„Kündigungswelle bei Flüchtlingen befürchtet – und nun?“ – Ein Kommentar von Sascha Rauschenberger in BZ-Nachrichten

Die Agentur für Arbeit (AfA) warnt in ihren neuesten Verlautbarungen davor, dass von den mehr als 1,5 Millionen Flüchtlingen, denen, die hier beschäftigt sind – also ca. 314.000, davon 28.000 in dualen Ausbildungen – eine Kündigungswelle droht.

Dazu wird einerseits angegeben, dass die Aufenthalte nur befristet sein sollen und demzufolge Arbeits- oder Ausbildungs-Verträge nicht langfristig gestaltet sein können, aber – und das wird fast schamhaft im Text versteckt – auch die Qualifikation der Flüchtlinge nicht den notwendigen Bedarfen entspricht. Und das trotz(!!) Beschäftigung im gastronomischen Bereich und bei Zulieferdiensten, die als Jobs mit geringer notwendiger Qualifikation angesehen werden müssen.

Auch wenn Vorstände von DAX-Unternehmen gern betonen, wie wichtig Fachkräfte für die Wirtschaft sind. Allen voran tut dies der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Joe Käser. Siemens jedoch hat mit Sicherheit kaum Bedarf für Beschäftigte im Bereich niedriger Qualifikation  und hier wohl auch wenig eingestellt hat. Im Gegenteil: seit Jahren baut Siemens Arbeitsplätze ab, betroffen sind vor allem ältere Beschäftigte…

Es scheint sich hier eine gern verschwiegene Diskrepanz zwischen dem aufzuzeigen, was die deutsche Wirtschaft braucht, was sie erhalten hat und dem, was sie politisierend gern zum Besten gibt.

Und wenn sich die Beschäftigung von Migranten auf Berufe erstreckt, die zu denen gehören, die um Maschinen bloß mit Putzlappen herumwischen, dann stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit der gängigen Argumentation von der Zuwanderung von Fachkräften und Hochqualifizierten aus dem Flüchtlingszustrom an sich.

Und wenn das Argument sich auf die bloße Tatsache reduziert, dass die Flüchtlinge billiger sind als gutausgebildete aber ÄLTERE Arbeitnehmer, die die Unternehmen loswerden/ersetzen will, dann haben wir ein gesamtwirtschaftliches Problem an sich.

Neueste Rentenmodelle sehen nun 47 (in Worten: siebenundvierzig) Beitragsjahre für die Standard-Rente und den „Eckrentner“ vor, was den SPD-Anspruch „Rente mit 63“ zumindest verbal nicht tangiert. Das Versprechen also nicht „wörtlich“ bricht.

Aber es zeigt das auf, was sich jeder denken kann. Das Modell soll letztlich darauf hinauslaufen, dass jeder- unabhängig von seinen Fertigkeiten, Fähigkeiten und Neigungen – so lange arbeitet bis er tot umfällt oder – wenn unglücklicherweise nicht – die Zeit zum natürlichen Tod möglichst „überschaubar“ wird. Dass hier die höhere Arbeitsbelastung im Alter auch die Gesundheit etwas herabsetzt mag diesem pragmatischen Ansatz folgend sogar förderlich sein.

In Russland sind die Menschen trotz des allmächtigen Putin gegen eine Rentenreform, die die Lebensarbeitszeit der Lebenszeit nahezu gleichsetzt, auf die Strasse gegangen und haben sogar gewonnen!

Das ist böse, zynisch und gemein? – Nein, es ist einfach EHRLICH!

Und es bedingt einer Prämisse, die im Kopf der Verantwortlichen noch nicht ganz angekommen ist: man muss so lange arbeiten können. Und das i.e.S. von 47 Beitragsjahre erreichen können. (Wo ist eigentlich der berühmte Dachdecker von Kurt Beck geblieben?) Noch platter ausgedrückt: ÜBERHAUPT Arbeit haben! Ggf. auch finden…

Und da sieht es ab 50 schon recht übersichtlich aus. Man soll zwar bis 63 – nun mindestens 65 – bald dann auch noch länger arbeiten, die Sozialsysteme für wen auch immer befüllen und Steuern zahlen, aber WIE das gehen soll, steht in den Sternen. Stop: die Krankenkassen sollen mindetsen 7,00 Euro pro Mitglied für die gesundheitliche Prävention ausgeben – pro Jahr!

