Nur eine Frau. – Ein Kommentar von Dieter Hapel in BZ-Nachrichten

Ein mutiger Film ist in diesen Tagen in den Kinos angelaufen. Ein bedrückender, gar beklemmender Film über das Schicksal der nur 23 Jahre alt gewordenen Hatun Sürücü. Wir sehen Bilder Berlins und Bilder einer Parallelgesellschaft in unserem Land, in der das Patriarchat, die Tradition und die Religion mehr gelten als das selbstbestimmte Leben. Hatun Sürücü wollte ein freies, selbstbestimmtes Leben ohne Gängelung, Gewalt und Bevormundung führen. Sie liebte ihre Familie und erlitt brutale Gewalt durch ihre Brüder. Sie wurde zum Opfer eines sogenannten Ehrenmordes, weil sie Freiheit statt Unterwerfung wählte.

Dieser Film ist aber auch eine Anklage an unsere Gesellschaft, die unverändert bei Zwangsverheiratungen, Ehrenmorden und religiösem Fanatismus geduldige Milde walten lässt. Am Ende dieser Entwicklung stand die Ermordung, nein, die Hinrichtung von Hatun Sürücü. Unser Rechtsstaat hat das nicht verhindert. Wir haben versagt. Der Film zeigt beklemmend scharf das schlimme Schicksal dieser mutigen und jungen Frau. Ihr Schicksal darf sich an anderen Frauen mit Migrationshintergrund nicht wiederholen.

Wünschenswert wäre eine sensibler agierende Polizei, eine Stiftung mit dem Namen von Hatun Sürücü, um ähnlich bedrohten Frauen zu helfen. Und wünschenswert wäre eine Umtitelung des Films: „Eine mutige Frau“.

Der Trailer zum Film „Nur eine Frau“ in BZ-NachrichtenTV

Der Autor Dieter Hapel

Dieter Hapel, geboren 1951 in Berlin, legte die Verwaltungsprüfung für den gehobenen Postdienst ab und wurde Postinspektor. Seit 1975 war er zunächst Kommunal-Politiker und Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung des Bezirks Tempelhof in Berlin. Von 1981 bis 1997 war er Mitglied des Abgeordneten-Hauses des Land Berlin und Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion.

Von 1997 an war Dieter Hapel wieder in der Kommunal-Politik tätig. Zunächst als Bürgermeister von Berlin-Tempelhof, dann – nach der Verwaltungs-Reform der Berliner Stadtgliederung – des Bezirkes Tempelhof-Schöneberg. 2001 übernahm er das Amt des Bezirksstadtrats für Schule, Bildung und Kultur und war zudem stellvertretender Bezirksbürgermeister. 2011 kandidierte er nicht mehr als Stadtrat.

Hapel engagiert sich im Bundesverband Initiative 50Plus, der sich für die Interessen der über 50-jährigen einsetzt. Er leitet in Berlin das Hauptstadtstudio und ist für die Kontakte zur Politik, zur Wirtschaft und zur Wissenschaft zuständig.

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