IWF: Demografie wird für Deutschland zur finanziellen Belastungsprobe

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat errechnet, dass wenn die Lebenserwartung in Deutschland bis zum Jahr 2050 nur um 3 Jahre steigt, die öffentlichen Kassen mit zusätzlich 2 Billionen Euro belastet werden. Im Klartext: Wenn jeder Deutsche im Jahr 2050 drei Jahre länger leben würde als heute angenommen, kämen auf den Staat zusätzliche Kosten in Höhe von zwei Dritteln der jährlichen Wirtschaftsleistung zu.

Dieses Szenario ist nicht unwahrscheinlich, da die Forscher sich in der Vergangenheit regelmäßig verschätzt haben, wenn es um längere Lebenszeiten ging.

Die Schuldenlast könnte von aktuell mehr als 80 Prozent der Wirtschaftsleistung auf 150 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen – das wären dann “griechische Verhältnisse”. 

„Diese Risiken bauen sich zwar langsam über einen längeren Zeitraum auf“, schreiben die Autoren des Globalen Reports zur Stabilität des Finanzsystems. „Aber wenn sie nicht bald angegangen werden, können sie potenziell die Stabilität des gesamten Finanzsystems gefährden.“ 

„Es wird Jahre dauern, bis Gegenmaßnahmen greifen und es wird schwieriger werden, das Problem effektiv anzugehen, wenn die nötigen Maßnahmen sich verzögern“, heißt es weiter in dem Bericht.

Die Bürger sind nach den Berechnungen des IWF auf die zusätzlichen Belastungen ohnehin nicht ausreichend vorbereitet. Um auch im Rentenalter ihren Lebensstandard zu halten und rund 80 Prozent ihres letzten Gehalts als Rente zu beziehen, müssten die deutschen Haushalte heute ein Finanzvermögen haben, dass dem fünffachen der jährlichen Wirtschaftsleistung der gesamten deutschen Volkswirtschaft entspricht – rund 17.000 Milliarden Euro. Müssten die Rentner mit nur 60 Prozent ihres letzten Gehalts auskommen, wären es immer noch immer noch 12.575 Milliarden Euro der das 3,75-fache des aktuellen Bruttoinlandsprodukts.

Tatsächlich verfügen die Haushalte allerdings nur über knapp das Doppelte der Wirtschaftsleistung. Hierbei rechnen die Forscher allerdings Immobilienbesitz, Kunstwerke, Firmenvermögen und Anwartschaften in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht ein.

Der IWF empfiehlt, dass die Regierungen die Risiken einer deutlich höheren Lebenserwartung bei ihrer Finanzplanung berücksichtigen. Nötig sei, dass sich das gesetzliche Renteneintrittsalter künftig mit der Lebenserwartung entwickelt. Denkbar sei etwa eine automatische Anpassung des Alters; dadurch könnten politische Kämpfe um das Rentenalter vermieden werden. Der Staat sollte außerdem die Regeln für Versicherungen, Pensionskassen und die Anbieter von Betriebsrenten verschärfen: Diese privaten Anbieter sollten ebenfalls mit den Risiken einer unterschätzten Lebenserwartung kalkulieren.

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