Tick, Tick, Tick – die Uhr läuft ab – Senioren zunehmend in Gefahr. – Ein Kommentar von Sascha Rauschenberger in BZ-Nachrichten

Junge Menschen, vor Kraft und Dynamik strotzend, können sich kaum vorstellen, welche Veränderung das Alter mit sich bringt. Nicht mit 70. Es beginnt schon früher, so ab 40. Plötzlich – und ohne jede Änderung, egal ob Ernährung, Bewegung oder sonst was – nimmt man allein gewichtsmäßig zu. Kann nicht mehr wochenlang die Nächte durchmachen. Und einst so beliebte Getränke, die man mit Mitte 20 fast schon literweise in sich reinkippen konnte, verursachen nun plötzlich Kopfschmerzen und Übelkeit. Man ist nicht mehr so schnell. Egal ob man mal eben zum Pommesbude rennt oder alte 5000-Meter-Rekorde toppen will. Schon gar nicht mal eben so. Auch das Lernen fällt zunehmend schwerer. Das Konzentrationsvermögen nimmt ab. Dafür aber das Beharren auf dem, was man weiß zu wissen. Die Flexibilität nimmt ab. In den Gelenken, Sehnen und auch den Einstellungen an sich. Neues wird ungern angenommen, da es all das bedroht, was man weiß, gewohnt ist und das in seiner Routine auch bis ins hohe Alter dann noch beherrschbar ist. Ein Gefühl für die Lebenswelt von älteren Menschen ist so ein Simulationsanzug, der die Einschränkungen des Alters nachvollziehbar macht. Eingeschränkte Bewegungsfreiheit, zusätzliches Gewicht und mit der passenden Brille dann auch die Verschiebung des Blickwinkels. Ohrenstopfen dämpfen alle Geräusche weiter ab. Nach nur fünfzehn Minuten hat man die Schnauze voll. Anfangs lustig dann zunehmend… belastend. Man freut sich da wieder rauszukommen. Tut es auch. Senioren können das aber nicht und es wird Tag für Tag schlimmer.

BZ-NachrichtenTV: So fühlt sich für junge Menschen das Alter an

Im demographischen Wandel trifft das jetzt massenhaft auf immer mehr Menschen zu. Trotz aller medizinischen Hilfe, wissenschaftlichem Fortschritt und besserer Ernährung, die die Lebensumstände verbessern konnten, und die Lebenserwartung ständig nach oben schraubten, altert man doch. Unaufhörlich. Unwiederbringlich…

Tick, Tick, Tick. Die Uhr läuft. Läuft ab.

Die Bewegung im Straßenverkehr, der immer hektischer, unübersichtlicher und auch ein Stück rücksichtsloser wird, wird gefährlicher. Als Fußgänger aber auch als Fahrer. Die Statistik zeigt, dass ältere Verkehrsteilnehmer seltener in Verkehrsunfälle verwickelt sind als jüngere Fahrer. Sie fahren ihren Fähigkeiten angemessener. Doch wenn sie in Unfälle verwickelt sind, dann sind diese meist… spektakulär. Und mitunter dann auch tödlicher. Eingeschränkte Wahrnehmung, langsameres Reaktionsvermögen und auch dadurch steigender Stress in schwierigen Situationen fordern ihren Tribut.

Und das trifft dann auch auf Senioren zu, die auf den Gehwegen zunehmend Fahrradfahrern, Skatern und anderen Gestalten begegnen, die das Wort Gehweg mit Straße verwechseln oder diese meiden, weil sie die für zu gefährlich – für sich – halten. Das zeigt einerseits, wie sich dort dann Senioren als Fahrer fühlen aber auch, dass sie aus Egoismus dann auf dem Gehweg selbst zum Rowdy gegen „PS-Schwächere“ werden. Gewollt, bewusst oder schlichtweg gleichgültig agierend. Der Oma mit dem Rollator, dem Opa mit der Krücke oder auch der schleichenden Rentnergruppe kann leicht ausgewichen werden. Und je schneller man ist, desto weniger können diese lahmen Gestalten einem unverhofft in die Quere kommen, eben weil sie so langsam sind. Der Zeit-Raum-Relation muss auf der Bewegungsachse durch pure Geschwindigkeit zum logischen Sieg verholfen werden. Gern durch freundliche Warnung lauthals unterstrichen: „ACHTUNG!“, „Vorsiiiicht!“ oder schlicht „Platz da!“.

