Helmut Muthers (Babyboomer) und sein Sohn Simon (Generation Z) zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den Generationen – ein Generationen-Gespräch

Im folgenden Gespräch sollen die Unterschiede und eventuelle Gemeinsamkeiten zwischen den älteren und der jüngsten erwachsenen Generation verdeutlicht werden. Das Gespräch liefert Informationen zu Denkmustern junger Menschen und ist Anhaltspunkt für deren Konsumverhalten.

Helmut Muthers: Vorab interessiert mich, wie du und deine Generation meine Generation, also die sogenannten Babyboomer, siehst. Wo sind aus eurer Sicht eventuelle Gemeinsamkeiten und wo Unterschiede zwischen unseren Generationen?

Simon Muthers: Ich denke, meine Generation kommt mit den Babyboomern selten über-haupt richtig in Kontakt, da liegen ja mindestens 40 Jahre Altersunterschied dazwischen. Einige Lehrer an meiner Schule passen vielleicht noch zu deiner Generation, ansonsten fällt mir außer Verwandten kaum jemand ein. Richtige Chefs, die vielleicht zu den Babyboomern gehören, hat in meiner Umgebung kaum jemand, da die meisten noch zur Schule gehen. Wenn man dann aber mal in Kontakt gerät – mir fällt da eine Politikveranstaltung ein, an der wir im Rahmen des Sozialkunde-Leistungskurses teilgenommen haben – sind die Begegnungen eher nicht so freundlich. Man betrachtet sich kritisch und ich habe das Gefühl, beide Seiten lassen sich zu sehr von Vorurteilen leiten. Das Einzige, was die Menschen in deinem Alter über uns zu sagen hatten, war, wir säßen ja immer nur am Handy und kommunizieren nicht mehr richtig, sie nannten uns „die Jugend von heute“. Ihre alten Werte und Moralvorstellungen sahen sie bei uns verloren, sie konnten der Entwicklung nicht folgen. Smartphone und Digitalisierung beurteilen viele eher als Hindernis denn als Tür zu neuen Möglichkeiten. Andererseits betrachten viele aus meiner Generation deine Generation schon als „die alten Säcke“, die irgendwo „in der Steinzeit hängengeblieben“ sind. Dazu kommt noch die Vorstellung, wir bezahlen denen ihre Rente und die „chillen auf Mallorca“ von unserem Geld. Um es zusammenzufassen, beide Generationen verschließen sich und gehen zu wenig aufeinander zu. Das finde ich sehr schade. Gemeinsamkeiten sehe ich in der kritischen Einstellung, auch wenn die Motive dafür ganz unterschiedlich sind. Deine Generation tritt allem Neuen und dem, was meine Generation fasziniert, eher kritisch gegenüber. Meine Generation betrachtet alles Alte kritisch, ist aber auch kritischer gegenüber allem anderen, da unsere Lehrer uns dazu ermuntern, kritische, alles hinterfragende Menschen zu werden. Trotzdem las-sen wir uns – vermutlich, weil wir noch so jung sind – aber auch leicht beeinflussen, was gleichzeitig unsere Offenheit, aber auch unsere Angreifbarkeit ausmacht. Deine Generation hat ihren Standpunkt und ändert den nicht, was sie verschlossen, aber felsenfest und sicher macht. Das ist meiner Meinung nach der größte Unterschied.

Helmut Muthers: Du als Vertreter der Generation Z bist natürlich in einer ganz anderen Zeit aufgewachsen als meine Generation. Was weißt du über meine Generation und von wem hast du die Informationen? Wo siehst du da Veränderungen in den Lebensbedingungen, der Erziehung, im Verständnis von Arbeit, Werten und Normen?

