Film-Tipp 50Plus: Jana und der Busch-Pilot am 20.9.2015 um 2015 Uhr im ZDF

Nach zwei Folgen „Johanna und der Buschpilot“ setzt das ZDF diese Reihe nun mit zwei weiteren Folgen fort – mit leicht verän¬dertem Titel. Denn die neue Ärztin Jana Vollendorf, gespielt von Eva-Maria Grein von Friedl, übernimmt im Buschkrankenhaus das Ruder von ihrer Vorgängerin Johanna Zarrmann.

Jana

Eva-Maria Grein von Friedl und Kai Schumann. Copyright: ZDF/ Michael Bütow

„Jana und der Buschpilot“ erzählt die Geschichte von der Ärztin und dem coolen, aber eigenwilligen Buschpiloten Thomas Marrach – verkörpert von Kai Schumann – weiter. Thomas und Jana kennen sich bereits von früher, als Jana vor einigen Jahren Patientin in der Buschklinik war. Der Aufenthalt damals verlief nicht ohne „Komplikationen „und gewisse romantische Verwick¬lungen, sodass nun beide – Jana und Thomas – erst einmal her¬ausfinden müssen, wie sie nun zueinander stehen. Parallel gibt es jede Menge andere Herausforderungen: Menschenleben sind in Gefahr, die zum Teil veraltete oder marode Technik in der Buschklinik spielt nicht mehr mit, und Jana muss sich erst einmal in der für sie völlig fremden Kultur zurecht finden.

„Jana und der Buschpilot“ – als Reihe im ZDF-„Herzkino“ – möchte mehr bieten als gutgemachte Unterhaltung, in der gar die überlegenen Weißen die Eingeborenen Schwarzafrikas mit den Errungenschaften westlicher Lebensart und Medizin beglücken. Vielmehr stellt Jana in der für sie fremden Welt ständig ihre Werte, Vorstellungen und Maßstäbe in Frage. Dies ist umso dra¬matischer und drängender, wenn beispielsweise das Schicksal eines kleinen Mädchens davon abhängt. Jana muss erkennen, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt.

Wir wollten keine afrikanische TV-Folklore präsentieren, sondern einen möglichst authentischen ethnografischen Blick auf den afri¬kanischen Kontinent, der es uns auch ermöglicht, aktuelle, relevante Probleme Afrikas zu erzählen. Denn der respektvolle Um¬gang mit anderen Kulturen und Lebensarten ist gerade in der heutigen Zeit wichtiger denn je.

Der afrikanische Kontinent ist voller Schönheit. Neben den Men¬schen fasziniert die überwältigende Natur – lodernde Sonnenun¬tergänge, endlose Wüsten, dramatische Wasserfälle, schroffe Berge – mit einer vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt. Regisseur Ulli Baumann ist es nicht nur gelungen, einen überzeugenden Genre-Mix aus Abenteuer, Romantik und Humor zu inszenieren, in dem Eva-Maria Grein von Friedl und Kai Schumann ein wahr¬haft sympathisches Paar abgeben, dem man nur zu gerne durch die Weiten des Landes folgt. Er hat auch den afrikanischen Kontinent in atemberaubenden Aufnahmen zu Land, zu Wasser und in der Luft eingefangen, die ihresgleichen suchen. Freuen Sie sich auf die zwei neuen „Herzkino“-Filme aus dem schönen Afrika – Africa the Beautiful!

Interview mit Dr. Walcher

Dr. Stephan Walcher (56 Jahre) ist Arzt für Allgemeinmedizin und Arzt für Anästhesie-, Notfall- und Intensivmedizin. In Südafrika arbeitete er 1984/85 für 14 Monate. Vorher war Dr. Walcher drei Monate in der Tropenmedizin in Jerusalem und zwei Monate im städt. Krankenhaus Al Axa in Kairo. Seither betreute er bei drei Einsätzen einige Monate Filmteams in Nordafrika und war bei sieben Einsätzen in Rumänien, Pakistan, Afghanistan, Bangladesh und Vietnam/Laos als Anästhesist mit MSF und Interplast. Seit 20 Jahren betreibt Dr. Walcher eine der größten Suchtmedizinische Praxen der Republik.

Experten-Interview mit Dr. Stephan Walcher zu „Jana und der Buschpilot“

Welche sind die besonderen Herausforderungen bei der Arbeit in einer afrikanischen Buschklinik?

