Hunde werden auch Senioren. – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten

Wo ist denn nur die Zeit geblieben?!, denke ich oft, wenn Fräulein Weißschnauze wedelnd auf mich zukommt. Auch nach 14 Jahren durchbohrt sie mein Herz mit ihrem zuckersüßen Blick noch immer im Nu. Macht mich widerstandslos, weil ihre Körpersprache so wortgewandt, ja einfach so gnadenlos überzeugend ist.

JA zum Hund, der Kinder wegen

Als sie zu uns kam, änderte sie unsere Leben, füllte sie jäh mit tierischem Glück und einer neuen Liebe. Mit ihren zarten 8 Wochen passte sie in zwei kleine Kinderhände, die nicht sorgsamer und liebevoller hätten sein können. Und nicht nur einmal wäre ich nur zu gerne unsere Fellnase gewesen – wurde sie doch nach allen Regeln der Hundekunst gehegt und gepflegt, umsorgt und geliebt sowieso. Mit ihren Nesthäkchen-Allüren hatte sie es sich gut eingerichtet und zwar von Anfang an. Ihre kleinen Eskapaden nahmen wir mit Humor, so wie die von ihren spitzen Milchzähnen zerkauten Fernbedienungen und den angeknabberten Sessel. „Fell“ drüber.

Als Mutter kann ich auch rückblickend JA zum Abenteuer >Hund< sagen. Mein Sohn hatte keine Geschwister, dafür einen Freund und zwar einen echten. Zuverlässig und immer da. Einer, der alles mitmacht, der die guten und die schlechten Tage kommentarlos erträgt, der zuhört, der Geheimnisse für sich behalten kann, der Sorgen teilt, so wie Glück, Freude und Liebe. Verantwortung hat er gelernt, Pflichten und Aufgaben. Daran ist er gewachsen und auch an dem Gassi, das irgendwann doof war, aber trotzdem sein musste. Klar habe ich ihn dann mal in der Kneipe um die Ecke beim Fußball gucken erwischt. Auch das gehört dazu.

Wenn der Vierbeiner älter wird…

Jahre später, so mit 10, kamen die ersten Krankheiten. Schlimm ist das. Ich leide jedes Mal wie ein Hund, bin unpässlich und unkonzentriert. Emotional ist unsere Prinzessin ja ein Familienmitglied wie alle anderen und da sorgt man sich. In Phasen wie diesen ist man einfach da, nimmt sich die Zeit und tut alles, was nötig ist. Auch die grauslich hohen Tierarztrechnungen begleichen.

Ziemlich zur gleichen Zeit kamen die ersten weißen Haare in die einst rehbraune, symmetrische Maske. Oh, die Dame wird älter und dabei völlig faltenfrei…. !!! „Na Süße, wollen wir tauschen?!“

In allen anderen Dingen, teilt sie das Schicksal des gemeinen Älterwerdens mit dem, was man ihm auch beim Menschen so nachsagt. In Hunde-Ratgebern findet man die Fakten beschrieben. Im täglichen Leben ist das oft gar nicht so einfach.

Deshalb >Frei Schnauze< aus dem Tagebuch unserer zuckersüßen Hundeseniorin:

(Das Schlafbedürfnis steigt.)

„6.30 ist ja sowas von früh, kann man in diesem Haus nicht einfach mal ausschlafen?! – (Gähn – steck – räkel) Und wenn schon so früh, dann muss auch was Ordentliches in den Napf, die Brocken von neulich sind so was von eklig. Mh, da muss man eisern bleiben, am Napf rumschnuppern und sich einfach umdrehen. Dann kapieren die das schon. Leckerlis wären überhaupt noch die viel bessere Idee. Vor dem entsprechenden Schrank stehen hilft da oft. 😊“

(Auch die Hundeblase kann „schwächeln“. )

„Mein Gott, so ‚ne Hektik schon beinahe im Morgengrauen – Geschäfte gibt’s von mir jetzt nicht mehr auf Ansage, das könnt‘ ihr vergessen – manche Dinge brauchen im Alter einfach mehr Zeit. Meine Morgentoilette auch.“

(Chillen statt spielen.)

