Neulich in Berlin: Demografie – wen interessiert’s? Jedenfalls nicht die Presse (von heute)! – Ein Kommentar von Uwe-Matthias Müller in BESTZEIT-PLUS

Ein guter Freund hat für mich eine Analyse und einen Tipp: 1. ich lese zu viel Zeitung. 2. ich soll mich nicht ärgern, wenn ich schon Zeitung lese. Hm, etwas schwer für mich. Denn mein „Morgen-Ritual“ sieht den Genuss von 1 oder 2 Espressi, die Leerung einer Karaffe mit stillem Wasser und eben die Lektüre von einigen Zeitungen (regional, national) vor. Den Genuss von Espresso mit Crema aber ohne Zucker habe ich schon eingeschränkt; Wasser muss sein, ist ja gesund … Und der Verzicht auf Tageszeitungen hätte – unter gesundheitlichen Aspekten – auch seinen Reiz.

Hier eine kleine Auswahl von heute, dann werden Sie verstehen, was ich meine:

  • Gebäude, Autos, Hecken angezündet: Polizei klärt Brandserie auf. Hier geht es um eine Brandserie in Lauingen an der Donau, über die die Augsburger Allgemeine berichtet. Über 30 Brände richteten einen Schaden von etwa 70.000 Euro an. Der Täter wurde wieder auf freien Fuß gesetzt, da keine Fluchtgefahr besteht.
  • Senatorin Breitenbach: Grundeinkommen: „Man darf Menschen nicht in Arbeit zwingen“. Hier geht es um die Frage, ob und wie in Berlin ein Grundeinkommen, das an Arbeit gekoppelt ist, eingeführt werden soll. Darüber berichtet die Berliner Morgenpost.
  • Praxisuntauglich: Videowagen fallen bei Polizisten durch. In Berlin gibt es mobile Videowagen. Die Kameras sind nicht 360 Grad schwenkbar. In vier Monaten filmten die Wagen nur 78 Minuten. In einem – in Zahlen 1! – Fall führten die Aufnahmen zu polizeilichen Ermittlungen. Ein Wagen kostet in der Anschaffung 170.000 Euro. Auch das berichtet heute die Berliner Morgenpost.
  • Hausbesetzer brauchen politische Unterstützung. Fordert in einem Gastbeitrag die Linken-Politikerin Katina Schubert. Der Gastbeitrag erscheint im Tagesspiegel, der den Gastbeitrag umkommentiert stehen lässt.
  • Pflegenotstand hat viele Ursachen.  Über den Fachkräftemangel in der Pflege und dessen Ursachen – zu geringe Bezahlung, zu große Belastung, zu wenig Anerkennung – berichtet der Tagesspiegel aus Berlin.

Jetzt kommt der „Knaller“. Bisher waren die Themen ja langweilig bis öde. Unwichtig, kaum lösbar. Da muss eine Partei, die es geschafft hat, von einstmals 61% Stimmenanteil auf 17% (aktuelle Umfrage-Ergebnisse) zu fallen, schon etwas tun, um Aufmerksamkeit zu erregen. Und das tut die SPD in Berlin. Am ersten Tag ihres Landesparteitages watscht sie ihren Landes-Vorsitzenden Müller (o je, nicht verwandt und nicht verschwägert mit mir, darauf lege ich größten Wert!) mit einem historisch schlechten Wahl-Ergebnis ab. Das Highlight des 2. Tages ist dann die Forderung:

  • Berliner SPD will feministische Pornos fördern. Eine Filmförderung für feministische Pornofilme hätte sowohl gesundheits- als auch gleichstellungspolitische Relevanz. So zu lesen im Tagesspiegel.

Ja, die Zitate dieser kleinen Presse-Schau stammen aus Bayern und der Bundes-Hauptstadt. Bitte aber nicht wieder über Trachtler und Schweinsbratenesser herziehen oder die abgestandenen ollen Kamellen über stille Örtchen (= BER) aufwärmen. Gleichwertige Zitate gäbe es auch aus anderen Bundesländern, Regionen, Städten. Denn die wichtigen Themen, die uns bewegen und über unsere Zukunft JETZT entscheiden, kommen kaum vor. Und dazu eben gehört auch das große, schwere Thema Demografie.

Leider.

Der Autor Uwe-Matthias Müller

Uwe-Matthias Müller ist Gründer und Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus. Bis 1998 hat er mit seiner Frau und den beiden Töchtern in (West-)Berlin gelebt. Heute lebt er in Bayern.

Uwe-Matthias Müller kommt viel und gern nach Berlin. „Als Berliner auf Zeit geniesst man nur die Vorteile der Hauptstadt und kann die vielen Unzulänglichkeiten einfach ignorieren.“

Mit „Neulich in Berlin…“ erzählt UMM Erlebnisse und Eindrücke aus der Stadt, die sich selbst als arm aber sexy beschreibt.


Artikel-Bild: Halina Zaremba, pixelio.de

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