Rente ist später. – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten

Absoluter Quatsch, denn jeder weiß, dass frühe Vorsorge nottut, wenn man im Alter insbesondere als Frau nicht zu den Armen zählen will.

Vielleicht ist es meiner Zeit als Versicherungsmaklerin geschuldet, möglicherweise wurde ich schon von meinen Eltern anders konditioniert, jedenfalls war für mich die persönliche Vorsorge schon als junge Frau ein Thema und kein Tabu. Spreche ich heute als junge „Alte“ mit anderen Frauen meiner Generation darüber, hat sich in den vielen Jahren nichts geändert. Das Thema ist lästig wie eine Steuererklärung, da will man nicht ran. Oft höre ich, „Mh, wird schon irgendwie reichen“.

Frauen haben also noch immer keine Lust, sich um die eigene Vorsorge zu kümmern. Darüber zu reden auch nicht. Noch weniger, die eigenen Zahlen unter die Lupe zu nehmen. Sie haben lieber einen Mann. Dabei wäre es gerade in der heutigen Zeit wichtig, die Finanzierung der 3. Lebensphase für sich selbst rechtzeitig zu planen, strategisch und konzeptionell anzugehen und zwar so früh und unabhängig wie möglich.

Es wird Zeit, die Scheuklappen zu öffnen – meint Renate Zott

Bei den Frauen meiner Generation herrscht wohl größtenteils immer noch die Meinung vor, dass es irgendwie reicht. Mit Mann oder Partner wohnt man in den eigenen, bezahlten 4 Wänden; das geht dann schon. Jedenfalls für die meisten. Über alles andere macht man sich Gedanken, wenn es soweit ist.

Und ich glaube, dieses „staatlich-versorgt-sein-Gefühl“ hat sich auch durch die Renten, die an unsere Eltern gezahlt wurden und werden, in die Köpfe gebrannt. Da waren/sind die Renten vielfach üppig. Lange hat man als Rentner weder Krankenversicherungsbeiträge gezahlt (bis 1985) noch Steuern (bis 2005). Zuzahlungen beim Arzt kannte man nicht. Dass der Staat schon lange keine „rund-um-sorglos-Rentenpakete“ mehr für uns schnürt, schreibt die Presse und kommt auch im Fernsehen. Es ist also kein Geheimnis, dass Männer im Schnitt 1.200 EUR und Frauen 700 EUR gesetzliche Rente bekommen. Im Bewusstsein ist diese unschöne Tatsache scheinbar noch nicht flächendeckend angekommen oder „Frau“ verleugnet still – das Thema ist heikel. Macht Angst.

Dass heute vor allem Frauen auch ohne dramatischen Lebenslauf Altersarmut droht oder bereits an der teuren Miet-Wohnungstür klopft ist auch Politikern bekannt und die große Frage ist doch: wie wird es für künftige Generationen aussehen? Nicht anders bei „weiter so“. Das wünschen sich zwar immer weniger Frauen, aber sie tun es trotzdem. Sie nehmen dann doch eine berufliche und unbezahlte Auszeit für die Familie und man kann es Ihnen auch nicht pauschal übelnehmen, denn vielfach sind die Arbeitgeber noch nicht wirklich bereit für eine moderne Rollen- und Aufgabenverteilung. Sie erwarten von Vätern, die Karriere machen wollen, vollen Einsatz und geben hochqualifizierten Müttern mit kleinen Kindern ungern adäquate Jobs. Ein weiteres Problem ist der Gender Pay Gap: 21% Einkommens-Differenz schaffen Frust, nicht Lust.

Man muss diese Hürden nicht als Hinderungsgrund sehen. Aber sie sind da und begünstigen, dass die praktizierte Lebensweise von Frauen irgendwann nicht mehr ihrem eigentlichen Lebensentwurf entspricht. Die Voraussetzungen in der Arbeitswelt stehen noch nicht auf Wandel, sondern immer noch auf Klischee – jedenfalls in unserem Land. Besonders von Nachteil ist in diesem Zusammenhang, dass Frauen damit den Männern weiterhin das Feld überlassen und viel zu wenig mitgestalten. Interessen lassen sich bekanntlich am besten vertreten und umsetzen, wenn man am Hebel sitzt. Frauen sitzen da immer noch zu selten.

Ich kann Frauen deshalb nur immer wieder ermutigen: seid nicht so demütig. Findet euch nicht ab mit der zweiten Reihe, sondern setzt euch an den Verhandlungstisch. Lasst euch nicht verunsichern, wenn die Frage im Raum steht, wie ihr Familie und Beruf unter einen Hut bekommen wollt. Und welcher Arbeitgeber stellt einem Mann überhaupt eine solche Frage? Ich finde, wir Frauen müssen uns einfach mehr trauen, enger zusammenrücken und noch selbstsicherer gegen Widerstände auftreten. Uns vielleicht auch Nachbarländer, die es besser machen, zum Vorbild nehmen.

Politik kümmert sich um Mehrheiten. Wenn also die Mehrheit will und einfordert, dass gleiche Löhne gezahlt und strukturelle Hürden beiseitegeschafft werden, dann besteht vielleicht eine reale Chance auf Veränderung. Auf Strukturen, die Männer und Frauen in der Gesellschaft und in der Arbeitswelt die gleichen Chancen und Risiken anbieten am Ende des Tages auch gleiche Renten nach einem gleich arbeitsreichen Leben.

Wir Frauen haben es verdient.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im BZ-NachrichtenTV:

 

Kommentar hinterlassen zu "Rente ist später. – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


%d Bloggern gefällt das: