Finanzen 50Plus: Einkommen steigen – Sparquote sinkt

Die Deutschen haben dank der jüngsten Tarifabschlüsse und niedriger Inflation mehr Geld in der Tasche. Trotzdem wird die private Altersvorsorge vernachlässigt, denn die Sparquote sinkt. Damit steigt das Risiko der Altersarmut.

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Tarife steigen jahresbezogen um durchschnittlich 2,9 Prozent

Die Tarifabschlüsse im 1. Halbjahr 2015 liegen etwas unter denen des Vorjahres, aber bringen den nach Tarif bezahlten Beschäftigten nach Abzug der Preissteigerung gleichwohl merkliche Einkommenszuwächse. Dies ergibt sich aus der aktuellen Halbjahresbilanz, die das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung vorgelegt hat.

In den meisten Branchen wurden für dieses Jahr Tarifsteigerungen zwischen zwei und dreieinhalb Prozent vereinbart. Bei der Deutschen Bahn AG erreichte die EVG für 2015 eine Tarifsteigerung von 3,5 Prozent. In der Metallindustrie setzte die IG Metall eine Tariferhöhung von 3,4 Prozent sowie eine Pauschalzahlung von 150 Euro bei einer Laufzeit von 15 Monaten durch. In der chemischen Industrie erreichte die IG BCE eine Anhebung von 2,8 Prozent bei einer Laufzeit von 17 Monaten. Im öffentlichen Dienst (Länder) lag die Abschlussrate für 2015 bei 2,1 Prozent.

Berücksichtigt man auch die länger laufenden Abschlüsse aus dem Vorjahr mit Tarifanhebungen für dieses Jahr, dann errechnet sich für das Jahr 2015 für 14,2 Mio. Beschäftigte eine durchschnittliche nominale Steigerung der tariflichen Grundvergütungen von 2,9 Prozent.

Im Durchschnitt fiel die Gesamtlaufzeit der Abschlüsse mit rund 19,1 gut drei Monate kürzer aus als im Vorjahr mit rund 22,4 Monaten.

„Diese vorläufige Tarifbilanz zeigt: Die Einkommensentwicklung der tariflich Beschäftigten verläuft weiterhin positiv“, sagt Dr. Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Tarifarchivs. „Der neutrale Verteilungsspielraum wird ausgeschöpft und die Tariflöhne werden angesichts einer voraussichtlichen Preissteigerung von 0,5 bis 0,8 Prozent in diesem Jahr im Durchschnitt real um gut 2 Prozent steigen. Damit leistet die tarifliche Lohnentwicklung einen wichtigen Beitrag zur Binnennachfrage, die in diesem Jahr das Wirtschaftswachstum in Deutschland wesentlich trägt.“

Deutsche geben monatlich für Wohnen rund 30 Prozent ihres Einkommens aus

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Die Deutschen geben monatlich fast 30 Prozent ihres Nettoeinkommens für Wohnen und Nebenkosten aus. Dies ergab eine repräsentative Umfrage der Commerzbank. Rund 1.000 Personen über 14 Jahre haben dafür im Juni 2015 ihre monatlichen Ausgaben geschätzt. Für Lebenshaltung (Nahrungsmittel, Getränke u.a.) ist die Höhe der monatlichen Ausgaben mit 27 Prozent fast identisch. Auf Auto und sonstige Verkehrsmittel, Freizeit und Hobbys sowie Urlaub entfallen jeweils rund weitere 10 Prozent der monatlichen Ausgaben. Viele Verbraucher wissen jedoch nicht genau, wofür sie ihr Geld ausgeben. So belegt die Umfrage auch, dass bundesweit nur rund 10 Prozent ihre Ausgaben festhalten und ein Haushaltsbuch führen.

Sparquote sinkt

Die Sparquote – also der Teil des verfügbaren Einkommens, der monatlich gespart wird – sinkt seit Jahren kontinuierlich. Lag die Sparquote in den 70iger- und 80iger Jahren bei 14 %, sank sie 1991 schon auf 12,7 %. In 2015 dürfte die Sparquote in Deutschland nahe der Neun-Prozent-Marke bleiben. Im Zuge der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank sank der Anteil des Sparbetrages am verfügbaren Einkommen von 10,5 in 2008 auf 9,1 Prozent in 2013. Aktuell liegt die Sparquote der Bundesbürger bei 8,9 Prozent.

Die Sparquote der privaten Haushalte in Deutschland wird mittel- bis langfristig sogar noch weiter auf nur noch 6,5 % im Jahr 2025 zurückgehen. „Die demografische Entwicklung bewirkt einen Rückgang der Sparquote in Deutschland. Ich rechne damit, dass die Quote bis zum Jahr 2025 auf unter 7 Prozent fallen wird“, analysiert BVR-Vorstand Dr. Andreas Martin. Ursächlich für die Entwicklung ist, dass in den kommenden zehn Jahren in Deutschland immer mehr Vertreter der geburtenstarken Jahrgänge ein Alter erreichen werden, in dem in der Regel weniger gespart wird. „Angesichts der Herausforderungen des demografischen Wandels sollten besonders die geburtenstarken Jahrgänge trotz des derzeitigen Niedrigzinsumfeldes die Chance nutzen, für das Alter finanziell vorzusorgen“, rät Martin, „um nach der Erwerbsfähigkeit einen angemessenen Lebensstandard halten zu können. Schließlich durchlaufen die sogenannten Babyboomer jetzt ihre einkommensstärkste Lebensphase.“

Vermögen steigt, Risiko der Altersarmut steigt

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Noch sind die Deutschen „reich“. Das wird sich aber bald ändern. Künftige Generationen 50Plus sollten die Stirn in Sorgenfalten legen. Das finanzielle Vermögen der Bundesbürger ist  2013 auf 5.153 Milliarden Euro gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr war dies immerhin ein Anstieg um 4,0 Prozent beziehungsweise um 200 Milliarden Euro. Der Anstieg des Geldvermögens ist zu etwa drei Vierteln auf die Neuanlage von Finanzmitteln und zu etwa einem Viertel auf Kursgewinne zurückzuführen. Im Schnitt verfügten die privaten Haushalte Ende 2013 über ein Geldvermögen von rund 126.000 Euro.

Diesem Vermögen stand eine durchschnittliche Verschuldung pro Haushalt von rund 38.600 Euro gegenüber. Die Verschuldung stieg damit 2013 leicht um 100 Euro pro Kopf an.

Zusätzlich zum Geldvermögen verfügten die Bundesbürger über ein Sachvermögen in Höhe von 7.545 Milliarden Euro. Den überwiegenden Teil des Sachvermögens bilden Wohnimmobilien in Lagen, die vom demografischen Wandel betroffen sind.

Das aggregierte Nettovermögen der privaten Haushalte in Deutschland, das heißt die um die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte bereinigte Summe aus Geld- und Sachvermögen, lag zum Ende des vergangenen Jahres bei 11.119,4 Milliarden Euro. Das durchschnittliche Vermögen der privaten Haushalte liegt bei 272.000 Euro.

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Seit vielen Jahren weist die Bundesregierung und weisen viele Experten darauf hin, dass die gesetzliche Rente durch eine betriebliche und private Altersvorsorge ergänzt werden sollte, um den Lebensstandard im Alter zu sichern. Sonst droht in Zukunft die Gefahr der Altersarmut. Dabei ist die Formel einfach:

niedrige Sparquote + niedrige Zinsen = steigende Altersarmut.

 

 

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