Weg vom frühen Schongang bei älteren Mitarbeitern (2). – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer) in BZ-Nachrichten

Je länger Menschen im Arbeitsprozess sind, umso weniger brauchen sie jemanden, der ihnen sagt, was sie tun sollen. Jeder ist in der Regel an seinem Platz der Experte und die meisten werden durch eigenverantwortliches Handeln motiviert.

Das ist oft genug gerade für die jüngeren Führungskräfte nicht immer leicht zu akzeptieren, was durchaus verständlich ist – besonders wenn sie, basierend auf den Theorien ihrer Aus-bildung oder eines Studiums, unzählige „neue“ Ideen produzieren, die ältere Mitarbeiter aus der Vergangenheit oft schon kennen und manchmal auch aufgrund von schlechter Erfahrung wieder verworfen haben. Dann entsteht allerdings schnell das Problem, dass einerseits die übermotivierten Chefs ihre älteren Mitarbeiter als Bremser sehen und andererseits die Mitarbeiter die Chefs nicht ernst nehmen. Konfliktpotenzial ohne Ende.

Schlaue Führungskräfte gehen bewusst einen anderen Weg. Sie wissen, dass Befehl und Gehorsam heute einer zeitgemäßen Führung entgegenstehen. Sie akzeptieren, dass sie mehr von ihren Mitarbeitern abhängig sind als diese von ihnen. Sie nehmen die Bedenken erfahre-ner Kollegen ernst, binden sie von Anfang an in ihre Überlegungen ein und lassen sie selbst-ständig mitarbeiten.

Zu viele Führungskräfte resignieren einfach auch zu früh, wenn es darum geht, ältere Mitarbeiter für Veränderungsprozesse zu gewinnen. Veränderungen sind nun mal anstrengend, für jeden Beteiligten. Gerade die Älteren haben unter Umständen schon 20-mal erlebt, dass das Unternehmen neu erfunden und umgekrempelt wurde. Jeder dieser Prozesse hat Spuren hinterlassen, je nach dem Grad der Betroffenheit.

Wer schon mehrmals zu den Verlierern gehört hat, der hat vielleicht wenig Lust und Kraft für einen weiteren Veränderungsprozess. Wenn ältere Kollegen Zweifel anmelden und darauf hinweisen, dass sie das, was als neu verkauft wird, alles schon mitgemacht haben, ist das meistens nicht nur opportunistische Stänkerei. Ihre Analyse stimmt häufig sogar, ist aber vor allem für jüngere Führungskräfte, wenn sie erst kurz im Unternehmen sind, kaum nachvollziehbar.

Es ist ganz ähnlich wie bei den Kunden: Wer sich beschwert, hat weiteres Interesse am Unternehmen. Führungskräfte sollten genau dies zunächst einmal unterstellen. Denn ihre Ideen werden dann am besten umgesetzt, wenn gerade die kritischen älteren Mitarbeiter von Anfang an am besten beratend einbezogen werden und sie sich deren Unterstützung sichern.

Warum auch nicht? Für jeden Veränderungsprozess können die Erfahrung und die Vorbildfunktion der Älteren besonders wichtig sein. Den Versuch ist es auf jeden Fall wert, wenn nicht von vorneherein die Erfolgsvoraussetzungen reduziert werden sollen.

Ich warne allerdings ausdrücklich davor, Ältere nur als Alibi mit ins Boot zu holen, sie dann aber nicht wirklich ernst zu nehmen. Dieses Ansinnen wird schnell zum Rohrkrepierer, weil ältere Menschen das schnell spüren, sich selbst verweigern und das Betriebsklima insgesamt empfindlich stören können.

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

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