Deutsche Demografie-Forscher empfehlen die Rente mit 72

Die Deutschen müssen Experten zufolge für ihr Sozialsystem 2050 fünf Jahre länger arbeiten als heute. Sinken könnte die Wochenarbeitszeit. Das berichtet die Online-Ausgabe der Zeitung “Die Welt am Sonntag”.

Rente mit 67? Lächerlich, findet Fredrik Reinfeldt. „Wir werden mit 30 Jahren nicht das arbeiten, was wir mit 70 tun“, sagt der schwedische Premier. „Aber wenn wir den Standard bewahren wollen, den wir uns erwarten, müssen wir länger werktätig bleiben.“In Schweden gilt bereits heute ein flexibles Rentenmodell, das Arbeitnehmer nicht zu einem fixen Zeitpunkt in den Ruhestand schickt. Zwischen 61 und 67 Jahren verabschieden sich die Schweden aus dem Beruf. Reinfeldt macht deutlich: Dabei bleibt es nicht.

Geht es nach der EU-Kommission, wird sich Europa daran bald ein Beispiel nehmen. Die Kommission empfiehlt Europa, „das Rentenalter mit der Steigerung der Lebenserwartung abzugleichen“ – also automatisch und nicht in hart umkämpften Reformen alle paar Jahre aufs Neue ein fixes Eintrittsalter festzulegen. Unser Leben 50Plus hat berichtet.

James Vaupel freut diese Nachricht. Der Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock, einer der profiliertesten Experten weltweit, ist selbst übers deutsche Rentenalter hinaus und hat darum gekämpft, länger bleiben zu dürfen. „Die Menschen müssen schlicht einen vernünftigen Teil ihrer Lebenszeit arbeiten“, sagt er. Heute verbrächten die Europäer etwa die Hälfte ihres Lebens im Beruf, sagt er. „Für die Rentensysteme würde es schon reichen, dieses Verhältnis beizubehalten.“ Dafür aber wird Europa seinen Bürgern mehr zumuten müssen, als das Rentenalter ein paar Jahre anzuheben.

Vaupel rechnet vor: Die Lebenserwartung steige in Europa von Jahrzehnt zu Jahrzehnt um zwei bis drei Jahre. „2050 wird sie bei etwa zehn Jahren mehr liegen als heute“, sagt er. „Etwas von dieser geschenkten Zeit werden wir auf die Arbeit verwenden müssen.“ Wie viel? „Fünf Jahre“, sagt er. Hieße in Deutschland: nicht Rente mit 67, sondern mit 72. Vaupels Modell sieht vor, dass Menschen „mehr Lebensjahre, aber weniger Wochenstunden“ arbeiten. „So haben sie in jungen Jahren mehr Zeit für die Familie, belasten aber im Alter nicht die Pensionskassen“, sagt er.

Aber werden alle bis in die 70er arbeiten können? Der Demograf bringt Trost: „Die gesunde Lebenserwartung steigt ebenso rasch an. Wenn Menschen zehn Jahre länger leben, werden sie zehn Jahre später krank“, sagt Vaupel. Statistiker wie er sehen kein Ende des Trends der steigenden Lebenserwartung. Sie rechnen damit, dass ein heute in Deutschland geborenes Kind eine 50-Prozent-Chance darauf habe, 100 Jahre alt zu werden.

Der Bundesverband Initiative 50Plus rät allen Menschen 50Plus sich frühzeitig mit den Notwendigkeiten vertraut zu machen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen gemeinsam die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die notwendige längere Arbeitszeit auch tatsächlich erfüllbar wird. Der Bundesverband unterstützt vor allem kleinere und mittlere Unternehmen bei diesem Vorhaben im Rahmen seiner “Initiative 50Plus” und des damit verbudnenen Übergangs-Managements für Mitarbeiter.

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