Verluste aus P&R-Pleite, was nun?

Bereits seit März 2018 reißen die Hiobsbotschaften zur Insolvenz der P&R Unternehmensgruppe nicht ab. Die P&R Unternehmensgruppe legte Direktinvestments in Schiffscontainer auf. Der Anleger sollte hiernach Eigentum an einem von der P&R Gruppe verkauften und von dieser verwalteten Schiffscontainer erwerben. Diese Anlage wurde als vermeintlich sichere Sachanlage vornehmlich an Senioren vertrieben, wie im Bericht des Manager Magazins vom 5.9.2018 (https://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/p-r-gruender-heinz-roth-wappnet-sich-schon-fuers-gefecht-a-1226456.html) zu lesen ist. Im April 2018 wurde zunächst das vorläufige – im August dann das endgültige -Insolvenzverfahren über das Vermögen der P&R Container Leasing GmbH, der P&R Container Vertriebs-und Verwaltungs GmbH, der P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs GmbH, der P&R Transport-Container GmbH und der P&R AG eröffnet. Betroffen hiervon sind rund 54.000 Anleger.

Im Oktober 2018 fand in der Olympiahalle in München die Gläubigerversammlung statt. Dort wurden von dem Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaffé die bereits bis dahin schon laut gewordenen Gerüchte bestätigt, wonach es sich um ein mutmaßliches Schneeballsystem handelt und weit mehr Container verkauft worden sind, als tatsächlich ursprünglich im Eigentum der P&R standen. Es geht um einen Fehlbestand von rund 1 Million Container. So hatte die P&R rund 1,6 Millionen Container verkauft, tatsächlich existieren jedoch nur 618.000 Container. Der Schaden beläuft sich für die Anleger auf rund 3,5 Milliarden EUR.

Gegen den Firmengründer der P&R, Heinz Roth, wurde seitens der Staatsanwaltschaft München nunmehr Anklage erhoben wegen gewerbsmäßigen Betruges in 414 Fällen, wobei lediglich ein relativ geringer Schadensbetrag von 18 Millionen EUR zur Anklage kam, wie die Wirtschaftswoche in ihrem Bericht vom 7. Februar 2019 mitteilte (https://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/betrugsskandal-staatsanwaltschaft-erhebt-anklage-gegen-pundr-firmengruender-roth/23960888.html).

Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren des Initiators Roth?

Auch über das Vermögen des Initiators Heinz Roth wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Insolvenzforderungen können bis zum 18.4.2019 bei dem Insolvenzverwalter, Herrn Rechtsanwalt Miguel Grosser, Franz-Joseph-Straße 8, 80801 München angemeldet werden. Für die Forderungsanmeldung kann es sinnvoll sein, sich von einem Anwalt vertreten zu lassen, da dieser die Begründung für die Forderungsanmeldung liefert.

Für die Anleger stellt sich die Frage, ob eine solche Anmeldung sinnvoll ist und was passiert, wenn die Frist versäumt wurde.

Nach dem Bericht der Wirtschaftswoche vom 7. Februar 2019 beziffert Roth sein Privatvermögen laut einem Gutachten des Insolvenzverwalters der P&R auf 10 bis 13 Mio. EUR, demgegenüber stehen – nach dem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 7.3.2019 (https://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/sparen-und-geld-anlegen/insolvenzverfahren-gegen-p-r-gruender-roth-eroeffnet-16077180.html)-Verbindlichkeiten von mehr als 1 Milliarde EUR, sodass für die P& R-Anleger allenfalls eine Quote von weniger als einem Prozent zu erwarten sei. Anleger, die ihre Schadensersatzforderung wegen einer unerlaubten Handlung, nämlich eines Betruges, zur Tabelle anmelden wollen, sollten daher nicht damit rechnen einen großen Teil ihres Schadens ersetzt zu erhalten, allenfalls kann mit einer nur geringen Zahlung gerechnet werden.

