Lebenskraft 50Plus: Begeisterung für die eigene Gesundheit

Uni-Professor: Um gesund zu werden, muss der Mensch seine Haltung ändern

„Handlung muss durch Haltung geprägt sein.“ Dieser Überzeugung war der 1989 von der RAF ermorderte Deutsche Bank-Chef Alfred Herrhausen. Doch wie entsteht Haltung? Vor allem: Wie entsteht eine positive Haltung, die auch zu positivem Handeln führt? Über dieses Thema sprach jetzt Professor Gerald Hüther auf dem Berliner Haupstadtkongress. Der Wissenschaftler forscht mit Begeisterung über die Fähigkeiten des menschlichen Hirns, Haltungsänderungen zu fördern.

Als Professor für Neurobiologe leitet Hüther die Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen und des Instituts für Public Health der Universität Mannheim/Heidelberg. Wissenschaftlich befasse ich mich u. a. mit den Wirkungsmechanismen von Psychopharmaka, mit dem Einfluss früher Erfahrungen auf die Hirnentwicklung, mit den Auswirkungen von Angst und Stress und der Bedeutung emotionaler Reaktionen bei Lernprozessen und der neurobiologischen Verankerung von Erfahrungen. 

Dünger für das Gehirn

Begeisterung wirkt wie Dünger für das Gehirn und befähige auch alte Menschen noch zu geistigen Höhenflügen. “Das Hirn wird nicht so, wie man es benutzt, sondern so, wie man es mit Begeisterung benutzt”, lautet eine seiner Kernthesen. Um seine Potenziale entfalten zu können, müsse der Mensch nicht sein Verhalten ändern, sondern zuerst seine Haltung, zum Beispiel die zu seiner Gesundheit.

Haltungen bestehen laut Hüther aus emotionalen und kognitiven Anteilen. Den Raucher darauf hinzuweisen, dass Rauchen tödlich sei, werde aber nicht dazu führen, dass er das Rauchen aufgebe, so der Professor. Das klassische Reiz-Reaktions-Schema aus Belehrung und Belohnung löse keine tiefgreifende Änderungen der Haltung aus. Diese Haltungen seien nicht angeboren, sondern würden aufgrund von Erfahrungen erworben.

Falsche Haltung führt zu Ersatzbefriedigung

Die Potenziale könnten sich entfalten, wenn der Mensch sich Gemeinschaften verbunden fühle, aber auch die Freiheit verspüre, zu wachsen. Ungesund zu leben oder krank zu sein, das könne deshalb ein Hinweis darauf sein, dass der Betreffende Bedürfnisse unterdrücke und andere Dinge für wichtiger halte als die Gesundheit. Vereinzelt und ausgebremst zu sein, lässt die Menschen dann zu Ersatzbefriedigungen greifen.

„Je mehr Menschen daran leiden, dass sie nicht dazugehören und sich nicht entfalten können, desto leichter lassen sich Ersatzbefriedigungen vermarkten“, so Hüther. Die wachsende Zahl an Fernsehprogrammen, die Umsätze der Spieleindustrie und Süchte aller Art – von Alkohol über Süßigkeit bis zu Tabak  – auf anhaltend hohem Niveau scheinen Hüther Recht zu geben.

Begeisterung schaffen für die Änderung der Haltung

Hüther geht es darum, Begeisterung zu schaffen für die Änderung der Haltung, besonders der zur eigenen Gesundheit. “Der Mensch muss sich die Sinnfrage stellen: Wohin will ich?”, so der Wissenschaflter. Anders könne  der Körper nicht wissen, warum er sich gesund erhalten solle.

Einen Teil der Verantwortung dafür gibt Hüther auch den Ärzten.Begeisterung entspringt für ihn dem Dreiklang aus “einladen, ermutigen und inspirieren”. Würden Mediziner das in der eigenen Haltung beherzigen und danach handeln, ließen sich mit weniger Geld mehr Menschen dazu bewegen, gesund zu werden. Gesund “machen” ließen sie sich dagegen nicht. Aber ein Arzt könne die Bedingungen schaffen, in denen der menschliche Körper sich zur Selbstheilung bereit erklärt. “Lebende Systeme sind dazu in der Lage, Selbstorganisationsprozesse in Gang zu setzen”, sagte Hüther.

„Die Voraussetzung dazu ist: Die Haltung stimmt, und der Patient will auch gesund werden“ so Hanspeter Liechti, Schweizer Mentaltrainer. „Denn dann handelt er auch. Zum Beispiel durch eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten, durch mehr Bewegung und der mentalen Einstellung gegenüber ihm wichtigen Dingen des Lebens. Dann gelingt es fast wie von selbst, gesund aus eigener Kraft zu werden.“

Erleben Sie Prof. Hüther in einem Vortag beim Denkwerk Zukunft – im 50PlusFernsehen.

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