Es sagt kein einziger Politiker, wie der dümmliche Angestellte diese 47 Beitragsjahre je erreichen soll. Wie die Beschäftigten 50Plus in Arbeit gehalten werden sollen bis sie umfallen.

Gern reden solche Leute wie Minister und Vorstandsvorsitzende von Weiterqualifikation von Flüchtlingen, denen die AfA nun Zusatzkurse in Deutsch (!!!) anbieten will, aber die schon deutsch sprechenden und qualifizierten Leute bleiben schon in der Theorie aussen vor. Warum sich um die kümmern? Die schaffen das schon von selbst und zahlen dabei spielend jede noch so dämliche Idee ohne zu meckern. Und das trifft auch die, die schon vor 40 Jahren als Migranten zu uns kamen. – Willkommen im Club!

Man hat ihnen allen gerade erst die Diesel-Fahrzeuge entwertet, mit denen sie mal zur Arbeit fahren durften. Jetzt dürfen sie das erarbeitete Geld nicht mehr in den Innenstädten ausgeben – Fahrverbot! Sie sind quasi von der Politik, den Automobil-Firmen und den Umwelt-Lobbyisten zwangsenteignet, ohne das böse Wort auszusprechen. Übrigens: die meisten Dienstfahrzeuge der Politiker sind keine E-Mobile oder Hybrid-Fahrzeuge.

Jetzt sagt man den Arbeitnehmern, dass sie noch länger arbeiten sollen, nennt aber die Zahl der Arbeitsjahre nicht. Sagt auch nicht, dass die Rentenbemessung sich dann in der Progression auf 47 anstatt 45 Jahre bezieht, was jeden Rentner durchaus ein paar hundert Euro kosten kann.

Und damit das Rentensystem finanzierbar bleibt, sollen erst einmal Flüchtlinge DEUTSCH lernen, damit sie weiter in niedrigbezahlten Handlangerjobs arbeiten können, die in der Industrie 4.0 natürlich dringend gebraucht werden. Fachkräftemangel und so…

Zigtausende hochqualifizierte Facharbeiter verlassen uns Jahr für Jahr, finden keinen Job oder gehen früher und frustriert in Rente. Deutsche, die bei der Auswanderung ihre Kinder mitnehmen und Länder wählen, die ihre Qualifikation schätzen. Sogar überhaupt nur deshalb zu sich reinlassen…

Und was passiert hier? Hier scheitern Einwanderer in Berufen, die noch nicht mal einer Lehre bedürfen an der Sprache, während andere ab 50 zu Dinosauriern erklärt werden, obwohl eben genau dieselben Leute – Politiker, Verbandsvertreter und Unternehmens-Chefs – aber wohfeil Migranten als Fachkräfte fordern. – ????

Nicht immer ist Schizophrenie heilbar. Aber man sollte sich auch mal untersuchen lassen, sobald Probleme sichtbar werden. So als Beginn einer möglichen und noch machbaren Lösung…

Ansonsten empfehle ich einmal die dreiteilige Serie „Altersarmut“ hier in BZ-Nachrichten nachzulesen…

Der Autor Sascha Rauschenberger

Sascha Rauschenberger, geboren 1966 in Wattenscheid, ging nach dem Abitur zur Bundeswehr, wo er als Panzeraufklärer und Nachrichtenoffizier Dienst tat. Er diente, unter anderem als Reservist, in vier Auslandseinsätzen, zuletzt als Militärberater in Afghanistan.

Seit 2000 ist er als Unternehmensberater im Bereich Projektmanagement und Arbeitsorganisation (Future Work) tätig.


Fotoquelle: Yusuf Simsek: „Das Bild im Bild“ http://simsek.ch/

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