Simon Muthers: Von dir weiß ich ein paar Sachen aus erster Hand. Eure Erziehung war wohl deutlich strenger, jedenfalls im Vergleich zu heute. Egal, wer man eigentlich war, ob man ganz anders gestaltet war als die Eltern, man musste gehorchen und tun, was die Eltern und auch die Gesellschaft wollten. Die Kirche am Sonntag war Pflicht. Heutzutage finden sich ja kaum noch Priester und in der Kirche sitzt fast nur noch eure Vorgängergeneration. Immer mehr Leute treten aus der Kirche aus, immer weniger sind gläubig, weil die Gesellschaft einfach kritischer geworden ist und aus Quellen wie dem Internet mehr Informationen ziehen kann als damals. Mir scheint es, zu deiner Zeit wurde man – um beim Thema Glauben und Kirche zu bleiben, denn dieses finde ich im Generationenvergleich sehr interessant – einfach christlich erzogen und geprägt, man kannte nichts anderes und glaubte deshalb ein-fach, ohne zu hinterfragen. Ich wurde auch getauft und war Messdiener. Als ich dann aber älter wurde und Zugang zu mehr Informationen bekam, wurde ich immer kritischer und hinterfragte, bis ich irgendwann zu dem Entschluss kam, dass Christentum und Religion allgemein nichts für mich sind. Ich sehe da keinen Sinn, ich brauche es nicht. So habe ich mich davon abgewandt. Ich hinterfrage alles, das lerne ich auch im Philosophie-Unterricht. Bei dir wurde wahrscheinlich nicht nach deiner Einschätzung gefragt. Alles war einfach so, wie man es beigebracht bekam, und das hat sich eingeprägt. Da sehe ich auch wieder einen Generationenkonflikt. Deine Generation scheint verbissen auf ihren alten Werten zu beharren – ich will jedoch nicht verallgemeinern – und sie nie hinterfragt zu haben, während wir – natürlich auch nicht jeder – so ziemlich alles hinterfragen. Andererseits sind wir aber wiederum beeinflussbarer, einhergehend mit dem Internet. Wir werden mit Informationen überflutet und nehmen teils das Einfachste für bare Münze, sodass sich unser Standpunkt jederzeit ganz schnell ändern kann. Während wir zu leicht manipulierbar sind, hängt ihr zu verbissen an dem, was ihr kennt.

Helmut Muthers: Was mich besonders interessiert ist, wie du einkaufst. Was überlegst du dir vorher? Was sind deine Motive? Warum kaufst du das, was du kaufst?

Simon Muthers: Ich überlege immer zuerst, ob mir das, was ich kaufen möchte, nützt und wie lange es mir nützt, ob es das Geld wert ist für die Freude, die ich dadurch erfahre. Aus dem Affekt kaufe ich selten. Er packt mich schon mal und ich bin kurz davor zu kaufen, stelle den Gegenstand dann aber nach kurzer Überlegung doch meistens wieder weg. Ich kaufe in der Regel nur, wenn ich etwas Bestimmtes brauche, gehe also nicht so gerne beziehungs-weise selten aus eigenem Antrieb einfach mal so shoppen. Oft kaufe ich dann aber trotzdem nicht nur, was ich benötige, sondern lasse mich gerne für Dinge drum herum begeistern. Online kaufe ich oft noch etwas dazu, um die Versandkosten zu sparen, womit ich natürlich voll in die Falle der Marketing-Strategie der Firma tappe, dessen bin ich mir aber bewusst. Da ich das, was ich dann zu dem eigentlich Gesuchten kaufe, sowieso irgendwann noch kau-fen wollte, finde ich das nicht so schlimm.

Helmut Muthers: Wo informierst du dich vor dem Einkauf (zum Beispiel durch Freunde, Eltern, online)?

Simon Muthers: Ich bin jemand, der ungern alleine Entscheidungen trifft. Das liegt entweder an Unentschlossenheit oder daran, dass ich mit dem, was ich tue, es so vielen Leuten wie möglich recht machen will. Daher informiere ich mich online durch verschiedenste Reviews vieler verschiedener Menschen, frage Freunde und jeden, den ich kenne, der mit dem begehrten Produkt in Kontakt geraten ist. Damit versuche ich, mir sicher zu sein, dass das Produkt wirklich meinen Qualitätsansprüchen entspricht und mir nützlich ist. Das kann schon bei sehr günstigen Dingen der Fall sein, teils sogar eher als bei teuren. So habe ich lange über-legt, ob ich mir den Orange Micro Dark für 159 Euro kaufen soll, den ich nur als Spaß-Verstärker für zu Hause wollte, den Kemper Profiler für circa 2.000 Euro würde ich mir mit dem nötigen Kleingeld aber sofort gönnen, weil ich einfach schon überzeugt bin.

Helmut Muthers: Welche Art von Einkauf bevorzugst du beziehungsweise deine Generation (zum Beispiel stationär, online, beides)?

Simon Muthers: Ich habe da keine allgemeine Präferenz, es kommt immer auf die Dinge an, die ich kaufen möchte. Dinge wie Saiten für die Gitarre oder ähnliches Zubehör, auch einiges an Merchandise und viele Geräte kaufe ich gerne online, weil es bequemer ist, immer irgendwo auf Lager und man nicht für 6-Euro-Saiten den Weg und die Kosten nach Köln zum Music Store auf sich nehmen muss. Wenn ich aber wirklich stöbern und testen will, zum Beispiel Instrumente, oder wenn ich Kleidung kaufe, möchte ich das Produkt in die Hand nehmen und mit allen Sinnen erfahren können, aus erster Hand, nämlich aus der eigenen. Einfach so stöbern tue ich aber auch gerne vom PC aus, da dies am bequemsten ist und natürlich mit der ganzen Fülle des Internets die größte Bandbreite an Auswahl bietet.

