Integration statt Ausgrenzung älterer Mitarbeiter (2). – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer) in BZ-Nachrichten

Zu großem Frust führt auch, wenn Mensch und Arbeit nicht mehr zusammenpassen, wenn es schlicht versäumt wurde, die Aufgaben an die sich mit zunehmendem Alter naturgemäß ändernden Fähigkeiten anzupassen. Lässt die Arbeitsleistung dann nach, zeigen sich Unternehmensleitung und Führungskräfte oft enttäuscht und kommunizieren das dem betroffenen Mitarbeiter auch, obwohl sie selbst den Anpassungsprozess versäumt haben.

Das haben gerade ältere Mitarbeiter nicht verdient. Sie sind oft viele Jahre und Jahrzehnte im Unternehmen, haben sich mit viel Engagement eingebracht, zu ihrem Betrieb gestanden und im Rahmen ihrer Möglichkeiten zum Erfolg beigetragen. Sie haben vieles erlebt und können viel erzählen, über kommende und gehende Chefs und Führungskräfte, Umstrukturierungsprozesse und technische Umstellungen, neue Betriebsgebäude und Umzüge, funktionierende und gescheiterte Konzepte und eine permanente Veränderung der Rahmenbedingungen. Oft sind sie die Geschichtsbücher einer Firma und loyal bis in die Haarspitzen. Wenn ihre Zugehörigkeit zum Betrieb und ihre Leistungen ab einem gewissen Alter dann keine Anerkennung mehr finden, ist ihre Enttäuschung groß. Dabei geht es selten um objektive Kriterien, sondern vor allem um Emotionen, die zum Beispiel durch bestimmte Aussagen, Sarkasmus, einen „dummen“ Spruch, eine abwertende Handbewegung oder bestimmte Angebote ausgelöst werden.

Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihnen ab Ihrem 50. Geburtstag ein Sportprogramm für Betriebssenioren angeboten wird? Wenn Menschen, die sich vielleicht wie Ende 30 fühlen, zum Betriebssenior abgestempelt werden, löst das mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Begeisterungsstürme aus. Was würde in Ihnen vorgehen, wenn Ihnen zu Ihrem 50. Geburtstag ein Ansprechpartner für die Probleme älterer Mitarbeiter angeboten wird? So macht man Kollegen quasi über Nacht zum „alten Eisen“ und grenzt sie aus – und das in einem Alter, wo sie außerhalb des Betriebs als Trainer, im Ehrenamt, als Ratgeber oder Großeltern wie nie zuvor in ihrem Leben gefragt sind. Während sie im Unternehmen immer weiter aufs Abstellgleis geraten, besteigen sie in ihrer Freizeit den Mount Everest oder mieten sich eine Harley Davidson und fahren den Highway No. 1.

Wenn junge Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz über Rückenschmerzen klagen, erhalten sie eine ergonomische Beratung, um die Ursachen zu beseitigen. Wenn ältere Mitarbeiter die gleichen Schmerzen haben, werden sie mit dem Hinweis auf ihr Alter zum Arzt geschickt. Besser ist es, altersgerechte Arbeitsplätze mit speziellen Bürostühlen und höhenverstellbaren Schreibtisch-Stehpult-Kombinationen für alle bereitzustellen. „Na ja, in deinem Alter.“ „Der Lack ist eben schon ab.“ „Wie lange musst du noch?“ „Hast du schon einen Nachfolger?“

Derartige vielleicht gar nicht böse gemeinte Äußerungen wirken bei manchem älteren Kollegen wie Nadelstiche und geben ihm jeden Tag aufs Neue das Gefühl, dass er überflüssig ist. Vor diesem Hintergrund motivierte, leidenschaftliche ältere Mitarbeiter zu erwarten, ist höchst naiv. Es sind die sogenannten Kleinigkeiten, die nach und nach bestimmte Eindrücke

bei älteren Beschäftigten verfestigen und ihr Verhalten massiv verändern. Die dadurch aus-gelösten schmerzhaften Gefühle haben nicht selten enorme betriebswirtschaftliche Konsequenzen.

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

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