Neulich in Berlin: SPIEGEL und Fake News. Ohne jede Häme. – Ein Kommentar von Uwe-Matthias Müller in BZ-Nachrichten

Jetzt hat es das „Sturmgeschütz der Demokratie“ erwischt. Das selbsternannte Wahrheits-Organ der Bundesrepublik ist auf den Betrüger Claas Relotius hereingefallen, der das Magazin offensichtlich jahrelang mit gefälschten und sogar erfundenen Stories glücklich machte. Denn seine Geschichten brachten Auflage und Ruhm. Der „Journalist“ bekam schließlich auch viele Preise, die dann auch auf das Hamburger Nachrichten-Magazin Glanz warfen.

Nun ist die Blase geplatzt. Und das ist kein Grund zu Häme. Im Gegenteil. Es ist ein Alarm-Signal. Denn offenbar siegt auch im Journalismus immer öfter die Gier nach Auflage und damit Erträgen im Kampf um Recherche und Qualität. Es finden sich die Bürger bestätigt, die den Medien eh nicht mehr trauen und von „Lügen-Presse“ reden. Es gäbe wahrlich genügend Hinweise, Beispiele und Beweise die belegen, wie die (ebenfalls selbsternannte) Vierte Macht im Staate immer mehr an Niveau abbaut und den sozialen Medien und Algorithmen das Feld überlässt. In Zeiten, in denen das Leben komplexer zu werden scheint und viel mehr Menschen viel mehr Nachrichten aufnehmen können, wären Qualität und Einordnung wichtige Leitplanken für Journalismus. Wo diese Leitplanken fehlen, wird der – bezahlte – Journalismus schlicht überflüssig.

Den SPIEGEL ereilt nun das gleiche Schicksal, wie 1983 den Stern (mit den Hitler-Tagebüchern). Die Geschichte muss neu geschrieben werden. Es ist seit Jahrzehnten schon so, dass der SPIEGEL Kampagnen-Journalismus betrieben hat um seine Stellung für die Durchsetzung von politischen Zielen zu gebrauchen. Übrigens etwas, was er immer wieder der Springer-Presse vorgeworfen hatte…

Und nun? Der Ruf des SPIEGEL scheint vorerst ruiniert. Ob sich das Nachrichten-Magazin aus Hamburg von dem Fall Relotius erholen kann und wie rasch, ist abzuwarten. Es bleibt die Hoffnung auf Qualität, Recherche und Meinungs-Stärke in der Presse. Wenn die weiter „unter die Räder“ kommen, werden wir unsere Informationen künftig wohl nur noch von Algorithmen zugeteilt bekommen.

Schöne neue Welt…

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