Organspende geht jeden an. – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten

Ich bin froh, dass die Debatte wieder da ist.

Dass ich das Thema schon lange auf dem Zettel habe, weiß meine Leserschaft vom Artikel, der dazu bereits in den BZ-Nachrichten erschienen ist http://www.bestzeit-plus.de/organspende-ein-kommentar-von-renate-zott-in-bestzeit-plus/. Der Versuch, ein wenig Licht in eine Fragestellung zu bringen, bei der es reichlich Für und Wider gibt. Auch Letargie derer, die nicht betroffen sind.

Die Fakten stehen außer Frage: zu viele Menschen sterben auf der Warteliste. Und auch an den Zahlen hat nichts geändert: 769 Spender (2017) stehen über 10.000 Menschen gegenüber, die auf eine Organspende warten.

Traurig ist das. Verdammt traurig. Es ist, wie die Dinge und Probleme in unserem Land funktionieren: „WAS MICH NICHT BETRIFFT, DARUM KÜMMERE ICH MICH NICHT.“ Wir erleben das ja nicht nur in punkto Organspende. Umweltschutz wird auch wiederkehrend heiß debattiert und jeder weiß, dass sich etwas ändern muss. Nur keiner fängt mal vor seiner kleinen eigenen Haustüre damit an. Jedenfalls nicht, wenn ich den Müll sehe, der auf Frankfurts Straßen liegt. Nicht anders mit Demografie oder Rente und anderen wichtigen Themen. Das ist alles zu weit weg, betrifft vermeintlich zu wenig selbst. Krankheiten gehen einen zunächst mal nichts an, auch den Krebs haben andere.

Erst wenn der eigene Hals in der Schlinge steckt, können Dinge plötzlich wichtig werden. Stellt man sich nur mal einen Moment vor, selbst auf der Warteliste für eine Organspende zu stehen, fällt auf, wie zweitrangig und klein all‘ die Widrigkeiten werden, die Teil der Debatte sind. Also die Kliniken, die nicht gut genug funktionieren, organisatorische und strukturelle Probleme, fehlende Aktionspläne. Zudem Skandale mit gefälschten Krankenakten, um ausgewählte Patienten bevorzugt mit Organen zu versorgen. Daran darf es nicht scheitern! – würde jeder Betroffene sagen.

Schließlich geht es um Leben.

Ob ein „quasi-Zwang“ – also die Widerspruchslösung – das Mittel der Wahl ist, weiß ich nicht. Die angestoßene Debatte halte ich indes für sehr richtig und (gesundheitspolitisch) wichtig, denn es stellt sich die Grundsatzfrage, ob der Fisch vom Kopf her stinkt.

Ob also systemrelevante Faktoren ursächlich dafür verantwortlich sind, dass es mit dem Spenden nicht klappt. Dann sollte es mit einem neuen „Masterplan“ gelingen, Spendenbereiten auch das Spenden zu ermöglichen. Schwierig wird es, wenn es an den Menschen liegt, die nicht bereit sind, einen Organspendeausweis mit sich zu führen – eine Entscheidung scheuen oder sich einfach nicht kümmern. Sich der wenigen Mühe verweigern, mittels einer simplen Erklärung anderen Menschen Leben oder mehr Lebensqualität zu schenken. Zeigen doch Umfragen immer wieder, dass die Mehrheit der Menschen (80%) in Deutschland die Organspende befürwortet.

Wäre jammerschade, wenn es nur dazu reicht, sein Wort dafür einzusetzen. So ist es leider mit Worten, die so verdammt leer sein können. Da passt der Satz von Erich Kästner hervorragend: „Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es.“

Und damit meine ich nicht, dass jeder JA zur Organspende sagen muss. Auch ein NEIN kann gute Gründe haben. Nur ein VIELLEICHT reicht – mit oder ohne Bürgerpflicht – eben nicht aus.

Sollte die neuerliche Debatte also Wegbereiter für die eigene Entscheidung sein, dann hat sie sich schon gelohnt.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im BZ-NachrichtenTV:

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