Internet-Zielgruppe Senioren: unterschätzt!

Ob ein Bundesbürger über einen Internet-Anschluss zu Hause verfügt, hängt maßgeblich von seinem Alter ab. Während die unter 19-Jährigen vollständig privat online gehen können, sind es bei den über 64-Jährigen erst 44 Prozent. In den Altersstufen dazwischen haben um die 90 Prozent einen Internet-Anschluss in ihrer Wohnung. Das Potenzial der bisherigen Online- Abstinenten wäre durchaus aktivierbar. Das zeigt der infas– Telekommuniktionsmonitor, eine bundesweit repräsentative Studie mit 1500 Befragten.

Etwa 40 Prozent der über 64-Jährigen, die keinen Privatanschluss haben, können mit dem Internet nach eigenen Angaben gar nichts anfangen („Ich wüsste nicht, was ich damit soll.“). 44 Prozent von ihnen geben an, dass Ihnen das Internet viel zu kompliziert sei. 29 Prozent der Offline-Senioren sind überzeugt, dass ein Internetanschluss für sie zu teuer wäre.

Senioren als Internetnutzer sind eine wachsende Zielgruppe

Angesichts des inzwischen erreichten Preisniveaus nahe eines früheren Analog-Telefonanschlusses eine vermutlich eher gefühlte, denn objektive Barriere. Insgesamt gehören rund zwei Drittel der Senioren ohne Internet im Haushalt zu den harten Verweigerern. Allerdings geben immerhin 14 Prozent an, dass sie sich „eigentlich schon längst einen Internetanschluss zulegen hätten müssen“. Aber: Nur fünf Prozent der über 64-Jährigen planen, sich in nächster Zeit einen Onlineanschluss zuzulegen.

Bei den 50 bis 64-Jährigen sind es mit 32 Prozent erheblich mehr, die sich einen privaten Zugang anschaffen wollen. Unter den Älteren sind vor allem die „jungen Alten“ aufgeschlossener – und „männlicher“, wenn es um die Nutzung oder Interesse am Internet geht. Die am schwierigsten zu erreichende Zielgruppe sind dagegen alleinstehende Seniorinnen.

Jene Senioren, die über einen privaten Internetzugang verfügen, wissen ihn durchaus zu nutzen – jedoch anders als jüngere Generationen. Vor allem das Nachschlagen von Informationen ist eine wesentliche Anwendung für die über 64-Jährigen: mehr als die Hälfte macht dies mehrmals die Woche oder häufiger. Jeder Dritte dieser Altersklasse schreibt regelmäßig E-Mails. In dieser Generation prägen also klassische Internetanwendungen das Bild. Shoppen, Online-Banking, Chatten oder Socialmedia-Anwendungen werden dagegen kaum von den Älteren genutzt. Der Nutzen besteht trotzdem. Für jeden Dritten der Online- Anschlussbesitzer über 65 Jahre ist das Internet im privaten Alltag nach eigenen Angaben „unverzichtbar“ – ein nicht wesentlich geringerer Anteil als in der Gesamtbevölkerung (46 Prozent).

Es zeigt sich, dass diejenigen Senioren, die über einen Online-Zugang verfügen, das Internet in ihren Lebensalltag integrieren, es aber deutlich anders nutzen als jüngere Generationen. Den bisherigen Verweigerern müssen demnach die Sorgen vor Kosten und Komplexität des Internets genommen und altersübliche Anwendungen präsentiert werden.

Die infas-Hochrechnung zeigt, dass dadurch ein deutliches Neukundenpotenzial zu gewinnen wäre: Unmittelbar könnten rund eine halbe Millionen Seniorenhaushalte zusätzlich für Internetanbindungen gewonnen werden.

Bild: Rainer Sturm/pixelio.de

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