INSA-Umfrage: Meinungsfreiheit und die Attraktivität der Parteien

Zwei Ereignisse machen nachdenklich. Da war der 70. Jahrestag der Verabschiedung des Grundgesetzes, in dem klar geregelt ist, dass es in Deutschland keine Zensur, dafür aber Meinungsfreiheit gibt. Und es gab missverständliche Äußerungen der CDU-Vorsitzenden Annegert Kramp-Karrenbauer („AKK“), die so verstanden werden konnten, dass „Influencer“ in den Neuen Medien in Zeiten des Wahlkampfes nicht alles sagen dürften, was ihnen sinnvoll erscheine. Daher befasste sich das Meinungsforschungs-Institut INSA – ein Partner des Bundesverband Initiative 50Plus – mit der Frage nach der Meinungsfreiheit. Die Zahlen sind beklemmend. Und dann ist da noch die berühmte „Sonntagsfrage“.

Sonntagsfrage

In der Sonntagsfrage des aktuellen INSA-Meinungstrends ist die Union mit 27,5 Prozent stärkste Kraft. Mit 19 Prozent liegen die Grünen auf Platz zwei, gefolgt von der SPD mit 15,5 Prozent. Die AfD erreicht 13,5 Prozent, die FDP 9,5 Prozent und die Linke neun Prozent. Die Umfrage wurde vor der aktuellen Krise der SPD, die mit dem Rücktritt der Partei- und Fraktions-Vorsitzenden Andrea Nahles endete, gestartet.

Die Grünen gewinnen damit im Vergleich zur Vorwoche einen halben Punkt hinzu. Die SPD und die Linke halten ihren Wert, während die CDU/CSU, die AfD und die FDP jeweils einen halben Prozentpunkt verlieren.

Die Potentialanalyse zeigt, dass die Linke und die Grünen jeweils einen Punkt an sicheren Stimmen hinzugewinnen. Die Union, die AfD und die FDP verlieren jeweils einen Prozentpunkt. Bei der SPD zeigt sich hier keine Veränderung.

An potentiellen Wählern gewinnen die Grünen drei Prozentpunkte und die FDP einen Punkt hinzu, während die AfD einen Prozentpunkt verliert. Bei Union, SPD und Linke zeigen sich keine Veränderungen.

Der Anteil an nicht zu erreichenden Wählern vergrößert sich diese Woche bei der CDU/CSU um zwei Prozentpunkte. Bei den Grünen verringert er sich um vier Punkte, bei der Linkspartei um drei Punkte, bei SPD und FDP um jeweils zwei Punkte und bei der AfD um einen Punkt.

Inwiefern trauen sich die Befragten, ihre politische Meinung offen zu äußern?

INSA wollte von den Befragten wissen, inwiefern sie sich trauen, ihre politische Meinung im Freundeskreis, im Bekannten- und Kollegenkreis, im Familien- bzw. Verwandtenkreis und in der Öffentlichkeit zu äußern. Im direkten Vergleich dieser vier Umfelder zeigen sich Unterschiede: im Familien- bzw. Verwandtenkreis trauen sich 81 Prozent der Befragten ihre politische Meinung zu äußern, im Freundeskreis trauen sich dies 78 Prozent, im Bekannten- und Kollegenkreis trauen es sich 71 Prozent und nur 60 Prozent der Befragten trauen sich, ihre politische Meinung in der Öffentlichkeit offen zu äußern. Fast ein Fünftel (19 %) der Befragten stimmt nicht zu, sich zu trauen, seine Meinung in der Öffentlichkeit offen zu äußern. Dieser Anteil liegt in den anderen Bereichen zwischen sieben und 13 Prozent.

Der Anteil der Befragten, die sich trauen, ihre politische Meinung im Freundeskreis offen zu äußern, steigt tendenziell mit zunehmenden Alter an. Während 62 Prozent der 18- bis 24-Jährigen der Aussage zustimmen, steigt dieser Anteil nahezu kontinuierlich bis auf 89 Prozent der ab 65-Jährigen. Der Anteil derer, die nicht wissen, wie sie auf diese Aussage antworten sollen, ist bei der jüngsten Altersgruppe am größten (14 %) und sinkt bis auf zwei Prozent bei den ältesten Befragten.

Der Anteil derer, die sich trauen, ihre politische Meinung im Freundeskreis offen zu äußern ist bei den Wählern sonstiger Parteien mit 91 Prozent am größten, gefolgt von den SPD- und FDP-Wählern (jeweils 88 %) und den Linke- sowie Grüne-Wählern (jeweils 87 %). Dieser Anteil sinkt weiter auf 80 Prozent bei den CDU/CSU-Wählern, bei den Wählern der AfD ist dieser Anteil am kleinsten (78 %). Entsprechend trauen sich deutlich mehr AfD-Wähler (16 %) als Wähler der anderen Parteien (2 bis 10 %) nicht, ihre politische Meinung im Freundeskreis offen zu äußern.

