Neulich in Berlin – Geht doch – von Uwe-Matthias Müller

Es gibt beides: Vorschriften und Spielräume. Wie man die anwendet und nutzt, hat auch viel mit Erfahrung, Service-Bereitschaft und Freundlichkeit zu tun. Wie es nicht sein sollte und wie es doch geht, habe ich neulich in Berlin erlebt.

Falsches Ticket! Und nun?

Eine Einladung zu einer Veranstaltung war für mich mit dem Geschenk einer Fahrkarte mit der Deutschen Bahn verbunden. Leider musste ich bei der Abholung in einem Service-Point der DB feststellen, dass auf der Fahrkarte falsche Reise-Tage vermerkt waren. Irgendwo war ein Fehler passiert. Meine Bitte um Änderung beschied der DB-Mitarbeiter sachlich und – ablehnend. Das könne er nicht und werde er auch nicht tun. Ich solle mich an den Veranstalter wenden.

In Berlin. Ich gehe in ein Reise-Zentrum der DB und – erhalte die gleiche Antwort. Nee, geht nich, der Nächste bitte…

Geändertes Ticket. Geht doch!

Am Abend noch ein Versuch in einem anderen Reise-Zentrum. Berlin hat ja viele Fernreise-Bahnhöfe – Hauptbahnhof, Nordkreuz, Ostkreuz, Südkreuz, Friedrichstrasse, Alexander-Platz, Zoologischer Garten… In diesem Reise-Zentrum treffe ich auf eine junge DB-Mitarbeiterin, Auszubildende, korrekt, freundlich, etwas unsicher. Eine Änderung sei nicht erlaubt, mein Hinweis auf meinen Vielfahrer-Status, die 1. Klasse der Tickets und den doch nur offensichtlichen Fehler fruchten nichts. Ich versuche es weiter bis sie aufsteht, mich einen Moment um Geduld bittet und zu ihrer Kollegin geht. Die ist ein Pracht-Exemplar der Generation 50Plus und hat das Herz auf dem rechten Fleck. Sie erklärt mir, warum eine Änderung nicht geht, ich erkläre ihr, dass es doch gar nicht möglich sei, den Veranstalter rechtzeitig um eine Änderung zu bitten, da der ja schon unterwegs sei und überhaupt die Veranstaltung ja schon in zwei Tagen beginne. „So? Da ham’Se recht. Dat jeht nich!“ sagt sie und schlägt vor, die Tickets für die Hin- und Rückfahrt zu ändern. Ich bin freudig einverstanden, dankbar und zufrieden und gehe mit meinen geänderten Tickets fröhlich in den Berliner Abend. Und: die Auszubildende hat von ihrer erfahrenen Kollegin lernen dürfen, wie man Vorschriften kundenfreundlich anwendet.

Det is Berlin. Schön iss et.

Uwe-Matthias Müller im 50PlusFernsehen

Die Kolumne „Neulich in Berlin“ können Sie auch sehen und hören. Uwe-Matthias Müller spricht im 50PlusFernsehen.

Der Autor Uwe-Matthias Müller

Uwe-Matthias Müller war neulich in Berlin.

Uwe-Matthias Müller wohnt in Bayern und ist Gründer und Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus. Bis 1998 hat er mit seiner Frau und den beiden Töchtern in (West-)Berlin gelebt.

Heute kommt Uwe-Matthias Müller viel und gern nach Berlin. „Als Berliner auf Zeit geniesst man nur die Vorteile der Hauptstadt und kann die vielen Unzulänglichkeiten einfach ignorieren.“

Mit „Neulich in Berlin…“ erzählt UMM Erlebnisse und Eindrücke aus der Stadt, die sich selbst als arm aber sexy beschreibt.

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