Man lernt nie aus. – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer)

Zum Thema ältere Beschäftigte passt ein wunderbarer amerikanischer Film, der 2015 in die Kinos kam und den Sie sich unbedingt anschauen sollten: „Man lernt nie aus“ mit Robert de Niro und Anne Hathaway.

De Niro spielt den 70-jährigen Witwer und Rentner Ben Whittaker, eine ehemalige Führungskraft des Bankhauses Merrill Lynch. Ben langweilt sich im Ruhestand, Freunde und Bekannte trifft er nur noch bei Beerdigungen. Deshalb bewirbt er sich auf eine Stellenausschreibung als Praktikant in einem E-Commerce-Startup-Unternehmen und – bekommt den Job. Anfangs wird er von den ausschließlich jungen Mitarbeitern noch belächelt. Er erfreut sich aber dank seiner charmanten und warmherzigen Art bei seinen neuen Kollegen bald großer Beliebtheit.

Anne Hathaway spielt seine 40 Jahre jüngere Chefin Jules Ostin, die sich in ihrer ungewohnten Rolle als Geschäftsführerin des Unternehmens oft überfordert fühlt. Für sie wird Ben schnell zu einer wichtigen Stütze und einem guten Freund, auf den sie bald nicht mehr verzichten will. Ben hilft allen, weiß Trost und Rat für alles, praktisch und emotional, und er stellt zuhause auch einen Schlafplatz für einen gestrandeten jungen Kollegen bereit. Er ist zu Diensten, immer und überall, holt Kaffee für die anderen und macht den Chauffeur für die Chefin. Jede Art von Spott und Skepsis lässt der erfahrene ältere Herr an sich abprallen. Ein toller Film, der mit vielen vermeintlichen Konflikten zwischen den Generationen aufräumt.

Spannend ist die Tatsache, dass es in der Wirklichkeit ähnliche Geschichten wie in diesem Film gibt: Da ist zum Beispiel Paul Critchlow, ein 69-jähriger Ruheständler. Er arbeitete tatsächlich 30 Jahre lang bei Merrill Lynch. Nach seiner Pensionierung geht er auf Reisen, er schreibt seine Biografie und hat einige Beratungsaufträge. Insgesamt aber ist ihm sein Leben langweilig. Irgendwann trifft er seine frühere Kollegin Sally Susman. Sie ist Executive Vice President, Corporate Affairs beim Pharmaunternehmen Pfizer. Sie hat den Film mit Robert de Niro und Ann Hathaway gesehen und ist von ihm begeistert. Sie fragt Paul, ob er Praktikant bei ihr sein möchte. Nachdem er sich den Film angesehen hat, sagt er ja.

Im Unternehmen sitzt der 69-jährige Paul an einem Tisch mit drei weiteren Praktikanten, die alle nicht älter als Mitte 20 sind. Zunächst ist das für alle ein wenig ungewohnt, doch schließlich kann sich Paul mehr als nützlich machen. Pfizer beurteilt die Zusammenarbeit mit Paul als großen Erfolg und auch Paul ist begeistert. Eine wunderschöne Geschichte.

Der Film mit Robert de Niro und die Geschichte von Paul Critchlow sind fantastische Beispiele dafür, wie ältere Menschen dazu beitragen können, den Erfolg eines Unternehmens positiv zu beeinflussen. Sie zeigen anschaulich, dass sie mit ihren besonderen Fähigkeiten, mit Erfahrung und Übersicht, Ruhe und Gelassenheit Situationen meistern, in denen Jüngere schnell einmal überfordert sind.

Beide, der Film und die reale Geschichte, sind auch Plädoyers für eine funktionierende Zusammenarbeit der verschiedenen Generationen. Für ältere Mitarbeiter sollte der Film eine Bestätigung ihrer Leistungsfähigkeit sein, eine Bestätigung der Wichtigkeit ihrer altersgebundenen Stärken. Unternehmer und Führungskräfte sollten diese Informationen schnell aufnehmen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Das Problem ist schließlich nicht die Alterung oder der Fachkräftemangel, das Problem ist die oft fehlende Einstellung der Verantwortlichen, ältere Menschen respektvoll und vorurteilsfrei zu beschäftigen. Sie sollten sie fördern, sie ihren Fähigkeiten entsprechend einsetzen und ihnen den Verbleib in der Firma ermöglichen, so lange sie Lust dazu haben. Die Lösung für die aktuellen und künftigen personellen Herausforderungen liegt ganz sicher nicht darin, ältere Mitarbeiter auszugrenzen oder sie frühzeitig freizusetzen. Unternehmen sollten sich jetzt öffnen für die Beschäftigung älterer Mitarbeiter. Sie sollten sich umgehend darum kümmern, bevor das Potenzial verteilt ist. Es ist eine Vergeudung von Ressourcen und nicht zu verantworten, wie viel wertvolles Potenzial hier brach liegt.

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

Er ist Herausgeber des renommierten Coaching-Briefes „Monatliche Praxistipps für die Finanzwirtschaft“ (www.monatlichepraxistipps.com).

www.helmutmuthers.com

www.generationengespraech.com

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