Weg vom frühen Schongang bei älteren Mitarbeitern (3). – Ein Kommentar von Helmut Muthers (Babyboomer) in BZ-Nachrichten

Wenn Unternehmen den Anschluss an die Wachstumsdynamik der Märkte nicht verlieren wollen, kann die Digitalisierung nicht außen vor bleiben. Sie sorgt für die technologische Be-standssicherung der Unternehmen und für deren marktpolitisches Reaktionsvermögen.

Der damit einhergehende Anpassungsdruck ist erheblich und betrifft die permanent notwendigen technischen Investitionen, aber auch die in das Humankapital (ein furchtbares Wort für Menschen – denn noch bedienen Mitarbeiter die Maschinen). Dabei stellt sich heraus, dass gerade sie der Engpass sind, denn sie werden rar in Deutschland.

Eine eigenartige Situation ist entstanden: Einerseits benötigen die Firmen junge Mitarbeiter, die digital fit sind, aber nicht in der erforderlichen Anzahl zur Verfügung stehen. Andererseits gibt es viele ältere Kollegen, die das kompensieren könnten, aber zunächst lernen und sich digital fit machen müssen.

Das digitale Potenzial der Älteren wird also zunehmend wichtiger und könnte die Unternehmen wettbewerbsfähiger machen. Interessant ist in diesem Zusammenhang das Ergebnis ei-ner Umfrage. Je höher der Stellenwert der Digitalisierung im Unternehmen eingestuft und je klarer deren Bedeutung bewusst ist, desto mehr steigt die Lernbereitschaft hinsichtlich der digitalen Kompetenzen bei den Mitarbeitern – und insbesondere bei den Mitarbeitern 50plus.

Oft wechseln ältere Mitarbeiter bei technischen Veränderungen in eine Schonhaltung und verweigern sich Neuerungen, so ein weitverbreitetes Klischee. Wenn ihnen ab einem bestimmten Alter keine Lernangebote mehr gemacht werden, ist das Verhalten aus meiner Sicht gut nachvollziehbar. Sehr oft sind es aber auch andere Gründe, die dazu führen, dass sie technisch den Anschluss verlieren.

Wenn Menschen älter werden, verändert sich ihr Lerntempo. Sie deshalb auszuschließen, ist aber keine Lösung und zeugt eher von Geringschätzung. Ebenso wenig macht es Sinn, Alt und Jung in die gleiche Lerngruppe zu stecken. Auch wenn in bestimmten Situationen oder Projekten gemischte Gruppen bereichernd sein können, könnten in Lerngruppen am Ende alle frustriert sein, weil die Älteren eventuell nicht so schnell mitkommen und Jüngere sich langweilen.

Natürlich gibt es auch ältere IT-Freaks. Dennoch sollte man berücksichtigen, dass es demjenigen, der schon 25 Programme gelernt hat, beim 26. vielleicht schwerfällt. Deshalb müssen Lehrmethoden und Lernmittel altersgerecht angepasst werden. Hier scheint mir noch viel Entwicklungsbedarf zu bestehen, denn die Weiterbildung von Menschen über 50 ist in vielen Betrieben und Akademien noch keine Selbstverständlichkeit. Wichtig ist, darauf zu achten, dass niemand abgehängt wird.

Gerade Ältere geben ungern zu, dass sie nicht mitkommen. Manche vertuschen es sogar. Wer sich abgehängt fühlt, schämt sich möglicherweise und sucht Wege, damit das nicht auf-fällt. Es gibt Mitarbeiter, die einmal hoch qualifiziert waren, irgendwann digitale Panik be-kommen haben und immer wieder kreative Lösungen finden, damit andere ihren Job machen. Mancher hat Angst vor der enormen Geschwindigkeit, mit der die Technik sich heutzutage wandelt. Da sollten Führungskräfte schon sicherstellen, dass sie die Aufgaben anpassen. Der Aufwand lohnt sich immer.

Fordern Sie ältere Mitarbeiter, statt ihnen permanent das Gefühl zu geben, sie seien nur noch teure Altlasten, deren Aufgaben Jüngere deutlich preiswerter erledigen könnten. Das ist nicht die Schuld der Älteren. Die sind durchaus in der Lage, ihre höheren Gehälter durch höhere Produktivität oder andere Leistungen zu verdienen. Sie müssen aber auch die Gelegenheit dazu bekommen.

Autor Helmut Muthers

Seit mehr als 17 Jahren fokussiert sich Helmut Muthers auf die Chancen der gesellschaftlichen Alterung und den Unternehmenserfolg bei älteren Kunden und Mitarbeitern. Er gehört zur älteren Generation und kennt die Folgen der demografischen Veränderungen aus exakt dieser Perspektive.

Mit mehr als 1.600 Auftritten gehört Helmut Muthers zu den gefragtesten Rednern mit Themen wie „Sie brauchen keine neuen Kunden. Nehmen Sie die Alten.“ und „Die Mitarbeiter werden grau! Na und? Abschied vom Jugendwahn in der Personalpolitik.“

Helmut Muthers ist Betriebswirt, war Bankvorstand und Sanierer mittelständischer Banken. 1994 gründete er das MUTHERS INSTITUT für Strategisches Chancen-Management. Er ist Landes-Geschäftsführer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz des Bundesverbandes Initiative 50Plus e.V. und Expert-Member des Club 55 (europäische Gemeinschaft von Marketing- und Verkaufsexperten).

Helmut Muthers ist Autor, Mitautor und Herausgeber von 24 Fach- und Hörbüchern, unter anderem „Ab 50 ist man alt… genug, um zu wissen, was man kann und will“, „30 Minuten Marketing 50+“, „Wettlauf um die Alten“.

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