Hinsichtlich der offenen, politischen Meinungsäußerung im Bekannten- und Kollegenkreis zeigt sich eine ähnliche Altersverteilung als zuvor: während sich nur 56 Prozent der jüngsten Altersgruppe trauen, ihre politische Meinung hier offen zu äußern, trauen sich dies 82 Prozent der ab 65-Jährigen. Die Anteile der Befragten, die nicht zustimmen, sich zu trauen, ihre politische Meinung im Bekannten- und Kollegenkreis offen zu äußern, schwankt zwischen elf Prozent bei der ältesten Altersgruppe und 17 Prozent bei den 35- bis 44-Jährigen. Auch hier sinkt der Anteil an „weiß nicht“-Angaben tendenziell mit zunehmendem Alter.

Mit Blick auf die Religion zeigen sich deutliche Unterschiede bezüglich der offenen, politischen Meinungsäußerung im Bekannten- und Kollegenkreis. Nur 43 Prozent der islamischen Befragten trauen sich, dort ihre politische Meinung offen zu äußern, während dies auf 66 bis 76 Prozent der Befragten anderer Religionen bzw. der konfessionslosen Befragten zutrifft. Entsprechend ist der Anteil derer, die nicht zustimmen, sich zu trauen, ihre politische Meinung im Bekannten- und Kollegenkreis offen zu äußern, bei den islamischen Befragten mit 21 Prozent am größten. Aber auch die Anteile der Befragten, die keine Antwort wissen oder keine Angabe machen, sind bei den islamischen Befragten mit 15 bzw. 21 Prozent am größten.

Bezogen auf das Wahlverhalten zeigen sich ebenfalls deutliche Unterschiede. Nur 63 Prozent der befragten AfD-Wähler trauen sich, ihre politische Meinung im Bekannten- und Kollegenkreis zu äußern. Dieser Anteil liegt mit 74 Prozent am zweitniedrigsten bei den Union-Wählern. 78 Prozent der FDP-Wähler, 81 Prozent der Grünen-Wähler, 82 Prozent der Linke-Wähler, 85 Prozent der SPD-Wähler und sogar 87 Prozent der Wähler sonstiger Parteien trauen sich, ihre politische Meinung im Bekannten- und Kollegenkreis offen zu äußern. Entsprechend stimmt über ein Viertel (26 %) der AfD-Wähler nicht zu, sich zu trauen, seine politische Meinung im Bekannten- und Kollegenkreis offen zu äußern.

Für eine offene, politische Meinungsäußerung im Familien- bzw. Verwandtenkreis zeigt sich bezogen auf das Alter erneut ein Anstieg der zustimmenden Anteile mit zunehmendem Alter. Diesmal steigt der Anteil der Befragten, die sich trauen, ihre politische Meinung im Familien- bzw. Verwandtenkreis offen zu äußern, kontinuierlich von 66 Prozent bei den 18- bis 24-Jährigen bis auf 89 Prozent bei den ab 65-Jährigen. Auch hier ist der Anteil an „weiß nicht“-Angaben bei der jüngsten Altersgruppe (12 %) am größten und sinkt bis auf zwei Prozent bei 55- bis 64-Jährigen.

Der Anteil der Befragten, die sich trauen, ihre politische Meinung im Familien- bzw. Verwandtenkreis offen zu äußern, ist bei den Wählern der AfD mit 78 Prozent erneut am kleinsten. Die Anteile der Wähler der anderen Parteien liegen zwischen 86 Prozent bei den Grünen-Wählern und 95 Prozent bei den Wählern sonstiger Parteien. Auch hier ist dementsprechend der Anteil derer, die nicht zustimmen, bei den AfD-Wählern mit 15 Prozent mit Abstand am größten.

Hinsichtlich einer offenen, politischen Meinungsäußerung in der Öffentlichkeit zeigen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Während 65 Prozent der Männer sich trauen, ihre politische Meinung in der Öffentlichkeit offen zu äußern, trauen sich das nur 55 Prozent der Frauen. 18 Prozent der männlichen Befragten und 20 Prozent der weiblichen Befragten stimmen der Aussage nicht zu. Der Anteil der Befragten, die keine Antwort wissen, ist bei den Frauen mit 16 Prozent größer als bei den Männern (11 %).

45 Prozent der Befragten der jüngsten Altersgruppe trauen sich, ihre politische Meinung in der Öffentlichkeit offen zu äußern. Auch hier steigt dieser Anteil tendenziell mit zunehmendem Alter bis auf 70 Prozent bei den Befragten ab 65 Jahren. Der Anteil derer, die der Aussage nicht zustimmen, ist bei den 35- bis 44-Jährigen mit 25 Prozent am größten und bei den 55- bis 64-Jährigen (14 %) am kleinsten. Ein Fünftel (20 %) 18- bis 24-Jährigen weiß keine Antwort. Dieser Anteil sinkt mit steigendem Alter bis auf zehn Prozent bei den Befragten ab 55 Jahren.

Bei den Wählern sonstiger Parteien ist der Anteil der Befragten, die sich trauen ihre politische Meinung in der Öffentlichkeit offen zu äußern, mit 80 Prozent erneut am größten, gefolgt von den Linke-Wählern (76 %) und den SPD-Wählern (70 %). Dieser Anteil sinkt weiter auf 69 Prozent bei den Grünen-Wählern, auf 66 Prozent bei den Wählern der FDP und auf 64 Prozent bei den Wählern der Union. Am kleinsten ist der Anteil bei den AfD-Wählern (54 %). Entsprechend ist der Anteil derer, die nicht zustimmen, bei den AfD-Wählern mit 34 Prozent erneut mit Abstand am größten.

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