Nun auch durch das Element E-Roller bereichert, deren Kleinsträderchen jede Unebenheit ihren ach so fähigen, dynamischen und allwissenden Fahrern nichts verzeihen. Der angerempelte, umgefahrene Senior auch nicht. Zumal die Knochen Älterer leichter brechen dafür aber schwerer zusammenwachsen. Gottlob gibt es künstliche Hüftgelenke. Ist Routine. Also: „SO WHAT??“

Dann die Tatsache, dass Senioren gern auch mal Opfer von Kriminellen werden. Abgezockt werden, wie es neudeutsch heißt. Früher drängte sich gern mal „fahrendes Volk“ mit Teppichen in Wohnungen, um schnell mal „Maß zu nehmen“ wo der Teppich denn gut hinpasst. Dann kamen die Versicherungsvertreter mit diversen Angeboten, wie die vorteilhafte Lebensversicherung für Siebzigjährige. Von Telefontricks, wie die „Enkelmasche“, die gerade wieder in Nordhessen akut ist, ganz zu schweigen. Gern auch Opfer von originellen „Telefonberatungen“, Telefonzusammenschnitten und oder der „JA“-Masche, was dann immer teuer wurde. Die Schwachpunkte von Senioren jeweils bewusst ausnutzend.

Mit zunehmender Digitalisierung kommt aktuell auch noch die Online-Kriminalität dazu. Dass ältere Senioren ihre Soft- und Hardware „State of the Art“ halten, kann bezweifelt werden. Andererseits sind sie zunehmend auf Online-Dienste angewiesen. Banken schaffen Filialen ab. Lieferservice hat Vorteile für Senioren, setzt aber auch IT voraus. Und natürlich werden Senioren genauso mit diversen Mails bombardiert, die wir auch kennen und natürlich immer, unbedingt und sofort öffnen! „Rechtsanwalt: letzte MAHNUNG!“, „WARNUNG – Ihr Account wird gelöscht, bitte bestätigen Sie Ihre Daten HIER!“ und dann der Klassiker: „Ihre Bankdaten müssen aktualisiert werden. – Hier in nur drei Schritten…“ Alles kein Problem, wenn Kinder und Enkel regelmäßig zu Besuch kommen und nachsehen. Oder alle paar Tage mal anrufen. Machen wir doch alle gerne. Oder man wird von Papa, Mutti und Opa angerufen, wenn etwas nicht stimmt, da diese ja wissen, wie gern wir alle immer und sofort für sie da sind. Alterseinsamkeit gibt es in Deutschland nicht. Und natürlich versuchen unsere Senioren allein klarzukommen, damit sie bloß keiner besucht… In Zeiten von KIs sind kaum oder wenig geschützte Accounts wie Leuchttürme für alle, die offene Türen suchen. Dann auch völlig automatisiert und sekundenschnell gefunden. Natürlich gibt es auch lohnendere Ziele, aber andererseits kann so eine KI die Stimme des Enkels am Telefon wunderbar duplizieren, soweit man eine Sprachaufzeichnung gekapert hat. Firewall auf dem Handy? Sollte besser sein – hat nur kaum einer.

Und wieder läuft die Uhr mit. – TICK, TICK, TICK…

Und dann ist da noch etwas, was wirklich unschön ist. Zunehmend werden Senioren auch andersartig zu Opfern. Zu Opfern in Sachen, die früher ausgeschlossen waren. Fast schon unbekannt. Es gab sie. Klar. Aber eher als Randerscheinung. Als Einzelfall. Wirklicher Einzelfall.

Nachdem wir nun 1,8 Millionen Schutzsuchende im Land haben, jährlich um mindestens 200.000 verstärkt, kommen hier, gerade in Ballungszentren, neue Bedrohungen auf. Der viel zu oft rein männliche Zuzug, meist auch ohne relevante Bildung und Ausbildung, schafft am unteren Ende der Einwanderer-Skala gewisse Befindlichkeiten monetärer Art. Die Masse hat sich ein Leben im verheissenen Paradies anders vorgestellt als hier in der Wirklichkeit wieder auf dem Abstellgleis zu landen. Nur diesmal den Reichtum, den Wohlstand und unerfüllbare Wünsche stets und überall vor Augen. Das schafft Frust, Hass und dann auch den Wunsch, sich zu bedienen. Und hier trifft dieser Wunch auf die zunehmende Anzahl von Senioren, denen es noch (!) durchaus gutgeht, gewisse Handlungsstrategien zu entwickeln, um „Zusatzeinkommen“ möglich zu machen. Und das fast ohne Strafe befürchten zu müssen. Sogar mit gestelltem Anwalt!

Senioren können kaum Widerstand leisten. Sie sind physisch oft hilflos, auch wenn sie psychisch Widerstand leisten können. Angriffen auch mutig trotzen. Nicht so schnell aufgeben. Letzteres hat dann meist schwere Verletzungen zur Folge. Halt eine Generation, die für das, was da ist, gearbeitet hat. Nur ist auf den Rollator gestützt Kung Fu eher unwahrscheinlich, auch wenn der schwarze Gürtel mit drittem Dan daheim irgendwo in der Schublade liegt. Als Erinnerung daran, dass es auch mal anders war. Als man jünger war. Kämpfen wollte und noch konnte.

