Neulich in Berlin: Der Osten ist es wert! – Ein Kommentar von Uwe-Matthias Müller in BZ-Nachrichten

Ja. Es sind Fehler gemacht worden. Aber jammern ist nicht sexy, Und auch nicht nötig.

Wer nicht sieht und anerkennt, dass in der Zeit der Friedlichen Revolution, die sehr mutige Menschen in der DDR 1989 angezettelt hatten und in der Zeit danach viele Fehler gemacht wurden, ist entweder blind oder ignorant. Vieles ging zu langsam oder sogar schief. Versprechen wurden gebrochen, Erwartungen enttäuscht. Eine nicht geringe Zahl von Bürgern der ehemaligen DDR ist frustriert, fühlt sich abgehängt.

Und – war deswegen alles falsch? Ist ein ausreichender Grund vorhanden, alles in Frage zu stellen, gar „die Mauer“ wieder aufbauen zu wollen, nur 3 Meter höher? Wohl kaum. Eher ist es so, dass die Bürger in den Neuen Ländern sehr stolz auf sich und das Erreichte sein können. Es ist ihnen ja nicht alles geschenkt worden, sie haben hart daran gearbeitet, 60 Jahre Diktatur, Not und Elend der ausgehenden Weimarer Republik, der Nazi- und Sowjet-Herrschaft abgestreift, verarbeitet und ihr Land – mit Hilfe der oft besserwissenden Wessis – wieder aufgebaut. Schöner, funktionierender, blühender als es jemals zuvor war.

Darauf kann jeder stolz sein, der dabei war und mitgeholfen hat.

Nebenbei: wenn es sich die Koreaner zutrauen würden, die deutsche Leistung zu wiederholen, täten sie sich mit Plänen zur Wiedervereinigung der beiden Hälften der koreanischen Halbinsel vielleicht leichter.

Die Geschichte liebt es, sich gelegentlich in einem Satz, in einem Raum zu manifestieren. „Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört!“ ist so ein Satz. Willy Brandt sagte ihn am 10. November 1989 in Berlin.

Hier wurde Weltgeschichte geschrieben: Die Schreibstube von Martin Luther auf der Wartburg bei Eisenach

Die Schreibstube Martin Luthers auf der Wartburg bei Eisenach in Thüringen ist so ein Ort. In diesen vielleicht 15 Quadratmetern, an einem kleinen schlichten Holztisch, arbeitete der Reformator nicht nur an der Erneuerung der christlichen Kirche. Er schuf mit der deutschen Fassung der Bibel der breiten Mehrheit der Bevölkerung die Möglichkeit des direkten Zugangs zu Wissen. Und Wissen ist Macht, wie wir gelernt haben. Luther war „Ossi“, er wirkte in den heute so genannten „Neuen Ländern“. Und ich finde, jeder Bürger in unserem Land sollte einmal auf der Wartburg gewesen sein, um die Kraft der Worte selbst zu spüren.

Überhaupt bietet der deutsche Osten so eine reiche Vielfalt an landschaftlichen Schönheiten, traumhaften Städten, einzigartigen Museen. Dies gepaart mit den tatkräftigen Bürgern, die ja nicht alle jammern, sondern meistens auch sinnvoll und mit tollen Ergebnissen anpacken, könnte manche ökologisch fragwürdige Fernreise sparen und zu einem tragfähigen Einkommens-Pfeiler für Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen werden.

Zu wünschen wäre es. Und lohnen tut es sich allemal, für alle Beteiligten.

Der Autor Uwe-Matthias Müller

Uwe-Matthias Müller ist Gründer und Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus. Bis 1998 hat er mit seiner Frau und den beiden Töchtern in (West-)Berlin gelebt. Heute lebt er in Bayern.

Uwe-Matthias Müller kommt viel und gern nach Berlin. „Als Berliner auf Zeit geniesst man nur die Vorteile der Hauptstadt und kann die vielen Unzulänglichkeiten einfach ignorieren.“

Mit „Neulich in Berlin…“ erzählt UMM Erlebnisse und Eindrücke aus der Stadt, die sich selbst als arm aber sexy beschreibt.

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