Neulich in Berlin: Altersarmut – das Zauberwort heißt Verantwortung. – Ein Kommentar von Uwe-Matthias Müller in BZ-Nachrichten

Es ist schon erstaunlich. Da fragt ausgerechnet die AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag nach der Situation des Rentensystems in unserem Land. Die Partei also, die bis heute kein eigenes Rentenkonzept vorgelegt hat. Dennoch gebührt der AfD Dank, denn die von der Bundesregierung auf eine Anfrage der Partei gegebenen Zahlen sind erschreckend. Jedem 7. Bürger in Deutschland, vom Baby bis zum Greis, Mann oder Frau, sozialversicherungspflichtig beschäftigt oder nicht, droht der Verlust der finanziellen Unabhängigkeit im Alter. 11 Millionen Bürgern droht eine „Mini-Rente“ und damit die Altersarmut und Hartz-IV. (BZ-Nachrichten: https://www.bz-nachrichten.de/altersarmut-laut-bundesregierung-droht-11-millionen-buergern-eine-mini-rente/).

Diese Zahlen nennt die Bundesregierung nach der längsten wirtschaftlichen Aufschwungphase der jüngeren Zeit, in Zeiten der Vollbeschäftigung. Dennoch hat es die Bundesregierung – in der die SPD in 16 von 20 Jahren das Arbeits- und/oder Sozialministerium im Bund führt – nicht vermocht, die Rahmen-Bedingungen für ein Land zu schaffen, in dem wir auch künftig gut leben können. Auch die „Sozialpartner“, also die Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, tun nicht genügend dafür, um den Lebensstandard in unserem Land auf Dauer zu sichern. Die Zwänge von börsengetriebenen Quartalszahlen, Shareholder Value und Wahlen lassen die Handelnden immer kurzatmiger agieren.

Und die Betroffenen? Die Bürger wiegen sich in scheinbarer Sicherheit. Konsum, Urlaub und Party sind vielen wichtiger, als eine vernünftige strategische Lebensplanung. Nullzins-Politik, der so genannte „Mietenwahnsinn“ und das eigene „ICH“ scheinen vielen Konsumenten die passende Ausrede dafür zu liefern – gar nichts zu tun. Wozu sparen? Es lohnt sich ja doch nicht…

Mindestens genauso schlimm ist es, dass die Bürger das Ganze als gegeben hinnehmen. Statt sich zu rühren, den von ihnen gewählten Politikern mit Fragen und Forderungen einzuheizen – nichts. Es herrscht eine Mehltau-Ruhe im Land, die gerade in einem Jahr der Wahlen nicht gestört werden soll. So werde die Parteien und die von uns – den Bürgern – gewählten Repräsentanten im Bundestag weiter vor sich herwurschteln und an den künftigen Lebensverhältnissen der breiten Masse der Bevölkerung nichts ändern.

Bedenkt man die demografische Entwicklung in Deutschland und sieht, dass bis 2030 viele Millionen gutverdienender Babyboomer mit relativ hohen Rentenanspüchenm in den Ruhestand gehen und viel weniger jüngere Arbeitnehmer als früher diese Renten finanzieren sollen, dann ist klar, die Lage wird nicht besser.

Es ist daher höchste Zeit, die Stimme zu erheben und tragfähige Konzepte zu fordern. Oder – wenn sie von den etablierten Parteien wieder nicht geliefert werden – selbst zu handeln!

Übrigens: so ganz neu und damit überraschend sind die jetzt veröffentlichten Zahlen nicht. Die damalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nannte schon im Sommer 2010 ein Einkommen von 2.500,00 Euro als nicht ausreichend für die Altersvorsorge (WELT: https://www.welt.de/wirtschaft/article108923109/Von-der-Leyen-Altersarmut-droht-schon-bei-2500-brutto.html).

Der Autor Uwe-Matthias Müller

Uwe-Matthias Müller ist Gründer und Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus. Bis 1998 hat er mit seiner Frau und den beiden Töchtern in (West-)Berlin gelebt. Heute lebt er in Bayern.

Uwe-Matthias Müller kommt viel und gern nach Berlin. „Als Berliner auf Zeit geniesst man nur die Vorteile der Hauptstadt und kann die vielen Unzulänglichkeiten einfach ignorieren.“

Mit „Neulich in Berlin…“ erzählt UMM Erlebnisse und Eindrücke aus der Stadt, die sich selbst als arm aber sexy beschreibt.

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