Was ist Heimat?! – Auf der Suche nach Antworten. – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten

Frankfurt 09.10.2016 Casting zur Miss 50 Plus Germany in der Kosmetikschule SchŠfer in Frankfurt. Diese Ladies wolle Miss Germany werden: Renate Zott Foto: Vincenzo Mancuso

Auf den ersten Blick ein „schweres“ Wort, finde ich jedenfalls.

Vermutlich, weil es in meinem Kopf erstmal Chaos verbreitet und in meinem Bauch ein seltsam komisches Gefühl ausgelöst hat. Ein bisschen so, als würde ich einen alten Kaffeefilter – also das schöne antike Ding aus Porzellan, in das man eine Filtertüte mit Kaffeepulver einsetzte – mit all‘ meinen spontanen Assoziationen füllen. Raus kam aber kein gefiltertes Ergebnis, sondern eine Brühe, die auch nicht näher definiert war und zu allem Überfluss bräunlich verfärbt. Alles in allem wenig hilfreich auf meiner eigenen Spurensuche – also wegschütten; nächster Gedanke.

Seitdem Heimat politisiert wird und wir sogar ein Heimatministerium haben, wird einem das Wort zunehmend aufgehalst und man kommt eigentlich nicht umhin, mal zu hinterfragen, was es damit auf sich hat. Bei meinem Versuch, Antworten zu finden, habe ich ein paar Menschen befragt. Also nicht über Facebook und vermeintlich vorgefilterte „Sinnesgenossen“, sondern Auge in Auge, einfach so. Dass keiner von ihnen mit einer handfesten Erläuterung daherkam wunderte mich nicht. Immer waren es Worte, die Gefühle beschreiben, aber in der Summe kein klares Bild abgeben, wie das, was man von einer Definition erwarten kann. Ich halte fest: sehr persönlich und individuell, was Menschen zu dem Wort >Heimat< in den Kopf kommt, aber niemals politisch – so das Ergebnis der von mir Befragten, mich eingeschlossen.

Und trotzdem, was ist also Heimat?

Frankfurt – die Mischung macht’s

Ich skizziere mein Verständnis davon. Um mir klar darüber zu werden, lag es für mich am nächsten, Heimweh zu suchen, um zu wissen, wo und was warum meine Heimat ist. Aus der Ferne wird mir bewusst, was es für mich bedeutet und dass der Begriff für mich mehrere Dimensionen hat. Zu allererst eine räumliche und kulturelle. Während ich also in New York zwischen den Wolkenkratzern stehe und mich vom bunten Treiben und der Faszination dieser Stadt ganz einnehmen lasse frage ich mich, ob diese Stadt meine Heimat werden könnte. Ich reise zurück. Meine Gedanken verlassen das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und kehren zurück nach Deutschland und eigentlich nach Frankfurt. Für diesen Ort spüre ich Heimat. Es ist dort, wo meine Wurzeln sind, wo ich weiß, wie das Leben funktioniert. Vertrautheit geht von diesem Ort aus, auch Verbundenheit und eine gefühlte Sicherheit, die vielleicht keine ist, aber sich dennoch in mir breitmacht. Man weiß, wie die Menschen ticken, wo und wie Dinge organisiert sind, was man darf und was nicht. Kompliziert ist es manchmal, aber doch bekannt. Hier in New York wirkt alles neu und fremd und ist als Heimat so nicht vorstellbar. Und an genau diesem Punkt kommt eine weitere Dimension dazu, nämlich die soziale. Was soll ich um himmels willen an einem Ort, wo ich keinen kenne – so mutterseelenallein? Könnte ich dort meine Zelte zum Beispiel für einen Job aufschlagen? Ja, ich glaube, das könnte ich. Mich auf eine mutmaßlich spannende Zeit einlassen, etwas Neues wagen, mit einer Sicherheit und meinem Mann im Rücken. Und doch wäre es nicht mehr als ein neues Heim, ein zu Hause auf Zeit aber noch lange nicht Heimat. Vielleicht könnte sich ein Gefühl von Heimat entwickeln, aber ich weiß es nicht. Ich habe es nie probiert.

Wollen wir für andere Menschen eine neue Heimat sein?

Wenn es also für mich im Grunde die Wurzeln meines Daseins sind, die Deutschland zu meiner Heimat machen und ich mir vorstelle, dass Menschen zu Hunderttausenden ihre Wurzeln ohne jegliche Sicherheit verlassen, muss die Verzweiflung unendlich groß sein. Kann der Weg auf unbekanntes Terrain im Grunde nur von der Hoffnung auf ein besseres Leben getragen sein. Hier anzukommen, ohne die Sprache zu sprechen, die Kultur zu verstehen und nichts zu wissen, außer vielleicht in diesem fremden Land leben und arbeiten zu dürfen, ist gewiss nicht einfach. Das Verlassen der eigenen Perspektive lässt neue Sichtweisen zu. Nämlich darauf, dass man seine Heimat nicht ohne Grund verlässt, aber auch darauf, dass man sich als Fremder einlassen und anpassen muss. Das, was mir in einem anderen Land abverlangt würde, ist legitim, im eigenen Land zu verlangen. Es ist die Basis irgendwo auf der Welt – und auch in Deutschland – ein neues zu Hause zu finden. Darüber hinaus möglicherweise eine neue Heimat – irgendwann.

Heimat allerdings herzunehmen, um Politik damit zu machen, finde ich falsch. Wenn Heimat mit missverständlichen Begriffen wie Leitkultur oder Recht und Ordnung in Verbindung gebracht werden, ist mir nicht wohl dabei. Dann müsste vorangestellt werden, dass „leiten“ in diesem Zusammenhang etwas völlig anderes ist, als vorschreiben, verpflichten oder gar führen. Nämlich lediglich die Richtschnur für unser Verständnis von Zusammenleben meint. Auch an „Recht und Ordnung“ in einem Land habe ich grundsätzlich nichts, denn ohne nationalsozialistische Hintergedanken wäre das Gegenteil einfach „Unrecht und Chaos“. Mit Heimat hat das alles per se aber nichts zu tun. Sondern mit Regeln, Gesetzen, einer Verfassung und Grundrechten, auf die wir uns verständigt haben.

Wenn wir also die politische Mitte, die Demokratie, unsere Werte und den europäischen Gedanken weiter voranbringen und stärken wollen, dann reicht es nach meiner Auffassung völlig aus, Heimat im menschlichen Kontext zu belassen. Die Menschen einfach fühlen und empfinden lassen, was für sie ihre Heimat ist. Meine ist Frankfurt am schönen Main.

Die Autorin Renate Zott

Renate Zott wohnt in Frankfurt am Main und ist aktive Kämpferin für ein positives Altersbild. Renate Zott, erst Versicherungs-Maklerin und jetzt Managerin einer Haustechnik-Firma, ist verheiratet und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Renate Zott ist Botschafterin des Bundesverband Initiative 50Plus und Kreis-Geschäftsführerin des BVI50Plus in Frankfurt am Main.

Sie betreibt den Blog www.topagemodel.de. Renate Zott ist auch bei Facebook und Instagram.

Sehen Sie Renate Zott im BZ-NachrichtenTV:

1 Kommentar zu "Was ist Heimat?! – Auf der Suche nach Antworten. – Ein Kommentar von Renate Zott in BZ-Nachrichten"

  1. Heimat ist da, wo ich zuhause bin.
    Heimat ist da, wo ich meine Wurzeln finde – Wo komme ich her, wo gehe ich hin?
    Heimat ist da, wo ich mich wohlfühle.

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