Männer sterben früher und glücklicher. – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten

Mit dem Leben ist es so eine Sache, es kann auch ganz schnell vorbei sein. Statistisch gesehen ist es für Frauen allerdings erst später vorbei, nämlich so um die 5 Jahre; Tendenz rückläufig.

Mönche leben ähnlich lang wie Nonnen.

Eine Vielzahl von Studien ist in der Betrachtung der verschiedenen Lebenserwartungen dabei der Frage nachgegangen, warum das so ist und welche biologischen und sozialen Faktoren ursächlich eine Rolle spielen. Obgleich die Wissenschaft nach meinen Recherchen keine wirklich nachweisbaren Ursachen belegen kann, gibt es ein paar spannende Betrachtungen: Mönche leben ähnlich lang wie Nonnen 😊. Scheint demnach die These zu untermauern, dass sich mit zunehmender Gleichstellung auch die Lebenserwartung angleicht. Und noch etwas ist mir ins Auge gefallen: Je jünger die Frau, desto besser für den Mann und seine Lebenserwartung. Die Begründung: Junge, intelligente Frauen fordern die Männer geistig länger – ich nehme an auch körperlich 😉 – und bewahren sie so insbesondere vor einer Demenzerkrankung. Ideal soll dabei ein Altersunterschied von 7 – 9 Jahren sein. Dass das anders herum genauso funktioniert, ist statistisch nicht zu belegen und scheitert vermutlich auch daran, dass weniger Frauen mit deutlich jüngeren Männern liiert sind. Aber auch in diesem Punkt machen wir Frauen uns auf den Weg und finden in der schönen Promiwelt zahlreich Beispiele – junge Tänzer sind da z. Zt. ganz weit vorne. Und denken wir nur an unsere Heidi mit ihrem Tom. Tänzer ist der Tom zwar nicht, dafür 16 süße Jahre jünger. Ausgang – bis dass der Tod uns scheidet? Wir werden sehen….

Bei der Frage, was Frau nun mit den (noch) verbleibenden Jahren so schönes macht, hinkt die wissenschaftliche Analyse, jedenfalls, wenn man den Publikationen im Internet glaubt. Gefunden habe ich nach intensiver Recherche lediglich eine europäisch basierte Erhebung der Uni Barcelona (SHARE) von 2010/2011 https://academic.oup.com/eurpub/advance-article-abstract/doi/10.1093/eurpub/cky070/4993767?redirectedFrom=fulltext, nach deren Untersuchung die längere Lebensdauer nicht vom Glücklichsein sondern mehrheitlich vom Gegenteil geprägt ist. Also nichts da von wegen lustige Witwen.

Lustige Witwen oder Kampf gegen Einsamkeit?

Ein glücklicher Moment macht noch kein glückliches Leben.

Gesellschaftlich scheint mir hierzulande eher die Vorstellung von alleinreisenden Witwen, die sich nach dem Ableben ihrer Männer auf Kreuzfahrt begeben und ihr Erbe verprassen, gängig zu sein. Ein Blick ins Umfeld lässt gleichwohl auch andere, weit weniger süffisante Schlüsse zu.

Wird der Kreis mit zunehmendem Alter – auch paarweise – ohnehin kleiner, weil sich die Umfelder beruflich und sozial verändern, bricht für viele Frauen nach dem Tod des Partners erstmal die Welt zusammen. Nichts ist wie es war; die Karten werden ganz neu gemischt und zwar nicht nur beim Bridge. Eine Flut von bürokratischen Wegen wartet auf die Hinterbliebene, die in der Trauer oft nicht alleine zu bewältigen ist. Welche Kraft, wie viel Antrieb und Energie für das neue „Restleben“ bleibt, ist nach meiner Auffassung so vielfältig, wie die heutige Diversität des Alters. Es reicht von sich-verkriechen über immer-weiter-so, bis das-Leben-feiern. Neben dem finanziellen Aspekt spielt sicher die psychische und gesundheitliche Verfassung eine entscheidende Rolle. Und wie schafft >Frau< es überhaupt, die tiefen Löcher der Trauer mit neuem Lebensmut zu verlassen? Sich ein neues Umfeld und Leben schaffen? Ich glaube, Aufgaben und soziale Teilhabe am Leben helfen aus diesem Tal mehr als eine Kreuzfahrt. Stichwort: gebraucht werden und sich gebraucht fühlen. Von hier aus nun den Link zum >Ehrenamt< zu ziehen liegt nahe, findet aber in statistischen Erhebungen keine Bestätigung. Zwar sind im fortgeschrittenen Alter ein paar mehr Frauen (52%) als Männer in Ehrenämtern tätig, aber es gibt keinerlei Parameter, die erahnen lassen würden, dass Lebensüberschuss und Ehrenamt in besonderer Weise miteinander „verkuppelt“ werden könnten.

Trotzdem erlebe ich in meinem persönlichen Umfeld viele Damen (Witwen), die sich in diesem Bereich mit großem Engagement einbringen und damit nicht nur ihr eigenes, sondern auch das Leben anderer in erheblichem Maße bereichern.

Wer lebt schon gern allein?

Unstrittig ist auch die Tatsache, dass wir für das Alter und die steigende Zahl alter Menschen – egal ob alleinstehend oder nicht – neue Lebensmodelle brauchen, sie aber bis dato nicht wirklich haben oder die Akzeptanz dafür zu gering ist. Auch wenn wir möglicherweise den Trend zum Generationen Mix gerne als „Ideallösung“ hätten, mehren sich Einpersonenhaushalte und zwar auch die in großen Häusern. Also genau jene Wohnungen und Häuser, in denen einmal mehrköpfige Familien lebten, die Kinder aber flügge geworden sind und die Partner wegsterben. Dann alleine zu Hause zu sitzen, kann sehr einsam und traurig machen, was das Ergebnis der zitierten Studie der Uni Barcelona stützt. Trotzdem kann man niemanden gegen seinen Willen verpflanzen, Enkelkinder von Kindern, die man nicht bekommen hat schenken, oder als Kinder Defizite an Aufmerksamkeit ausgleichen, solange man voll im Job steht.

Man muss sich also auch in den letzten – statistisch Frauen verbleibenden – 5 mehr Jahren eine Menge trauen, um für sich einen glücklichen Weg zu finden. Mutig genug sein für neue Aufgaben und Lebensexperimente. Sich öffnen oder offen sein, Neues zu wagen, sozial Anschluss zu halten.

Frauen, traut euch – des Glückes Schmied könnt ihr nur selbst sein. Dass das einfach ist, sage ich nicht.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im BZ-NachrichtenTV:

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