen.

Pensionskasse der Caritas VVaG: BaFin untersagt Neugeschäft

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat mit Bescheid vom 11. Mai 2018 der Pensionskasse der Caritas VVaG das Neugeschäft untersagt. Das Unternehmen kann gegenwärtig die Solvabilitätskapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Sanierungsplan zur Beseitigung der Nichtbedeckung der Solvabilitätskapitalanforderung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend ist.

Der Pensionskasse wurde untersagt, neue Versicherungsverträge abzuschließen, bestehende Versicherungsverträge zu erhöhen oder weitere Personen in die Pensionskasse als Versorgungsberechtigte aufzunehmen. Ausgenommen hiervon sind (a) Verträge mit ausgleichsberechtigten Personen aus einer internen Versorgung nach dem Versorgungsausgleichsgesetz (VersAusglG), (b) oszillierende Beiträge im Rahmen von bestehenden Versicherungsverträgen sowie (c) bis zum Datum des Zugangs der Anordnung vertraglich vereinbarte dynamische Erhöhungen im Rahmen von bestehenden Versicherungsverträgen.

Der Widerspruchsbescheid ist mit Ablauf des 26. Oktober 2018 bestandskräftig geworden.

Aktuell hat die Finanzaufsicht nach eigenen Angaben 31 Pensions-Kassen unter intensiver Beobachtung. Im Frühjahr waren es sogar 45 der 137 Versorgungseinrichtungen. Viele Träger beziehungsweise Anteilseigner hätten Geld nachgeschossen, sagt ein Bafin-Sprecher. Die Auswirkungen der Schieflage für Pensionsberechtigte der Caritas sind noch unklar. Möglicherweise müssen sie mit der teilweisen Nichterfüllung der Zusagen rechnen.

Demografie-Debatte Deutschland

Dieter Hapel (BVI50Plus) präsentiert den Deutschland-Plan Demografie

Die Kosten der demografischen Entwicklung – und die Rente ist ein bedeutender Kosten-Faktor der Demografie – war ein Schwerpunkt-Thema der Demografie-Debatte Deutschland am 22. und 23. November 2018 in Berlin. Dieter Hapel stellte in einer Podiums-Diskussion mit Demografie-Beauftragten der Länder den Deutschland-Plan Demografie des Bundesverband Initiative 50Plus (BVI50Plus) vor und betonte die Notwendigkeit, den Lebensstandard im Alter durch verstärkte Aufklärung und alternative Sparformen zu fördern.

Charles Neus (Schroders Investment Management Frankurt am Main) zeigte in seinem Beitrag auf, wie die Bürger in den Niederlanden schon in der Schule durch spezielle Unterrichtseinheiten Finanzwissen lernten und so oft besser als die Bürger Deutschlands in der Lage seien, Risiken und Chancen der Kapitalmärkte für ihre eigene Vorsorge einzuschätzen. Mehr Informationen zur Auftakt-Veranstaltung der Demografie-Debatte Deutschland im Microsoft-Atrium in Berlin finden Sie hier: https://www.bz-nachrichten.de/demografie-debatte-deutschland-gelungener-auftakt-in-berlin-impressionen/.

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