In 15 Jahren sind alle Babyboomer in Rente. – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer) in BZ-Nachrichten

In den Jahren 2032 und 2033 gehen diejenigen geburtenstarken Jahrgänge in Rente, die Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut zufolge das Land am Laufen halten:

„Die Babyboomer, die dieses Land im Moment antreiben, sind 1964/65 geboren. In wenigen Jahren sind die 60, dann wollen die ersten mit ihren Zipperlein in die Rente.“

In 15 Jahren sind dann auch die letzten dieser Jahrgänge in Rente gegangen – nach derzeitigem Rentenverständnis. „Und in 20 Jahren sind fast alle drin“, gibt Sinn gegenüber Focus im Juli 2016 zu bedenken.

Deutschland wird dann nach seinen Hochrechnungen siebeneinhalb Millionen mehr Rentner haben und achteinhalb Millionen Arbeitnehmer weniger, die deren Renten erwirtschaften können. Das Verhältnis von Arbeitnehmern und Rentnern wird dann auf den Kopf gestellt sein. Die angespannte Situation ist heute schon deutlich erkennbar und ohne die Einbeziehung der älteren Arbeitnehmer nicht mehr lösbar.

Trotzdem genießen sie nach wie vor einen eher schlechten Ruf in der Wirtschaft. Das Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat 1.350 Unternehmer, Geschäftsführer und Personalleiter dazu befragt. Das ernüchternde Ergebnis:

  • Jeder vierte Entscheidungsträger hält nicht viel von seinen älteren Mitarbeitern. Trotz der demografischen Entwicklung, die im Grunde dazu zwingt, sich stärker um die älteren Beschäftigten zu kümmern, überwiegen weiterhin die Vorurteile.
  • Jeder vierte Befragte gibt an, ältere Mitarbeiter legten weniger Leistungsbereitschaft an den Tag.
  • Ebenso viele sind der Meinung, Ältere könnten beim heutigen Arbeitstempo nicht mithalten.
  • Doch damit noch nicht genug: Jeder vierte Manager glaubt, ältere Beschäftigte hätten keine Lust mehr, sich voll einzubringen.
  • 27 Prozent sind der Ansicht, ihnen mangele es an Ideenreichtum und Engagement, weil sie sich keine Mühe mehr geben, ihr Wissen aufzufrischen.
  • Immerhin 35 Prozent denken, ältere Kollegen würden resignieren, weil man sie nicht mehr fördere.
  • Umgekehrt meint jeder vierte Befragte, Weiterbildung lohne sich für Ältere nicht mehr.
  • 44 Prozent vermuten, dass ältere Beschäftigte länger krankfeiern, wenn sie gesundheitlich angeschlagen sind.

Wir wissen, dass alle diese Urteile nicht wirklich stimmen. Es gibt keine Studie auf der Welt, die ein Nachlassen der Produktivität/Leistungsfähigkeit nachweist – im Gegenteil. Auch sind Ältere nicht öfter krank als Junge – sie sind aus anderen Gründen krank.

Es wird höchste Zeit, das Altersbild in den Unternehmen zu korrigieren und den heutigen Realitäten anzupassen.

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

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