Helmut Muthers: Nun gehst du ja noch zur Schule und machst 2018 dein Abitur. Mal angenommen, du suchst dir anschließend eine Ausbildungsstelle, wie würde dann aus deiner Sicht das optimale Unternehmen aussehen? Welche Voraussetzungen müssten erfüllt sein, wenn du in einen Ausbildungsbetrieb gehen würdest?

Simon Muthers: Ich weiß noch nicht, was ich machen will, bloß „was mit Musik“. Eine gute Ausbildungsstelle muss für mich sehr praxisorientiert sein und würde den Azubis ihr Handwerk nach dem Prinzip „learning by doing“ beibringen, natürlich mit dem zuvor unterrichteten Basiswissen. Azubis sollen fair behandelt werden, nicht als „Bimbos“ benutzt werden, um Kaffee zu holen oder die Gesellen zu belustigen. Eine Ausbildung muss Perspektiven bereit-halten, man muss sich nach der Ausbildung weiterbilden können. Eine gewisse Sicherheit, vor allem in der Ausbildung, halte ich für wichtig, wobei kein Job mehr ganz sicher ist. Ausbilder müssen ihre Azubis motivieren und nicht runterziehen. Sie dürfen keine Vorurteile haben und Azubis nicht anhand ihres Aussehens, ihrer Herkunft oder was auch immer bewerten, sondern anhand ihrer Leistungen und ihres Engagements. Ansonsten sind diese Menschen nicht als Ausbilder qualifiziert. Das Unternehmen soll zukunftsorientiert sein und mit der Zeit gehen, offen und positiv.

Helmut Muthers: Welche Voraussetzungen müsste ein Chef mitbringen, der Menschen dei-ner Generation wirklich begeistert?

Simon Muthers: Zuerst einmal darf der Chef nicht irgendwo in der Industrialisierung oder in einer anderen Vergangenheit hängengeblieben sein. Ein guter Chef muss zukunftsorientiert sein und handeln. Er muss auf die modernen Mittel der Digitalisierung und Globalisierung zurückgreifen können, darf Altbewährtes aber auch nicht kategorisch ausschließen. Er muss sich seiner Möglichkeiten bewusst sein und daraus das Beste für sein Unternehmen schaffen. So ein Chef muss seine Angestellten motivieren und dafür sorgen, dass sie einen Sinn erken-nen in dem, was sie tun, der nicht bloß aus Geld besteht. Ein guter Chef muss begeistern, ein Vorbild sein, ein lebendes Beispiel dafür, wie man es mit ehrlicher und harter Arbeit nach oben schafft. Der Posten des Chefs ist für mich nichts, was man erben sollte, denn so hat man keine Erfahrung und versteht nicht die, die unter einem stehen. Hat man sich hochge-arbeitet, weiß man, wie es sich etwas weiter unten anfühlt, und kann besser auf die Wün-sche der Angestellten eingehen. Nur so ein Chef kann wirklich das Beste für sein Unternehmen bewirken.

Helmut Muthers: Gibt es etwas zum Thema Generationenunterschiede, was du meiner Generation gerne mit auf den Weg geben möchtest?

Simon Muthers: Offenheit, Toleranz, Verständnis! Man darf sich nicht von Vorurteilen be-herrschen lassen, das gilt für alle Menschen. Genauso muss man akzeptieren, dass es Menschen gibt, die anders denken als man selbst und anders sind. Deshalb soll man ihnen nicht aus dem Weg gehen und meinen, alle anderen seien schlecht. Im Gegenteil! Die Menschen, die anders sind als wir, sind die, die uns wirklich helfen, uns persönlich weiterzuentwickeln, die uns nicht immer nur auf der Stelle laufen lassen, sondern uns neue Türen öffnen, wenn wir es nur zulassen. Man darf nicht alles ablehnen, was man nicht kennt, sondern soll offen sein dafür und wird dadurch bereichert. Nur weil man etwas Mal so oder so gelernt hat, heißt das nicht automatisch, dass es richtig ist. Wenn man andere Meinungen an sich heran-lässt und zuhört, ist man nachher schlauer und geht glücklicher durchs Leben, als wenn man sich zusammenkauert und von allem Fremden isoliert. Das richtet sich sowohl an deine als auch an meine Generation: Seid offen, seid tolerant, hört einander zu, ihr könnt viel mehr voneinander lernen und profitieren, als ihr vielleicht denkt.

Helmut Muthers: Mein lieber Sohn, ich danke dir für das spannende und inspirierende Gespräch.

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

Er ist Herausgeber des renommierten Coaching-Briefes „Monatliche Praxistipps für die Finanzwirtschaft“ (www.monatlichepraxistipps.com).

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