Schifoan. – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten

Also für mich war und ist das bester Wintersport auf zwei Brettern 😊. Nach dem Frühstück rauf auf den Berg, die frische, kalte Luft inhalieren, die Bilder der verschneiten Bergwelt in sich aufsaugen.

Ich erinnere mich noch gut an die Einer-Sessellifte. Die Sitzfläche oft vereist oder voller Schnee und wenn du die eiskalte Stange vor den Bauch gedreht hast, drehte sich unten gleichzeitig die „Ablage“ für deine 2 Bretter mit ein. Gewackelt und geknirscht hat die eiserne Konstruktion; auch so manchen Zweifel aufkommen lassen, dich dann aber doch langsam und sicher nach oben jongliert. Auch Teller- und Bügellifte gab’s und die Schadenfreude war nicht wirklich klein, wenn’s einen raushaute…. Im Gegenteil: lachen bis der Bauch wehtat. Und übrigens haben wir es dem Deutschen Robert Winterhalter aus dem Hochschwarzwald zu verdanken, dass wir die Berge nicht mehr raufkraxeln müssen, denn der erfand vor über hundert Jahren den ersten Skilift der Welt.

Und später kam der Luxus: Mit beheizten Sitzbänken für mindestens 4 Personen, die nach dem Ausstieg automatisch hochklappten und Hauben zum Runterklappen. Schutz vor Schnee und Kälte. Doch um dem Massenandrang Herr zu werden, sind heutzutage große Kabinenbahnen an der Talstation Standard. Beim Einstieg herrscht Schulbusmentalität. Also rein in das Ding, koste es was es wolle. Rücksicht war gestern.

Aber zurück: mittags machte man auf der Hütte Rast. Also die von der alten Sorte aus massivem Holz, mit Holztischen und -bänken: einfach rustikal-gemütlich. An den Scheiben geraffte oder gerüschte Vorhänge aus rot-weiß-kariertem Stoff, an den Wänden Hirschgeweihe und ausgestopfte Jagdtrophäen. Zu Essen gab’s meistens Germknödel, Kaiserschmarr’n, eine Knödelsuppe, eine Brett’ljause und freilich auch eine Frittatensuppe. Gekocht wurde auf holzgefeuerten Öfen, alles hausgemacht. Und wenn ihr mich fragt: nirgendwo schmeckt ein Germknödel so gut wie auf der Hütte. Zu Hause fehlt es einfach an allem: an der Höhenluft, der Atmosphäre, dem Geruch von Kaminholz, den kalten Wangen und Händen und dem Schaben und Klackern der Skischuhe auf gefrorenem Schnee. Es gibt eben einfach Dinge, die man nicht verpflanzen kann.

Auch die Getränke sind schnell erzählt. Allen voran der Jagertee, oder ein Helles, an Heurigen, Almdudler oder ein Stamperl für den Magen – zum guten Schluss, versteht sich. Wer braucht schon eine Cola an Orten wie diesen?

Die Getränke anschließend „wegzubringen“ war nicht immer einfach. Rutschig und steil war die Angelegenheit zumeist, von dem ganzen Aus- und Einpacken der Skiklamotten ganz zu schweigen. Die Sauna im Skianzug inklusive. Egal, einen Heidenspaß hat es gemacht.

Anschließend ging’s wieder rauf auf die Piste, die einfach so war wie das Wetter. Mal vereist, mal frisch verschneit und vor allem im späten Frühjahr nachmittags oft furchtbar sulzig. 

Abends saß man zusammen, spielte – altmodisch analog – , lachte und erzählte sich die Geschichten von spektakulären (Fast-) Stürzen und bejammerte kollektiv die blauen Schienbeine von den schrecklich steifen Skischuhen. Ach, schön war das.

Skiaction, echtes Wintersportabenteuer geht heute anders. Ganz anders. Und das fast rund um die Uhr. Nachtrodeln, Skilaufen und Snowboarden unter Flutlicht, Fackelablauf – Tag und Nacht perfekte Bedingungen. Die Pisten kunstbeschneit und präpariert, egal wie das Wetter abseits der Pisten spielt.

Gerade macht es den Verantwortlichen sehr zu schaffen… zu viel vom weißen Gold ist auch nicht gut.

Trotzdem: funktionieren muss das Programm, schließlich hat man eine Menge für die Action bezahlt. Dazu gehört ohne Frage auch eine stabile Internetverbindung, wie sonst kann man den ganzen Spaß mit der Welt teilen. Und wohin überhaupt wedeln, wenn die digitale Skimap nicht geht?! Auch das „Einkehren“ ist nicht mehr, was es früher war. Hochmoderne Großgastronomie erwartet heute die Skihasen mit internationaler Speisen- und Getränkekarte. Nichts mehr, was es nicht gibt, nur nicht den holzgefeuerten Ofen. Dazu WC-Anlagen im XXL Format mit Zugängen über Rolltreppen – die Betreiber denken wirklich an alles. Auch an jene, die Nervenkitzel de Luxe brauchen. Freeride nennt sich das dann. Dazu warten in unberührter Tiefschneelage Snowparks mit aufregenden Pipes und abwechslungsreichen Hindernissen auf spektakuläre Stunts.

Wie schön, dass den Abenteuerhungrigen die ultimative Action nur mit Sicherheitsausrüstung (Helm, Sonde, Schaufel und Lawinensuchgerät!) empfohlen wird. Und an noch was sollten die mutigen Freerider denken: die Notrufnummern. Wenn die dann mal funktionieren…

Wohlwissend um die normale Gefahr – um die wohl spätestens seit dem Skiunfall von Michael Schuhmacher jeder weiß – bleibe ich meinen Brettern und dem traditionellen Skifahren treu. Fahre tags auf Pisten, schlafe nachts wie ein Murmeltier und freue mich wie eine Schneekönigin, wenn ich in einer der übrig gebliebenen, gemütlichen Skihütten einen selbstgemachten Germknödel und einen Jagertee trinken kann.

Wie sagt es Helmut Muthers in seinem Buchtitel so treffend: Mit 50 ist man alt… genug, um zu wissen was man kann und will. Und ich will einfach nur Schifoan. In diesem Sinne allen Anhängern dieses leiwaundsten (übersetzt: großartigen) Wintersports: Ski heil! Besonders in Zeiten wie diesen.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im BZ-NachrichtenTV:

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