Ich will einen Boateng als Nachbarn haben! – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten

Und ja warum denn eigentlich nicht?! Schließlich habe ich ganz und gar nichts gegen junge Menschen mit Abitur und guten Manieren. Dass Fußball-Profis wie ein Jérôme Boateng vielleicht zu viel Geld verdienen und schon deshalb nicht neben mir wohnen würden, tut dabei nichts zur Sache.

Aber: seit Alexander Gauland geäußert hat – Zitat: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ – geistert diese Extra-Portion Rassismus durch die Lande und durch meinen Kopf. Und so langsam aber sicher reißt mir bei aller Toleranz die Hutschnur, weil Aussagen wie diese im politischen Diskurs scheinbar mehrheitlich hingenommen werden – ja irgendwie gefährlich alltäglich geworden sind.

Dabei wirft die Aussage Fragen auf:

  1. Welche „Leute“! meint Herr Gauland – die Mehrheitsdeutschen oder ein paar Wenige?
  2. Und was will er uns mit „einen“ Boateng sagen – also lieber 2 oder 3? Oder eine Gruppe? Da bliebe dann wohl nur die andere Hautfarbe?! Alles kaum zu glauben…

Aber es ist eins der politischen Stilmittel, Stimmungen im Lande in Stammtischmanier einfach mal so zu sagen, wie es in bestimmten Kreisen gerne gehört wird. Da ist es dann auch von untergeordneter Bedeutung, welchen Wahrheitsgehalt die Botschaft in Wirklichkeit hat.

Herr Gauland führte auf Nachfrage (s. entsprechende Presse) weiter aus, „dass es viele gibt, die Fremde in Ihrer Nachbarschaft nicht für ideal halten“. Ich wusste gar nicht, dass Deutsche Fremde sind?!

Das Internet als Propaganda-Bühne für Jedermann

Ich mutmaße: Er hat „Boateng“ genommen, weil den jeder kennt oder der Nachname nicht per se mit einem Deutschen in Verbindung gebracht wird. Und an eben diesem Punkt eines nicht eindeutig deutschen Abstammungsprinzips beobachte ich eine Menge Aufregung. Jedenfalls, wenn man Bilder anschaut, die in den sozialen Netzwerken kursieren und reichlich geteilt und gelikt werden. Da scheinen doch viele (wie viele ????) lieber Meier, Krause, Schmidt oder Schulze an den Klingelschildern lesen zu wollen, als fremdländisch klingende Namen. Subkultur vs. Heimatmythos.

Da muss ich mich wundern. Denn wenn ich unsere Geschichte richtig verstanden habe, sind wir ein Einwanderungsland – und das schon eine ganze Weile. Schließlich waren wir es, die in den 50ern ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer angeworben haben, weil sie auf dem inländischen Markt fehlten. Dass aus den „Gastarbeitern“ von damals längst Nachbarn geworden sind, wollte oder will keiner wahrhaben. Tatsache ist aber, dass wir in der logischen Folge ein Staat mit Bürgern unterschiedlichster Herkunft geworden sind. Bereits aus dieser Zeit.

Dass die Zuwanderung 2014/2015 – aus ganz anderen Gründen – einen neuen und bislang nie dagewesenen Höhepunkt erreichte, will ich dabei nicht leugnen. Und auch nicht, dass uns dieses Ausmaß vor gewaltige Aufgaben stellt. Trotzdem nutzt es weder dem Staat noch einem einzelnen, sich dieser Wirklichkeit zu verweigern und die Krise zu nutzen, um Fremdenfeindlichkeit zu schüren. Lohnend erscheint mir nur, Lösungen für eine qualifizierte Integration zu schaffen. Natürlich beeinflusst das unser Leben und unsere Kultur und am Ende eben auch die Namen auf den Klingelschildern.

Vielleicht sollten wir diesen scheinbaren „Heimatverlust“ zugunsten einer neuerungswilligen Kultur hinnehmen und uns vielmehr damit beschäftigen, wie wir alle unter „einen Hut“ kriegen. Und nach Maßstäben arbeiten, die unsere Demokratie stärken. Nach meinem Verständnis bedeutet das, dass Menschen egal welcher Herkunft, Abstammung oder Hautfarbe in Deutschland willkommen sind, die hier in friedfertiger Absicht arbeiten und leben möchten; moralisch integer sind. Auch Charaktereigenschaften wie Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Verantwortlichkeit und die Grundbereitschaft zu unserem Gemeinwohl beitragen zu wollen, finde ich wichtig. Dazu gehört, die deutsche Sprache zu erlernen, unsere Werte zu teilen und unsere Alltagskultur anzunehmen. Menschen, die bei uns Asyl beantragen, aber unseren Rechtsstaat nicht achten, missbrauchen oder ausbeuten, sollten wir per Recht und Gesetz unseres Landes verweisen. Die Gesetze haben wir, es hapert nur leider zu oft an der strikten Durchführung. Oder aber Behörden versagen, wie im aktuellen Fall Sami A. Das ist in zweierlei Hinsicht katastrophal, weil es das Feld für Gegner der Einwanderungspolitik bestellt und andererseits auf dramatische Weise zeigt, wie anfällig unser Rechtsstaat ist, wenn die Kommunikation zwischen Behörden und Gerichten nicht funktioniert. Dass wir uns selbst die Knüppel zwischen die Beine schlagen und sich demokratische Politiker mutmaßlich unter dem „Rechtsdruck“ getrieben fühlen, kann nur ein erschreckendes Bild abgeben. Sicher wird es die Republik noch beschäftigen.

Ich werde unterdessen weiterhin nichts gegen Leute mit Charakter und Persönlichkeit in meiner Nachbarschaft einzuwenden haben, egal welchen Nachnamen sie tragen. Womöglich tragen sie – zuwanderungsbedingt – dazu bei, die heranrollende demografische Katastrophe besser bewältigen zu können. Darüber wäre eine Debatte sicher lohnend.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im BZ-NachrichtenTV:

Anmerkung der Redaktion

Zum Thema „Überfremdung“ und „völkische Reinheit“ lohnt ein Blick auf die Verfilmung des Dramas von Carl Zuckmayer „Des Teufels General“ von Helmut Käutner. Curd Jürgens in der Rolle des General Harras erklärt sein Verständnis des deutschen Volkes in seiner Vielfalt auf besonders eindrückliche Weise. Sehen Sie den Ausschnitt aus dem Film in BZ-NachrichtenTV:

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