Also, als Arzt der in seinem Heimatland Deutschland trainiert wurde wie ich, ist man daran gewöhnt, alle Mittel zur Verfügung zu haben. In einer Buschklinik sind Sie mit der Tatsache konfrontiert, dass diese medizinischen Ressourcen nicht zur Verfügung stehen.
Der zweite Punkt ist, dass man es dort mit Erkrankungen und Verletzungen zu tun hat, die wir in unseren Ländern in dieser Häufigkeit kaum oder fast gar nicht sehen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Bei dem Thorax-Seminar, das ich in Südafrika an der Universität von Durban besucht habe, das sich also mit Erkrankungen der Brust beschäftigt, war die häufigste Erkrankung die Stichwunde, gefolgt von Schussverletzungen, dann erst kamen Erkrankungen wie Lungenentzündung und am Ende der Herzinfarkt. Bei uns hier ist das komplett umgekehrt, da stehen der Herzinfarkt ganz oben sowie die ganzen kardialen Erkrankungen. Aber das kommt in Afrika kaum vor – denn so alt werden die Leute dort schlicht nicht.

Wie hat die Zusammenarbeit mit Hauptdarstellerin Eva-Maria Grein von Friedl geklappt?

Wir haben im Vorfeld der Dreharbeiten gemeinsam viele Stunden trainiert. Frau Grein von Friedl hat sich mit großem Interesse und einer tollen Lernbereitschaft, die die von vielen Studenten deutlich übertrifft, regelrecht „reingeschmissen“ in das Thema – und das Ganze wirklich super gemacht!

In der Folge „Streit der Stämme“ ist verseuchtes Wasser ein zentraler Krankheitsherd. Wie gefährlich ist die Wasserqualität in Südafrika wirklich?

Die Wasserqualität ist in der Tat ein gravierendes Problem in ganz Afrika und eines der schwierigsten überhaupt. Der Punkt ist, dass Überschwemmungen, die in diesen Breiten auch vorkommen, die Wasser-Reinigungsanlagen komplett überfordern und sich so verunreinigtes Wasser ausbreitet. Ich habe das mal in Durban erlebt bei einem extremen Unwetter, welches das Wasser um bis zu acht Meter in den Tälern ansteigen ließ. 180 Brücken und bis zu 90 Prozent der Brunnen wurden zerstört, letztere sind entweder ganz verschwunden, oder Dreckwasser ist in den Brunnen gelandet – und das hatte zur Folge, dass wir in unserem auf dem Plateau gelegenen Buschkrankenhaus, das die Armee per Helikoptern mit Zelten versorgt hat, 120 Cholerapatienten zu beklagen hatten! Cholera und Typhus sind die Krankheiten, die sich unter solchen Bedingungen extrem schnell ausbreiten. Ein zweites Problem ist die Wasserverseuchung durch Schwermetalle, da die Bergbauindustrie ihre Abwässer völlig unverklappt ungereinigt ableitet. Da sterben sogar in die Flussmündungen eindringende Haie an den Vergiftungen! Beim Wechsel von Überschwemmung und Trockenheit, wäre zu erwähnen, dass beides zu Problemen führt, letzteres durch den Einbruch von schmutzigem Oberflächenwasser beim Versiegen der Brunnen – und dem verschlammen von Zisternen/Speicherwasser.

Kulturelle Unterschiede und Konflikte spielen in beiden Filme eine wichtige Rolle. Wie sind Sie bei Ihrer Arbeit als Arzt mit den dortigen Traditionen umgegangen?

Vorweg muss ich sagen, dass diese kulturellen Gegebenheiten in den beiden Filmen wirklich sehr gut recherchiert sind. Was Südafrika, den Drehort, betrifft, so herrscht dort eine sehr spezielle Situation vor dem Hintergrund der historischen Tatsachen – der Apartheid bis in die 80er Jahre hinein, dem besonderen Miteinander zwischen Weißen und Schwarzen. Bezüglich der Medizin ist es so, dass bei unserer Arbeit unsere gute somatische, westliche Medizin auf die „Zaubermedizin“ der dortigen Heiler trifft – und diese komplett anders arbeitet. Da kann es dann passieren, dass man eine Patientin reinbekommt, die in den Wehen liegt, obwohl es dafür noch viel zu früh ist. Und erst nach langer Befragung und mit Hilfe eines einheimischen Beraters kommt heraus, dass sie irgendein „Zauberkraut“ zu sich genommen hat, das ihr ein Heiler verabreicht hat, weil er der Meinung war, die Schwangerschaft müsse beendet werden, da die werdende Mutter von bösen Geistern besessen sei.
Sich als Arzt mit diesen massiven Unterschieden dieser beiden medizinischen Traditionen auseinandersetzen zu müssen, ist mühsam und eine große Herausforderung.

Details zum Film

  • Darsteller:  Eva-Maria Grein von Friedl , Kai Schumann, Ndoni Khanyile, Kevin Otto, Michael Brandner, Julia Richter, Chris April, Ayanda Makayi, Zikhona Jekubeni, Tshamano Sebe , Abena Ayivor , Nomasonto Tshabalala
  • Regie: Ulli Baumann
  • Laufzeit: 89 Minuten
  • Ausstrahlung: 20. September 2015, 20.15 Uhr, ZDF

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