Rentenerhöhung zum 1. Juli: Von jeder Rentenerhöhung profitiert der Fiskus – Die Altersvorsorge produziert immer mehr Verlierer

Am 1. Juli steigt die Rente: Um 2,5 % erhöht sich die gesetzliche Altersvorsorge in den neuen Bundesländern, um 2,1 % in den alten Ländern. „Wir wollen nicht Wasser in den Wein gießen: Aber jede Rentenerhöhung muss voll versteuert werden“, sagt Bernd Werner Vorstand der Lohnsteuerhilfe für Arbeitnehmer e.V., Lohnsteuerhilfeverein, Sitz Gladbeck. Und Uwe-Matthias Müller vom Bundesverband Initiative 50Plus fügt hinzu: „Wer genau hinsieht der erkennt, dass die gesetzliche Rentenversicherung als alleinige Altersvorsorge in immer mehr Fällen unzulänglich ist.“

Rente Geralt pixelio.de

Bild: Geralt / Pixelio.de

Welche Auswirkungen die Rentenerhöhungen auf der steuerlichen Seite haben, wird an zwei Beispielen aus der Praxis des Lohnsteuerhilfevereins deutlich: •

  • Eine Witwe aus den neuen Bundesländern hatte 2005 insgesamt eine Jahresrente von 24.475 € und musste 103 € Steuern zahlen. In 2014 erhielt sie durch die Rentenerhöhung eine Gesamtjahresrente von 28.006 €. Davon musste sie 519 € Steuern zahlen: 400 % mehr als bei Renteneintritt.
  • Ein Witwer aus den neuen Bundesländern hatte 2005 eine gesamte Jahresrente von 24.284 € und musste keine Steuern zahlen. In 2014 bezog er eine Jahresrente von 30.673 € und musste 867 € Steuern zahlen. Auch in diesem Beispiel war die Steuerzahlung durch die Rentenerhöhungen in den vorangegangenen Jahren bedingt.

„Es ist nicht nachvollziehbar, wieso Rentenerhöhungen voll besteuert werden. Auch die Steigerung der Abgaben um mehrere hundert Prozent im Laufe von neun Jahren versteht man nicht mehr“, sagt Bernd Werner. „Darüber hinaus verfehlt die gesetzliche Rentenversicherung an immer mehr Stellen ihr eigentliches Ziel: Man kann sich auf sie als alleinige Altersvorsorge nicht mehr zwangsläufig verlassen“, sagt Uwe Matthias-Müller vom Bundesverband Initiative 50Plus. „Was ist zum Beispiel mit den Menschen, die erkranken, berufsunfähig sind und nichts mehr zu ihrer Rente beitragen können?“ Von der aktuellen Rentenerhöhung profitierten die Betroffenen praktisch nicht. „Sie bekommen ja nur ein Drittel ihres Lohnes als Rente. An dieser Stelle hat die Politik das Risiko einfach privatisiert.“ Zwei Drittel der Haushalte seien nicht gegen Berufsunfähigkeit versichert. „Wer sich versichern will, wird dann oft mit eigenartigen Bedingungen konfrontiert: Dann muss ein Handwerker eine höhere Police zahlen und wer an Diabetes erkrankt ist, erhält gar keine Versicherung.“ Bernd Werner: „Ähnlich problematisch gestaltet sich das auch für andere Berufsgruppen. Immer mehr Menschen versuchen sich, mangels alternativer Arbeitsplätze, als Freiberufler beziehungsweise Selbständige durchzuschlagen. Gewiss sind viele nicht dazu in der Lage, für das Alter vorzusorgen.“ Diejenigen, die das Geld für eine zusätzliche Altersvorsorge aufbringen können, müssen in Zeiten der „Null-Zinsen“ um die Früchte ihrer Bemühungen bangen. Uwe-Matthias Müller: „Wir freuen uns natürlich für jeden, der von der Rentenerhöhung profitieren kann. Aber es wird immer deutlicher, dass die Verlagerung der Altersvorsorge in den privaten Bereich auch eine immer größere Zahl von Verlierern hervorbringt und so die Zahl der Altersarmen steigen lässt.“

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