Das trifft auf Frauen zumeist schon nicht mehr zu. Viele erfahren den Unterschied zu früher gerade auch schon in jungen Jahren. Meiden Parks, Bus&Bahn nach 22.00 Uhr oder gehen kaum noch im Dunkeln vor die Tür. Sicherheit war stets relativ. Nun ist sie oft beliebig geworden. Und die fast ausschließliche Zuwanderung von „jungen Männern“ schafft hier auch neue Bedürfnisse. Selbst wenn man(n) aus Kulturen kommt, wo es schmerzhaft und tödlich endet, eine Frau auch nur zu lange aus Augenwinkeln heraus anzuschielen. In Düsseldorf wurde eine Seniorin in ihrer Wohnung überfallen. Nicht zum eigentlichen Raub von Wertgegenständen. Das war nachher ein Zugewinn. Beifang würde ein Fischer sagen. Bis zu dem Tag hätte sie nicht geglaubt ein Vergewaltigungsopfer werden zu können. Nicht mit Neunzig (90!!!). Vom Alter her war das bisher ein Einzelfall. Nur nicht von der Anzahl.

Auf Regionalebene kann man das nun zunehmend lesen. Muss sich nur die Mühe machen mal die Regionalnachrichten einzeln aufzurufen. Senioren werden beraubt, erpresst, geschlagen und missbraucht. Und das mit zunehmender Tendenz, weil halt die wehrlosesten Opfer. Die einfachste Beute, auch für dynamisch „junge Männer“, die vor Krieg und Verfolgung hierher geflohen sind. Natürlich heißt das nicht, dass alle diese „jungen Männer“ Kriminelle sind. Das wäre schlicht rechte Propaganda und ein Fake. Nur zeigt die an sich schon beschönigte Polizeistatistik hier gewisse Tendenzen auf, die trotz aller Kreativität bei Erfassung und Zuordnung dennoch nach oben zeigt. Überproportional mit dem Hang zu exponentiell.

In zehn Jahren werden Millionen Bürger, die jetzt noch arbeiten, in Rente sein. Bis zu zehn (10!!) Millionen Rentner sind ohnehin schon von Altersarmut (HIER) gefährdet. Kämpfen dann täglich den Kampf, der anderswo schon bei „DEN TAFELN“ endete und auch dort in versuchter Verdrängung ausartete. Das wird dann auch Einfluss auf das haben, was Zuwanderer von uns rein wirtschaftlich erwarten können. Und das wird wahrscheinlich eher weniger sein als bis jetzt gewährt. Der Bedarf an Zusatzmitteln für diese Personen wird also steigen. Und bei momentaner rechtlicher Lesart werden dann 2.000.000 Menschen mehr da sein, die kaum Chancen in dem haben, was da Wirtschaft 4.0, New Work oder auch nur Familie heißt. Letzteres dann auch dem Umstand geschuldet, dass es keine Frauenquote bei der Zuwanderung gibt. Schon komisch, wenn man darüber nachdenkt, dass Frau Alice Schwarzer mit ihrer „EMMA“ das noch nicht erkannt hat. Obwohl auch selbst schon deutlich in die Jahre gekommen. Vielleicht auch ein Beweis dafür, dass selbst die streitbarsten Personen im Alter… nicht mehr so können.

Und die Uhr läuft weiter… TICK, TICK, TICK.

Unsere Senioren sind durch das, was wir aktuell hier als Freiheit, Lebensgefühl, Toleranz und Gerechtigkeit ansehen gefährdet. Und alle, die jetzt über Fünfzig sind, steuern auch auf diese Zeitfalle zu.

Der Roman (und dann auch der herrliche Film) „Der Club der toten Dichter“ mündet in dem Satz „Nutze die Zeit“. Der Lehrer riet es den Schülern, damit sie ihr Leben wirklich für das nutzen, was ihnen wichtig und wertvoll ist. Solange die Uhr noch für sie läuft. Das „TICK, TICK, TICK“ habe ich diesem Roman entnommen.

Nur für uns im Hier und Jetzt ergibt sich eine andere Botschaft: Nutze die Zeit, solange sie für dich läuft und achte auf die, die sie gegen sich haben (werden). Denn sie läuft für immer mehr nur noch ab! – Tick, Tick, Tick.,…

P.S.: Der Reporter (hüstel…) Claas Relotius hatte Recht, als er seine märchenhaften Erzählungen mit Musik untermalte. Bei mir lief als Schleife Edvard Grieg, als meine Uhr tickte: Peer Gynt, Suite 1 (op.46).

Der Autor Sascha Rauschenberger

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Sascha Rauschenberger, geboren 1966 in Wattenscheid, ging nach dem Abitur zur Bundeswehr, wo er als Panzeraufklärer und Nachrichtenoffizier Dienst tat. Er diente, unter anderem als Reservist, in vier Auslandseinsätzen, zuletzt als Militärberater in Afghanistan.

Seit 2000 ist er als Unternehmensberater im Bereich Projektmanagement und Arbeitsorganisation (Future Work) tätig.


Fotoquelle: Yusuf Simsek: „Das Ende der Kuschelzeit“ http://simsek.ch/

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