Soweit die Frist zur Anmeldung bis zum 18.4.2019 verpasst wurde, so ist auch danach noch eine Forderungsanmeldung möglich. Der Prüfungstermin für die Insolvenzforderung wurde auf den 6.6.2019 bestimmt. In diesem Termin werden auch Forderungen geprüft, die nach Ablauf der Anmeldefrist angemeldet wurden. Widerspricht jedoch der Insolvenzverwalter oder ein Insolvenzgläubiger der Prüfung der Forderung, die nach Ablauf der Anmeldefrist angemeldet wurde, so kann ein weiterer Prüftermin notwendig werden, der dann auf Kosten der säumigen Gläubiger durchgeführt wird. Dies dürfte jedoch der Ausnahmefall bleiben.

Schadensersatzforderung gegen Anlageberater- oder Anlagevermittler

Der Insolvenzverwalter der P&R stützt sich auf eine Entscheidung des Landgerichts München, welche mittlerweile rechtskräftig ist, wonach die Anleger kein Eigentum an den Containern erworben haben, da es an dem für die Übereignung erforderlichen Bestimmtheitsgrundsatz fehlt.

Eine fehlerhafte Aufklärung des Anlageberaters-oder Anlagevermittler hierüber wird sich jedoch nicht wirksam herleiten lassen. Für eine Aufklärungspflicht fehlt es nämlich an der Kenntnis dieses Problems, welches selbst für Juristen nicht ohne weiteres auf der Hand liegt.

Gleiches gilt für die Tatsache, dass nunmehr bekannt wurde, dass nur ein geringer Teil der verkauften Container überhaupt existiert. Eine Kenntnis des Anlageberaters oder des Anlagevermittlers von dem Schneeballsystem dürfte für den Anleger praktisch kaum nachzuweisen sein.

So titelte das Handelsblatt in seinem Bericht vom 10.3.2019, dass bei Anlegerklagen häufig der Berater vor Gericht siege (https://www.handelsblatt.com/finanzen/steuern-recht/recht/pundr-pleite-bei-aufarbeitung-des-pundr-skandals-siegen-haeufig-makler-vor-gericht/24081492.html?ticket=ST-395798-H4vhVtPRDTfDDPMGep57-ap2 ).

Eine Klage des Anlegers gegen den Berater kann jedoch dann erfolgreich sein, wenn eine eingehende Sachverhaltsaufklärung ergibt, dass der Berater die Risiken der Anlage falsch dargestellt hat und damit die Risikobeschreibung im Prospekt entweder entwertet hat oder den Prospekt gar nicht erst übergeben hat. Kann diese Falschberatung entweder durch einen schriftlichen Beweis, etwa durch einen Vermerk im Beratungsprotokoll oder in einer Niederschrift des Beraters oder aber durch einem glaubhaften Zeugen bewiesen werden, dann hat auch eine Schadensersatzklage gegen den Anlageberater Aussicht auf Erfolg.

Wenn ein Anleger Schadensersatzansprüche geltend machen möchte, ist es sinnvoll, wenn er sich hierzu an einen hierauf spezialisierten Rechtsanwalt wendet.

Die Autorin Dr. Tamara Knöpfel

Dr. Tamara Knöpfel ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht und Versicherungsrecht in Berlin. Sie ist seit 2005 als Rechtsanwältin tätig.

Frau Dr. Knöpfel berät und vertritt private und institutionelle Kapitalanleger bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche bei gescheiterten Kapitalanlagen. Dabei ist die Einarbeitung in die Funktionsweise unterschiedlicher Kapitalanlagemodelle ihre Leidenschaft und garantiert den größtmöglichen Erfolg bei der Durchsetzung von Ansprüchen. Denn nur wenn klar ist, wie die Anlage konzipiert worden war und herausgearbeitet wurde, welches Problem zu deren Scheitern führte, kann beurteilt werden, ob eine Aufklärungspflichtverletzung zum Abschluss der Kapitalanlage durch den Anleger geführt hat.

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