Im Namen der Schönheit. – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten

Sag‘ mir eine/n der nicht schön sein will, denn immerhin gibt es das Streben nach Schönheit schon in der griechischen Mythologie und ob die Venus nun schöner war als Aphrodite oder andersrum, darf jeder für sich selbst entscheiden.

Auch die Gebrüder Grimm müssen gefallen am Thema Schönheit gefunden haben, sonst hätten wir das schöne Märchen >Schneewittchen< nicht.

Was heutzutage alles im Namen der Schönheit passiert, ist einen kleinen Diskurs wert und die Frage, für wen wir eigentlich schön sein wollen.

Ein Spiel der Natur

Männer sehen gerne schöne Frauen, das ist bekannt. Nun mag es Frauen geben, die sich gleich empören und verneinen, dass auch Frauen Männern gefallen wollen. Trotzdem ist das so, auch wenn es in der Skala der Gründe möglicherweise nicht ganz oben rangiert. Es ist ein Ritual, so alt wie die Menschheit, wenn es Zeit zur Paarung ist. Da werden bei der Balz die (Gelnägel-) Krallen schon mal ausgefahren, um die Konkurrenz auf die Plätze zu verweisen. Auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten sind viele Mittel recht. Überschätzt wird die Idee, dass künstliches Styling ist, was ER will. Im Gegenteil. Frag mal einen Mann, ob es die Extensions waren oder etwa die angeklebten Wimpern, die seine Reize betört und ihm die Sinne geraubt haben. Nein. Wenn die Hüllen fallen sollen geht es um Natur pur, um Lust, Trieb, körperliches Vergnügen und vor allem eins: befriedigenden Jagderfolg. Wer sich darüber empört, hat vergessen, was Mutter Natur für uns vorgesehen hat: Sex. Im besten Fall gepaart mit Gefühlen und auch welchen die bleiben. Ganz egal ob nun mit dem gleichen oder jeweils anderen Geschlecht. Dafür muss FRAU nicht künstlich aufgepäppelt sein und MANN kein Sixpack haben. Da reicht es aus, schlicht und hübsch einfach nur >Frau< oder >Mann< zu sein. Wer bei diesem Spiel allzu sehr auf Fassadentuning setzt, wird merken, dass der Vorteil nur ein augenscheinlicher, aber kein echter ist. Und darüber können wir wirklich ganz schön froh sein, denn Schönheit kann am besten eines: früher oder später vergehen. Vermutlich sehen uns unsere Männer genau deshalb auch am liebsten natürlich oder sogar ungeschminkt; lächeln Frauen an, die aussehen wie Kunstprodukte, würden der eigenen Frau aber niemals raten oder sogar fordern, selbst zum selbigen zu werden.

#Instagood?

Ich persönlich genieße sehr, dass mein Mann mich gänzlich ohne Tuning liebt, denn sonst hätte ich ja spätestens nach dem Abschminken ein hübsches Problem an der Backe. Gleichzeitig liebe ich, mich für ihn schön zu machen. Wenn wir dann zusammen ausgehen und ich seinen Stolz spüre, mich an seiner Seite zu haben, dann ist für mich als Frau alles genau richtig. Auch nach 15 gemeinsamen Jahren hat sich daran zum Glück nichts geändert. Bestätigt es doch auch immer wieder das Gefühl, damals die „richtige“ Entscheidung getroffen zu haben. So soll es bleiben.

Ich will mir selbst gefallen

Das ist die typischste aller Antworten. Zumindest sagen das in einer Befragung von 28.000 Frauen 94%. Da hab‘ ich wirklich nicht schlecht gestaunt! Würde nämlich bedeuten, dass die Befrager 26.320 Damen aus dem großen Becken gefischt haben, die auf Insta nicht eine Menge dafür tun, tausende von Likes einzusammeln, keine Werbung für ihre Schönheit machen und damit auch nicht reich werden wollen. Ist ja witzig, dass man bei der Befragung also just die gefunden hat, die vor Selbstsicherheit nur so strotzen, keine Anerkennung von außen brauchen und sich auch dann aufhübschen, wenn sie alleine auf dem Sofa gammeln, weil es sie eben glücklich macht. Kommt wohl nicht so gut, sich für andere schön zu machen und könnte einem glatt als Unsicherheit oder fehlende Selbstliebe ausgelegt werden. Aber hey, ganz ehrlich: ich glaube das ist im Großen und Ganzen Bullshit, denn die gesamte Media Palette lebt von etwas völlig anderem. Kein Mensch würde Influenzern Geld geben, der Fernseh-Werbung würden Millionen fehlen und die Frauen-Zeitschriften wären quasi leer. Rezepte, Rätsel, Horoskope und vielleicht ein Interview – aber bitteschön bloß‘ nicht mit einer Beauty-irgendwas.

Schönheit als Modeerscheinung

Ich glaube viel mehr, dass wir eine Menge Zeit dafür investieren, so auszusehen, wie die Schönheitsideale es uns gerade vorgeben. Dazu reicht ein Blick ins Frauenmagazin oder auf Instagram und du siehst auf den allermeisten Seiten und Profilen, wie du aktuell am besten aussehen sollst. Pralle Lippen, verdichtete Wimpern, Augenbrauen wie Balken, lange Haare. Das ist heute angesagt und deshalb schön. Warum sonst laufen junge Mädels mit Insta Bildern zum Beauty-Doc und sagen: so will ich meine Lippen. Warum sonst lassen sich Frauen Rippen heraussägen und Po-Implantate einbauen? Weil sie Vorbildern wie Kim Kardashian folgen, die Trendsetter i. S. Schönheit sind. Und auch die jungen Alten lassen sich einfangen, vom Run auf die jugendlich glatte Haut und starten immer früher mit Liftings und allem was strafft. Die Schönheitschirurgie bedient jeden Wunsch und freut sich, dass ihnen diese Mode die Kassen vollspült.

Aber Hand Hand aufs Herz: wer ist wirklich ganz frei von dem, was gerade als schön gilt?! Zugegeben, ich bin es nicht. Dabei ist mein „Rahmen“ vergleichsweise klein. Ich höre nämlich da auf, wo Spritzen und Skalpell zum Einsatz kommen. Weil ich glaube, dass künstliche Modifizierung weder schöner noch glücklicher macht. Ganz zu schweigen von den OP-Risiken und dem großen Risiko irgendwann mit einem Fratzengesicht herumlaufen zu müssen. Oder das gleiche Gesicht zu haben wie…. Wie gr(h)ässlich ist das denn?! Viele, die einmal damit angefangen haben, sprechen von Sucht und ich bin überzeugt, auch darin liegt eine große Gefahr.

Der Run auf „heisse Kurven“ boomt!

Ich begnüge mich also damit, Wert auf mein Äußeres zu legen ohne dabei die Grenzen zu sprengen, die mir in die Wiege gelegt wurden und freue mich durchaus, wenn ich mir und anderen trotzdem oder gerade deswegen gefalle. Verwerflich finde ich das ganz und gar nicht.

Gefährlich finde ich allerdings den Trend mit der Schönheit um jeden Preis, egal wem wir damit gefallen wollen. Das gilt für die Jungen genauso wie für die Alten. Und merke: Schönheit ist nicht alles!

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im BZ-NachrichtenTV:

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