Neulich in Berlin: Bildung für alle! (Die Geld haben.) – Ein Kommentar von Uwe-Matthias Müller in BZ-Nachrichten

Meine Heimatstadt, in der ich von 1956 bis 1996 lebte, ist Berlin. Bis 1989 Berlin (West). Zwei Jahrzehnte wohnte ich in Charlottenburg und Wilmersdorf, wo Berlin (West) so typisch war, wie sonst nur in Kreuzberg. Warum ich das erzähle? Weil ich damals sehr oft (!) die Gelegenehti nutzte, um ein paar Minuten in einem der Berliner Museen zu verbringen. Um eine Skulptur zu betrachten, Boote aus der Südsee zu studieren und davon zu träumen, damit selbst einmal durch die Inselwelt Polynesiens zu streunen oder zum 30. Mal mein damaliges Lieblings-Bild eines holländischen Meisters aus dem 17. Jahrhundert zu betrachten, um Neues zu entdecken. Das ging und war einfach, denn der Eintritt in die meisten Museen war kostenfrei.

Mir hat das Spaß gemacht, ich erinnere mich gern daran zurück.

Der „Minister-Bau“ der Staatssicherheit in Berlin

Neulich war ich in Berlin und hatte ein paar Stunden, die nicht mit Terminen mit wichtigen Damen oder Herren verplant waren. Also fuhr ich mit einem Freund mit der S-Bahn zum Bahnhof Frankfurter Alle in Friedrichshain, aß zur Stärkung eine hervorragende Curry-Wurst (Berliner Art des derzeit so populären Street Food) und spazierte durch die Rigaer Strasse (was ich mutig bis zur Leichtsinnigkeit fand) zum Stasi-Museum. Ich wollte mir mal ansehen, wie die DDR-Nachfolge-Organisation der Gestapo, die die ganze DDR mit einem dichten Spitzel-System überzogen hatte, „gewohnt“ hatte. Der Begriff ist übrigens gar nicht so falsch, denn eine Reihe der Büros der Stasi waren als Wohnhäuser getarnt. Jetzt aber zum Thema zurück: am Eingang des Museums angekommen, musste ich erst einmal 4,50 Euro für den Eintritt bezahlen. Zugegeben, 4,50 Euro kann ich mir noch leisten. Aber in Berlin gibt es auch noch ganz andere Preise: so kostet das Ticket für die Alte Nationalgalerie stolze 10,00 Euro.

Schreibtisch und Tresor von Stasi-Chef Erich Mielke

Freien Eintritt in die Staatlichen Museen zu Berlin haben nur Personen, die Transferleistungen erhalten und sich entsprechend ausweisen. Dazu zählen Empfänger von ALG II, Sozialhilfe, Grundsicherung oder Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz. Freien Eintritt in die Dauerausstellungen bieten die Staatlichen Museen zu Berlin weiterhin nur für Schüler im Rahmen betreuten Schulunterrichts, Studierende im regulären Vorlesungsbetrieb der Universitäten und Fachhochschulen in Begleitung von Dozenten, als ärztlich notwendig anerkannte Begleitpersonen von Schwerbehinderten, sofern im Schwerbehindertenausweis vermerkt, Besucher der Lese- und Studiensäle, Mitglieder des Internationalen Museumsrates und des Deutschen Museumsbundes und Inhaber eines Presseausweises. Mitglieder von Fördervereinen erhalten zu dem jeweiligen Museum kostenlosen Einritt, das von ihrem Verein gefördert wird.

Dann gibt es in Berlin noch eine Reihe von Museen, die generell keinen Eintritt verlangen (die Liste finden Sie im Internet auf der Seite Berlin.de: https://www.berlin.de/museum/eintritt-frei/).

Seien wir aber mal ehrlich: ein Kultur-Highlight in Berlin ist für eine Familie mit Normal-Verdienern nur zu besuchen, wenn das Unternehmen geplant wird und auf etwas anderes verzichtet wird. Und da setze ich an: warum gibt es diese Eintritts-Preise überhaupt? Warum verbauen oder erschweren die Museen den „Normalbürgern“, die nicht so viel Geld übrig haben, den Zugang zu unserem kulturhistorischen Erbe? Bildung ist mehr als der Schul-Besuch. Und wenn Bildung in Deutschland frei sein soll, dann sollte auch der Eintritt in Museen kostenfrei sein

Der Autor Uwe-Matthias Müller

Uwe-Matthias Müller ist Gründer und Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus. Bis 1998 hat er mit seiner Frau und den beiden Töchtern in (West-)Berlin gelebt. Heute lebt er in Bayern.

Uwe-Matthias Müller kommt viel und gern nach Berlin. „Als Berliner auf Zeit geniesst man nur die Vorteile der Hauptstadt und kann die vielen Unzulänglichkeiten einfach ignorieren.“

Mit „Neulich in Berlin…“ erzählt UMM Erlebnisse und Eindrücke aus der Stadt, die sich selbst als arm aber sexy beschreibt.

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