Neulich in Berlin: Seid nett zueinander! – Ein Kommentar von Uwe-Matthias Müller in BZ-Nachrichten

„Sich ärgern bedeutet meistens ein Büßen für die Fehler anderer.“ (Konrad Adenauer, Bundeskanzler). Ich gestehe, ich bin im Sinne des Alten aus Rhöndorf ein Büßer!

In unserer Gesellschaft spüre ich eine zunehmende Aggression. Ich wohne in einer kleinen Stadt in Bayern. Die Menschen grüßen einander und es herrscht eine grundsätzlich friedliche Stimmung. Wenn ich am Bahnhof in den Zug (einer privaten Betreiber-Gesellschaft) steige, begrüßt mich sogar der Schaffner. Wenn ich dagegen in Berlin im Bus der BVG meinen Fahrschein zeige und „Moin“ rufe, ernte ich bestenfalls erstaunte Blicke. Falls der Fahrer überhaupt aufschaut… Gehe ich allerdings „im Dorf“  zum Schauen eines Fussball-Spiels in die Gaststätte, in der das Spiel live gezeigt wird, schäme ich mich manchmal über die Häme, wenn ein Spieler des Gast-Vereins vom FCB gefoult wird. Und möchte mir am liebsten die Ohren zuhalten, wenn der Spieler des Gastvereins einen FCB-Spieler foult oder der Schiri eine unglückliche Entscheidung fällt. Unterirdisch, welche Laute dann ausgestossen werden, welche vulgären Flüche gebrüllt werden. Einfach unappetitlich.

Die neueste Erregung meines Ärger-Potentials stellen wildgewordene Radfahrer dar. Jeder Herkunft, jeden Geschlechts und (leider) jeden Alters. Die – aus meiner Sicht – Verkehrs-Idioten fahren – trotz vorhandenem Fahrradweg – auf dem Bürgersteig, mit großem Tempo in jede Richtung und drängeln mich als Fussgänger auf „meinem“ Fussgängerweg an den Rand oder – wenn ich nicht springe – „flezen mich von der Seite an“. Das kann noch heiter werden, wenn künftig sogar E-Roller mit bis zu 20 KM/H auf dem Bürgersteig fahren dürfen. Das jedenfalls will so Andreas Scheuer, der zuständige  Bundesverkehrsminister. Da kann die Regierung zur „Akquisition“ der Älteren die Renten erhöhen wie sie will. Wenn die Rentner von Zweirad-Tramplern umgefahren werden, werden diese Wähler sich an der Wahl-Urne nachhaltig bedanken.

Rechtlich ist das Verhalten der Zweirad-Protzer nicht OK, denn § 1 Strassenverkehrsordnung besagt:

    • Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
    • Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder, mehr als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Aber auch ohne Rechtsvorschrift: was bewegt Leute, sich falsch zu verhalten und dann noch die, die das stört und/oder beeinträchtigt aggressiv zu bedrängen? Ergänzen könnte ich meine Frage um die Stichworte Rettungsgasse, Gaffer, Gewalt gegen Sanitäter… Das ist nicht nur unverschämt sondern auch gedankenlos. Und wirft ein trübes Licht auf unsere Gesellschaft. Zwar wird öffentlich immer kleineren Randgruppen immer mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung zuteil. Wenn es dann aber um die gelebte Praxis der großen, schweigenden Mehrheit geht, dann herrscht das Gesetz des Stärkeren. Der Schwächere, der Kleinere, der Ältere werden beiseite geschubst nach dem Motto: „Hoppla, jetzt und zuerst komme ich!“.

Man muss ja nicht gleich esoterisch werden. Jeder hat auch mal eine schlechte Phase. Aber: Gemeinsinn, gutes Benehmen, Rücksichtnahme, Höflichkeit und ein Lächeln kosten kein Geld, nur etwas Mühe und Disziplin. Darum versuchen wir es doch einmal. Und wieder. Und wieder.

Meine Bitte an alle: „Seid nett zueinander!“.

Der Autor Uwe-Matthias Müller

Uwe-Matthias Müller ist Gründer und Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus. Bis 1998 hat er mit seiner Frau und den beiden Töchtern in (West-)Berlin gelebt. Heute lebt er in Bayern.

Uwe-Matthias Müller kommt viel und gern nach Berlin. „Als Berliner auf Zeit geniesst man nur die Vorteile der Hauptstadt und kann die vielen Unzulänglichkeiten einfach ignorieren.“

Mit „Neulich in Berlin…“ erzählt UMM Erlebnisse und Eindrücke aus der Stadt, die sich selbst als arm aber sexy beschreibt.

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