„Oh endlich – Bürozeit, das ist meine Zeit. Beine lang und Augenpflege. So lieb ich das. Wer meinen Schönheitsschlaf so mir nichts dir nichts unterbricht, der kriegt ‚ne Ansage – bellen geht nämlich noch.“

(Die Wahrnehmung konzentriert sich auf das Riechen.)

„Ach was, schon wieder Mittag? Da könnte man sich glatt mal auf den Weg machen und gucken, was draußen so los ist. Grashalme sind dufte, die könnt‘ ich locker 10 x rauf und runter riechen bis mein allerliebstes Frauchen die Nerven verliert und mich zum nächsten Grashalm lockt. Puste Kuchen, jetzt bin ich dran und was man nicht mehr sieht und hört – hören war übrigens nie meine Stärke – riecht man eben. Schnauze runter und los geht’s. Soviel Zeit muss sein, ist ja schließlich mein Job.“

(Marathon-Spaziergänge.)

„Hey du, zu viel Laufen ist mit mir nicht mehr drin, mir hängt ja jetzt schon die Zunge bis zum Boden. Und was ist eigentlich mit ‚nem schattigen Päuschen und ‚ner Erfrischung?! Wenn schon das nicht, dann geh‘ ich gleich mal heim.“

(Krankheiten und andere Sorgen.)

„Auf dem Rückweg noch ‚nen Kumpel getroffen, schnell ‚Hallo‘ gesagt und dann weiter; mit der vielen Quatscherei hab‘ ich’s nämlich nicht mehr so. Spielen wollen die Kameraden dann manchmal auch, aber das ist nicht mehr so mein Ding. Ich bin seit meiner letzten OP mehr für abhängen. Da haben die mir in der Tierklinik nämlich den Bauch aufgeschnitten. Kinder, das war echt kein Spaß. Aufgewacht mit so’ner Schnur am Fuß, also echt, das braucht kein Hund. Dazu nur Leute, die man nicht kennt, kein Platz, kein gescheites Essen. Ne, das ist echt nix für mich.“

(„Eigen-Sinn“)

„Zu Hause war ich dann erstmal ganz schön wackelig und zugegeben – zickig auch. Hab’s manchmal nicht mal rechtzeitig vor die Tür geschafft. Echt ecklig. Ich sag’s euch, älter werden ist nur was für Mutige. Die machen ganz schön einen mit mir mit. Aber meine Family ist echt klasse, die haben mich wieder hochgepäppelt und verwöhnt wie am ersten Tag. Bringen mir das Essen, das ich mag, lassen mich wenig alleine, gehen 5 x am Tag mit mir vor die Tür und ach ja, einen neuen Teddy gab’s auch. Einfach dufte der Typ. Wenn man’s richtig anstellt quietscht der sogar. Also der macht mir Spaß.“

(Man muss sie einfach liebhaben.)

Tja, so ist das jetzt mit mir, der hübschen „Alten“. Nicht immer einfach, aber wer ist das schon? Jedenfalls freuen sich meine Leute total, wenn’s mir gut geht, wenn ich lache und einfach da bin.
So kann das bleiben und wenn wir alle Glück haben, am 5. Oktober meinen 98. feiern. Da kann man schon mal ‚nen ordentlichen Knochen d’rauf kauen. Also tschüss dann, ich brauch‘ jetzt mal ‚ne Pause.“

Wir genießen jeden neuen Tag mit unserem Hundekind und sind dankbar für die gemeinsame Zeit. Aber man sollte wissen, dass die treuen Vierbeiner nicht nur jung, verspielt, gesund und munter bleiben.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im BZ-NachrichtenTV:

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