Pflege: Ambulant vor stationär in der Pflege, ein gesetzlicher Auftrag

Die Feststellung der Pflegebedürftigkeit erfolgt nach Antrag – entweder mündlich, telefonisch oder schriftlich bei der zuständigen Krankenkasse.

Das Datum der Beantragung ist wichtig, da ab diesem Zeitpunkt, nach erfolgter Einstufung durch den medizinischen Dienst der kranken- bzw. Pflegekassen oder durch andere unabhängige Gutachter und zwar meist Zuhause ein entsprechender Leistungsanspruch auf Geld- bzw. Sachleistungen besteht.

Rund zwei Drittel der pflegebedürftigen werden derzeit von ihren Angehörigen Zuhause gepflegt.

Von Anfang an besteht ein Rechtsanspruch auf qualifizierte Pflegeberatung durch die Kranken- bzw. Pflegekassen. Grundsätzlich sollte man sich bei Pflegeeinrichtungen, Pflegeheimen und/oder Sozialstationen vor Ort direkt informieren. Die Pflegedienstleitungen kennen sich sehr gut aus und kommen direkt aus der Pflegepraxis.

Die direkten Angehörigen haben seit dem 01.01.2015 einen Anspruch von 10 Tagen Arbeitsverhinderung gegenüber dem Arbeitgeber im Rahmen des Familienpflegezeitgesetzes. Darin sind noch weitere Möglichkeiten vorgesehen, die eine Freistellung durch den Arbeitgeber bis zu 24 Monaten zulassen.

Diese Möglichkeit gilt, wenn die zu pflegende Person sich entweder in häuslicher Umgebung befindet oder ambulant-palliativ versorgt wird. Damit entsteht in den Firmen zukünftig bzgl. des Fachkräftemangels eine neue Herausforderung. Schwangerschaft und Pflegebedürftigkeit können für kleinere und/oder mittelständige Betriebe eine echte Herausforderung sein.

Die Gutachten des MDK oder anderer unabhängiger Gutachter legen die Pflegestufen zwischen I-III fest und stellen zusätzlich eine altersbedingte Einschränkung wie z.B. Demenz, Fähigkeitsstörungen, Behinderungen oder Erkrankungen, fest. Sie sollten sich von der Pflegekasse immer das Gutachten aushändigen lassen, damit eine persönliche Kontrolle stattfinden kann. Dabei hilft ihnen auch im ambulanten Bereich der Pflegedienst vor Ort.

Im Rahmen der Pflegeversicherung besteht ein Anspruch auf Grundpflege, wie Körperpflege, Ernährung oder Mobilität. Dabei ist es wesentlich, dass mindestens einmal täglich Hilfe notwendig ist und zusätzlich mehrfach wöchentlich Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung gebraucht wird. Das sind Leistungen nach SGB XI. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass die Notwendigkeit medizinischer Versorgung davon unabhängig von der Krankenversicherung nach SGB V übernommen wird, soweit medizinisch notwendig. Dazu zählen Verordnung von Medikamenten, Einreibungen, Verbände, Spritzen, Augentropfen und deren Verabreichung, soweit keine Familienangehörigen dazu in der Lage sind.

Neue, bzw. verbesserte Leistungen gibt es beim Anspruch auf Entlastungsleistungen, Verhinderungspflegeleistungen, Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Zusätzlich werden im ambulanten Bereich Tages- und Nachtpflegeleistungen, Kurzzeitpflegeleistungen, sowie Leistungen der Anschubfinanzierung zur Gründung von ambulant betreuten Wohngemeinschaften zur Verfügung gestellt.

Dieser Leistungsumfang umfasst den aktuellen Stand des Pflegestärkungsgesetzes I.

Die Anpassungen der Sach-, Geld- und Kombinationsleistungen in der ambulanten Versorgung, sowie die Möglichkeiten der Kombinationen werden in der nächsten Ausgabe erläutert. Vielen Beratern, Betroffenen und der Allgemeinheit sind die Vielzahl der Möglichkeiten nicht bekannt.

Der Autor ist Partner der auf Pflegevorsorgeberatungen spezialisierten Gesellschaft
www.Pflege-Finanzen.de. Über diese Internetseite können individuelle Informationen zur Pflegevorsorgeabsicherung angefordert werden.

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